Offenhaltung Haseltal
Wo der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling zu Hause ist

Das obere Haseltal bei Bad Orb ist ein Paradies für Mensch und Natur. Das Naherholungsgebiet der Kurstadt wird nicht nur von Besuchern stark frequentiert, die feuchten Wiesenflächen im Talgrund bieten auch vielfältige Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Hier lebt zum Beispiel der Dunkle Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling - ein seltener Tagfalter, der seine Eier auf dem Großen Wiesenknopf ablegt. Die Schmetterlingsraupen ernähren sich zunächst von den Blüten der Pflanze und lassen sich dann zu Boden fallen und von Wiesenameisen in deren Bau tragen – daher auch der Name des Schmetterlings. Dessen Raupen sind in der Lage, den Nestgeruch der Ameisen zu imitieren, und werden daher von den Ameisen wie die eigene Brut gepflegt, obwohl sie sich bis zur Verpuppung räuberisch von deren Eier und Larven ernähren. Neben dem Ameisenbläuling nutzen zahlreiche weitere Schmetterlingsarten, Libellen und Amphibien die Wiesen und Quellbereiche entlang des Haselbachs als Lebensraum.

 

Da die Wiesen in den letzten Jahren nicht mehr genutzt worden sind, machen sich zunehmend Adlerfarn, Schlehen und Brombeergebüsche breit und verdrängen die ursprüngliche Vegetation. Zudem drängen Fichten und andere Gehölze von den Waldrändern in die noch offenen Flächen vor. Ohne Gegenmaßnahmen würde das Haseltal innerhalb weniger Jahre zuwachsen. Zahlreiche, zum Teil stark gefährdete Arten würden in Folge verschwinden. Zudem würde die Attraktivität des Tals für die Naherholung deutlich sinken.

 

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, haben Mitarbeiter des Biotopverbundprojekts gemeinsam mit Vertretern der Stadt Bad Orb, des Landschaftspflegeverbands und der Unteren Naturschutzbehörde Konzept zur langfristigen Offenhaltung und Pflege des oberen Haseltals erarbeitet.

 

Erste Pflegemaßnahmen wurden bereits von Mitarbeiter der soziotherapeutischen Einrichtung „Haus Noah“ in Bad Orb im Auftrag des Landschaftspflegeverbands durchgeführt. Der Arbeitstrupp entfernte Schlehengehölze unterhalb der Haselruh und Brombeerbüsche, welche die Wiesen zunehmend überwuchern. Zurzeit werden die Adlerfarnbestände zurückgedrängt. Der Adlerfarn ist sehr wuchsstark und überwuchert alle anderen Wiesenpflanzen. Da der Farn für die meisten Weidetiere giftig ist, kann er nur durch mehrfaches Abmähen bekämpft werden.

 

Die von Adlerfarn, Schlehe und weiteren Gehölzen befreiten Wiesen sollen dann langfristig durch eine angepasste Mahd und durch extensive Beweidung offen gehalten werden. Oliver Schmidt, Mitarbeiter im Haus Noah, hält für diesen Zweck eine kleine Herde von Ziegen und Schafen, welche Gehölze klein halten werden. Hiervon profitieren nicht nur Tierarten wie der Ameisenbläuling, sondern auch die Besucher des idyllischen Spessarttales, die sich weiterhin an einer abwechslungsreichen Landschaft erfreuen und Oliver Schmidts Tieren bei der Landschaftspflegearbeit zuschauen können.

 

Informationen

Biotopverbundprojekt Spessart

Frankfuter Str. 4

97737 Gemünden am Main

Tel. 09351 603446
Fax 09351 602491

oliver.kaisernaturpark-spessart.de