40 Jahre Naturpark Spessart
Rede des Vorsitzenden Landrat Armin Grein
zum Jubiläum im Jahr 2003

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Verein Naturpark Spessart feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Gründungsjubiläum. Für mich ist das Anlass, einen Rückblick auf die erfolgreiche Geschichte des Vereins zu nehmen.

Die Idee Naturparke in Deutschland einzurichten, hatte zum Ende des vorletzten Jahrhunderts der preußische Abgeordnete Wilhelm Wetekamp. Bereits im Jahr 1909 wurde der Verein Naturschutzpark gegründet.

Im Jahre 1954 übernimmt Dr. Alfred Töpfer den ersten Vorsitz im Verein Naturschutzpark. Seine Idee war es weitere großräumige Naturschutzgebiete, ähnlich dem Modell des Naturschutzparkes Lüneburger Heide, der bereits 1921 eingerichtet wurde, zu gestalten.

Diese Gebiete sollten gleichermaßen der Erholung und Erbauung der Menschen, wie dem Landschaftsschutz gewidmet sein. Mit diesen grundlegenden Forderungen von Dr. Alfred Töpfer war das erste deutsche Naturpark Programm der Öffentlichkeit vorgestellt. Widerstände und Bedenken zu diesem Programm kamen vor allem von Vertretern des klassischen Naturschutzes. Man glaubte die Gefahr zu sehen, dass noch verhältnismäßig ruhige von menschlicher Zivilisationszerstörung bisher unberührte Gebiete nun vom Rummel überzogen würden. Dies würde die Landschaften schwer schädigen und alle Naturschutzbemühungen zunichte machen. Zudem sah man die Gefahr, dass Behörden und Gesetzgeber Anliegen des herkömmlichen Natur- und Landschaftsschutzes, mit der Begründung, man habe ja jetzt Naturschutzparke aufgeben.

Bald jedoch wurde allen an dieser Diskussion Beteiligten klar, dass keinesfalls auf Natur- und Landschaftsschutz sowie Landschaftspflege verzichtet werden kann. Auch klar wurde, dass in der dicht besiedelten Kulturlandschaft Mitteleuropas keine Nationalparke nach dem Beispiel der Vereinigten Staaten von Amerika zu verwirklichen sind. Die gesamte Landschaft Mitteleuropas ist mehr oder minder seit über 5.000 Jahren vom Menschen kultiviert und bewirtschaftet.

Gerade dieser Umstand und die unübersehbare Tatsache, dass immer mehr Menschen aus dem städtischen Zivilisations-, Arbeits- und Lebensraum hinausdrängen, um in der freien Natur Ausspannung, Erholung und neue Kräfte zu sammeln, erforderte geradezu zwingend nach Töpfers Vorstellungen zu handeln und weiträumige, schutzwürdige Gebiete zugleich zu schützen, besonders zu pflegen und den Menschen zur Erholung zu erschließen. Das bedeutsame an dem Töpferschen Konzept ist die absolute Gleichrangigkeit von Natur-/ Landschaftsschutz und der sozialen Erholungsfunktion einer lärmfreien, schönen erquickenden Landschaft für den gehetzten Menschen unserer Zeit.

Wie kam es nun zum Naturpark Spessart und zur Gründung des Vereins Naturpark Spessart?

Im Jahre 1955 wurde ein Verfahren eingeleitet, um den bayerischen Teil des Spessarts zum Landschaftsschutzgebiet zu erklären.

Am 10. Februar 1956 erließ die Regierung von Unterfranken die Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet "Mainviereck". Nach Berücksichtigung der Wünsche und Einwendungen der Landkreise und Gemeinden erließ der Bezirkstag von Unterfranken am 15. Dezember 1959 die nötige Verordnung, welche am 29. Februar 1960 vom Bayerischen Staatsministerium des Inneren für vollziehbar erklärt wurde. Die Bezeichnung Landschaftsschutzgebiet Spessart wurde in Naturpark Spessart umgeändert.

Das Bundes-Landwirtschaftsministerium forderte zur Verteilung der Bundesmittel zur Förderung von Naturparken einen Gesamtentwicklungsplan für den Naturpark Spessart. Im März 1961 wurde die Regierung von Unterfranken vom Bayerischen Innenministerium beauftragt, einen solchen Gesamtentwicklungsplan zu erstellen. Aufgrund dieses Auftrages gründete sich 1963 der Verein Naturpark Spessart.

Erster Vorsitzender wurde der Landrat des damaligen Landkreises Alzenau, Dr. Heinrich Degen. Der eigentliche Initiator des Naturpark Spessart, Georg Keimel, wurde Geschäftsführer. 1966 übernahm den Vorsitz der Landrat des Landkreises Lohr am Main, Rudolf Balles. Georg Keimel blieb Geschäftsführer bis 1971. Er wurde abgelöst von Josef Heichele, der bis 1981 das Amt des Geschäftsführers hatte.

Im Zuge der Gebietsreform im Jahre 1972 wurden die vormaligen Landkreise Alzenau, Gemünden, Lohr, Marktheidenfeld und Obernburg aufgelöst. Den Vereinsvorsitz
übernahm der Landrat des Kreises Aschaffenburg, Roland Eller. Zwischen 1976 bis 1984 führte den Verein der Landrat des Kreises Miltenberg, Karl Oberle. Bereits während dieser Zeit, im Jahre 1981, übernahm Forstdirektor Christoph Frucht die Aufgabe des ehrenamtlichen Geschäftsführers. Ich selbst übernahm 1984 von meinem Kollegen Oberle den Vorsitz des Naturparkes Spessart. Herr Frucht gehört damit seit 22 Jahren, ich seit 19 Jahren dem Verein Naturpark Spessart an. 2002 kam als stellv. Geschäftsführer der Dipl.-Ing. für Landschaftspflege Marko Drüg dazu, um Herrn Frucht bei seiner Arbeit halbtags zu unterstützen. Herr Drüg ist der erste hauptamtliche Angestellte des Vereins.

Im Jahre 1961 schrieb der damalige Regierungspräsident Dr. Günder in einem von der Regierung von Unterfranken veröffentlichtem Buch folgende Worte, die heute immer noch ihre Gültigkeit haben:

"Mit dem Spessart ist ein Gottesgeschenk in unsere Hand gegeben, das unserer ganzen Aufmerksamkeit und liebevollen Betreuung bedarf, wenn wir selbst seiner Segnung teilhaftig werden wollen und vor der kommenden Generation durch Weitergabe eines gut verwalteten Erbes bestehen wollen. Denn auch diese Naturlandschaft steht der Gefahr gegenüber, durch die Gleichgültigkeit und den Egoismus unserer Generation in ihrer Ursprünglichkeit verloren zu gehen. Einer solchen Entwicklung vorzubeugen und damit dem Menschen eine Landschaft zu erhalten, die ihm Wohlbefinden und Freude im reichsten Maße zu schenken bereit ist, muß Ziel aller Verantwortungsbewussten sein. Ordnende Hände sind vonnöten, die in sorgsamer Abwägung zwischen Erhalten und Verändern der hohen Verpflichtung unserer Zeit gerecht werden."

Diese helfenden Hände sind der Verein Naturpark Spessart.

Der Verein nimmt für den Naturpark folgende Aufgaben wahr:
- Schutz, Pflege und Erhaltung von Natur und Landschaft
- Erhalt der charakteristischen Kulturlandschaft
- Förderung einer nachhaltigen Nutzung und Vermarktung regionaler Produkte und Stärkung der regionalen Identität
- Bewahrung und Förderung des kulturellen Erbes, Erhalt von Bau- und Bodendenkmalen sowie Weiterentwicklung der Siedlungs- und Baukultur
- Sicherung der landschaftsbezogenen Erholung und eines umwelt- und sozialverträglichen Tourismus
- Schonung der natürlichen Ressourcen
- Zusammenarbeit mit Kommunen, Behörden und privaten Organisationen
- Förderung eines breiten Umweltbewusstseins durch Umweltbildung, Informations- und Öffentlichkeitsarbeit
- Schaffung und Unterhaltung von Einrichtungen zur Erholungsnutzung und Besucherlenkung.

Dieses Aufgabenspektrum entspricht den Forderungen des Bundesnaturschutzgesetzes.

1963 sah das alles noch ganz anders aus. Der Naturpark Spessart war damals der erste Naturpark in Bayern. Mit der Gründung wurde Neuland betreten. Die so genannte Naturparkrichtlinie, welche die in bayerischen Naturparken durchzuführenden Pflege- und Erholungsmaßnahmen regelt, basiert in ihrer ursprünglichen Fassung auf den Erfahrungen bei der Entwicklung des Naturpark Spessart.
In den ersten 25 Jahren wurde der Spessart vom Verein fleißig touristisch erschlossen und nach dem damaligen Zeitgeist eingerichtet. U. a. wurden  Jugend-zeltplätze, Lehrpfade, Erholungsanlagen, Grillplätze, Wassertretanlagen, Skilifte, Aussichtstürme, Trimmpfade, Wildgehege, Stauseen, Kinderspielplätze, Schutzhüt-ten, Bänke, Quellfassungen, Rastplätze, Toiletten, Campingplätze, Fußgängerbrücken, Parkplätze mit Rundwanderwegen vom Verein errichtet.
Zeiten dieser lebhaften Investitionen sind leider vorüber. Einerseits weil alles viel bürokratischer und damit komplizierter wurde, andererseits durch den Geldmangel öffentlicher Kassen.
Skilifte, Aussichtstürme und Campingplätze werden beispielsweise überhaupt nicht mehr gefördert. Trimmpfade nicht mehr benutzt, weil andere Aktivsportarten, wie Inliner oder Mountainbike fahren, heute die Funktion der Aktivsportarten übernommen haben.

Während zu Anfangszeiten bei den Naturparken das Motto "der Mensch muss in die Natur" herrschte, will man diese heute in sensiblen Bereichen bewahren. Besucherlenkung, sanfter Tourismus, Regionalmarketing lautet die heutige Devise. Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir Autobahnrastplätze möbliert haben und von dort ausgehend Rundwanderwege auswiesen. Die Touristen überschwemmten geradezu sensible Bereiche und zerstörten sie unbeabsichtigt. Heute versuchen wir den Touristen durch speziell geschulte Natur- und Landschaftsführer zu sensibilisieren und gezielt zu führen.

Auch heute gibt es ermutigende Blicke nach vorne. So erwarb der Verein schützenswerte Grundstücke wie z.B. Orchideenwiesen, Feuchtwiesen oder Stein-brüche, um die dort anzutreffende Flora und Fauna zu bewahren. Weit mehr als die Hälfte seines Etats verwendet der Naturpark mittlerweile jährlich für die Pflege von ökologisch besonders wertvollen Gebieten.
Der Verein passte sich den sich veränderten Gegebenheiten an.
Das Prospektmaterial wurde bunter und vielfältiger. Der Verein, das dürfte wohl deutschlandweit einmalig sein, erwarb sogar das Recht auf Herausgabe des Buches von Heinz Staudinger über den Erzwilddieb Johann Georg Hasenstab, des wohl berühmtesten Wilddiebes des Spessart. Dieses Buch schildert die Lebens- und Sozialgeschichte von Johann Adam Hasenstab.

Bestes Beispiel aber für das Neugeschaffene ist die Homepage. Diese hat sich innerhalb kürzester Zeit, auch und vor allem Dank des unermüdlichen Engagements unseres Webmasters Manfred Dirlam, zu einem sehr wichtigen und sehr interessanten Informationsinstrument entwickelt. Dessen ungeachtet, wenn wir dieses Instrument weiter auf hohem Niveau halten, bzw. noch attraktiver machen wollen, benötigen wir in Zukunft die Unterstützung von ihnen allen.
Lassen sie uns gemeinsam die Zukunft des Naturpark Spessart gestalten.

Zusammen werden wir auch die zukünftigen Aufgaben und Herausforderungen, die uns der Naturpark stellt, meistern.

Informationen

Naturpark Spessart e.V.
Frankfurter Straße 4
97737 Gemünden a. Main
Telefon 09351 603446
Naturpark Spessart

 

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