Der Plattenberg
Bunte Welt der Orchideen, Ritterfalter und Neuntöter
Wer von Aschaffenburg nach Kleinwallstadt fährt, kommt an einer kleinen, waldfreien Kuppe vorbei, dem Plattenberg. 275 Meter hoch über Kleinwallstadt erhebt sich eine Landschaft, die auf kleinstem Raum eine große biologische Vielfalt beherbergt. Für den Besucher ist es nur ein kurzer Abstecher aus dem hektischen Maintal und schon taucht er in eine bunte Welt der Orchideen, Ritterfalter und Neuntöter ein.
Kleinwallstadt mit dem Plattenberg im Hintergrund
Sieht man sich den Plattenberg aus der Nähe an, muss man unwillkürlich an die Menschen denken, die seine Strukturen geschaffen haben. Steil ansteigende Wiesen, mit Trockenmauern abgestützte Weinbergsparzellen, eingestreute Obstbäume und eine waldfreie Fläche am Oberhang sind die augenfälligsten Lebensraumelemente. Schon sehr früh hatten die hier lebenden Menschen erkannt, dass der Boden auf der Kuppe sehr fruchtbar. Tatsächlich besteht der Untergrund aus einer bis zu drei Meter mächtigen Lößschicht: ideale Bedingung für erfolgreichen Ackerbau! So wurde der ursprünglich vorherrschende Wald bereits in der Steinzeit gerodet. Belege für diese Aktivitäten aus vorchristlicher Zeit sind im Stiftsmuseum der Stadt Aschaffenburg in Form von Steinkeilen und bronzenen Armspiralen zu bewundern. Auch aus keltischer Zeit stammen Hinweise und Bodenfunde, die auf eine beachtliche Kultur am Plattenberg schießen lassen!
Helmknabenkraut
Wer den Plattenberg erwandert, wird ein kleinräumig gegliedertes Naturgebiet erleben, in dem eine bunte Mischung an Tieren und Pflanzen gedeiht. Feldgehölze und Hecken gliedern die Landschaft. Sie sind Wohn- und Rückzugsstätten für manche Art, die aus dem dicht besiedelten Maintal weichen musste. Ob Blindschleiche, Zauneidechse, Ameise oder Hundertfüßler, alle suchen hier Deckung vor Feinden und widriger Witterung. Vor allem Vögel nutzen die Buschgruppen als Nahrungsraum und Ansitzwarten. Anfang Mai lässt sich der seltene Neuntöter sehen. Der Zugvogel brütet seit vielen Jahren am Plattenberg. Als regelrechter Wegelagerer und aufmerksamer Lauerjäger hält er von herausragenden Heckenzweigen Ausschau nach Großinsekten, Mäusen und Eidechsen. Wie alle Würgerarten spießt er seine Beutetiere gerne auf Dornen von Schlehen und Weißdorn auf, um sie bei späterer Gelegenheit zu verzehren. Sein kurzer Aufenthalt endet bereits im August, denn zu dieser Zeit zieht der Neuntöter zurück ins warme Afrika.
Übertroffen wird die Artenvielfalt und der Farbenreichtum der Hecken durch die magereren Wiesen am Mittelhang des Berges. Die ehemaligen Weiden bestechen durch Blütenreichtum und zeigen vom violetten Flor des Wiesensalbeis über das Gelb des Klappertopfes bis zum Weiß der Margariten alle Farben der Natur.
An trockeneren Stellen mischen sich Kräuter wie Feldthymian und Majoran um ein. Der kalkhaltige Untergrund der Halbtrockenrasen ist Voraussetzung für die neun vorkommenden Orchideenarten. Dominierend wirkt das Helm-Knabenkraut, das mit etwa 200o Exemplaren vorkommt. Aber auch so seltene Orchideenarten wie das Weiße Waldvögelein, die Breitblättrige Stendelwurz oder das Eiförmige Zweiblatt finden sich unter den nachgewiesenen Arten.
Margarite mit Besuchern
Mitglieder des Bund Naturschutzes (BN) und des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) haben einen Naturpfad angelegt. Dabei wird auf vor allem auf botanische Gegebenheiten hingewiesen. Zudem finden naturkundliche Exkursionen mit unterschiedlichen Schwerpunktthemen statt (z. B. Vogelstimmen, Orchideen, Schmetterlinge usw.).
Ansprechpartner
Thomas Staab
Landesbund für Vogelschutz e. V.
LBV-Bezirkgsgeschäftsstelle Unterfranken
und Umweltstation Naturerlebnisgarten
Dreizehnmorgenweg 8
63801 Kleinostheim
Rufnummer Geschäftsstelle: 06027 409079-6
Rufnummer Umweltstation: 06027 409079-7
untermain.lbv.de/
untermain@lbv.de
Informationen
Landesbund für Vogelschutz
Thomas Staab
Kleinostheim
untermain.lbv.de
untermain@lbv.de

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