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5 neue Schutz- und Infohütten in Miltenberg eingeweiht

Dorfprozelten hat eine neue Schutzhütte. „Ein Juwel im Wald”, freute sich Elisabeth Steger, Bürgermeisterin der Gemeinde Dorfprozelten.
Am 14.06. trafen sich die Akteurinnen und Akteure an der Wanderhütte „Sandplatte” zur offiziellen Einweihung der fünf neuen Schutz- und Infohütten im Landkreis Miltenberg.

Großen Dank sprachen die Anwesenden Dorfprozeltens zweitem Bürgermeister Albert Steffl aus. „Der hat hier sehr viel Energie und Engagement reingesteckt”, so Julian Bruhn, Projektleiter vom Naturpark Spessart e.V.

 

Vor der neuen Schutzhütte „Sandplatte“ stehen v.L.n.R. Victoria Schuler, Naturpark-Rangerin; Julian Bruhn, Projektleiter Naturpark Spessart e.V.; Ralph Herchet, Geschäftsführer Zimmerei Herchet; Thomas Köhler 1. Bürgermeister Markt Kleinwallstadt; Albert Steffl, 2. Bürgermeister Dorfprozelten; Elisabeth Steger 1. Bürgermeisterin Dorfprozelten; Philipp Wollbeck, Geschäftsführer LAG Main4Eck; Günther Öttinger, Stellv. Landrat Miltenberg. (Die Masken wurden für das Pressefoto kurz abgenommen) (Foto: Jennifer Weidle/Naturpark Spessart e.V.)

 


Innovativ: Barrierefreie Wanderhütte

Dank Steffl und Steger können auch Rollstuhlfahrende die Hütte nutzen. Eine Rampe führt über den kleinen Graben in die Hütte, innen: ein rollstuhlgerechter Boden aus Lärchendielen.

Steger: „Wir kennen Leute, die im Rollstuhl sitzen und motorisierte Rollstühle nutzen. Auch die sollen Zugang haben.” Dies sei eine freie Entscheidung der Kommune gewesen. „Wir wollten niemanden ausschließen.
Dank des großen Vorplatzes ist das Sitzen in corona-konformen Abständen möglich. Steffl: „Wir hatten an dieser Stelle Kronenholz von Käferfichten liegen. Ich habe angeregt, das gleich zu häckseln und so den Vorplatz zu schaffen.”

 

(Foto: Jennifer Weidle/Naturpark Spessart e.V.)

 

 

Standortwahl – Natur, Kultur und Wanderlust

Steffl war auch maßgeblich bei der Auswahl des Standorts beteiligt. Die Hütte sollte nicht nur optisch her passen, sondern auch eine Brücke zur umliegenden Natur und Kultur schlagen. Steffl, der auch ehrenamtlicher Naturparkführer ist, erklärt: „Wir haben nebenan einen Biotopbaum, nicht weit von hier den höchsten Baum Bayerns und die Kriegergedächniskapelle.” Auch die Anbindung an das Wanderwegenetz war ein Kriterium für diesen Standort. „Von hier kommt man immer weiter”, so Steffl: Die Wanderwege D1, D2, Fränkischer Marienweg treffen sich hier, der Eselsweg ist nicht weit. Auch für Einheimische soll diese Hütte Treff- und Anlaufpunkt sein. Steffl: „Diese Hütte ist ein Lichtblick. Jedes Mal, wenn ich hier rauffahre, denke ich: es gibt nichts Schöneres.” Das Hüttenbuch zeugt davon, dass die Hütte bereits gerne genutzt wird.


(Foto: Jennifer Weidle/Naturpark Spessart e.V.)

 


EU-Förderprojekt finanziert den Großteil der Kosten

„Eine einfache Schutzhütte – man glaubt gar nicht, wie aufwendig so was sein kann”, meint Bruhn. Fast zehn Jahre Planung seien nötig gewesen um die insgesamt 23 neuen Hütten zu etablieren. Fünf davon stehen nun im Landkreis Miltenberg. Neben Dorfprozelten und Kleinwallstadt auch in Sulzbach a.Main, Großheubach und in Mömlingen. Für die Finanzierung das Anzapfen eines EU-Förderprojekts und dafür zuerst die Gründung der zweiten Lokalen Aktionsgruppe (LAG) im Spessart. Für die beiden LAGn war stellvertretend der Geschäftsführer Philipp Wollbeck gekommen. Er lobt das Schutzhüttenprojekt des Naturpark Spessart und hebt auch den Ideenwettbewerb an Zimmererschulen hervor; mit dem Entwurf von Zimmererschüler:innen wurde die Pilothütte gebaut. Wollbeck: „Ein super Prozess, dass man das über die Jugend gemacht hat.“ Er sei gerade aus dem Allgäu zurückgekommen. „Das Wetter war nicht perfekt und wir dachten uns oft‚ ‚wenn wir jetzt so eine Hütte hätten…’ und haben uns dort eine Hütte wie diese hier gewünscht.” Auch die Beschilderungen seien im Allgäu nicht so gut wie im Spessart. „Wir haben uns mehrfach verlaufen – dabei habe ich Geografie studiert.” Im Spessart gibt es zwei LAGs: Die LAG Main4eck und die LAG Spessart. Dadurch habe man statt der üblichen 60 sogar 70 Prozent Förderung von der EU erhalten, so Wollbeck; insgesamt 261.000 Euro. „Wenn man mal wieder als Gemeinde nachdenkt, ob man Mitglied der LAG bleiben soll, würde ich sagen: ja, es lohnt sich.” Im Gemeinderat Dorfprozelten sei mancher zuerst kritisch gewesen. „Brauchen wir eine Hütte, wurde da gefragt”, so der zweite Bürgermeister und schmunzelt, „aber was braucht man schon im Leben.” Günther Oettinger, Altbürgermeister und stellvertretender Landrat vom Landkreis Miltenberg meint, der Restbetrag für die Hütten sei wirklich überschaubar, „wenn man sich die Haushalte mal anschaut.” Und hier habe man was Handfestes. „Wann hat man das schon mal, als Bürgermeister?” Für Wandernde sei die Hütte ein Segen, und durch die robuste Konstruktion mit Douglasienverschalung für die mittlere Ewigkeit gebaut. Thomas Köhler, Bürgermeister von Kleinwallstadt lobt das optimal durchgeplante Projekt und auch die hervorragende Umsetzung durch die Zimmerei Herchet aus Flörsbachtal. „Ich weiß, wovon ich rede”, so Köhler „mein Sohn ist auch Zimmermann.” Ralph Herchet, Chef des Aufbauteams ist zur Einweihung schon ein weinendes Auge anzumerken. „Er bringt sich mit viel Liebe zum Detail und bester Qualität in der Umsetzung ein“, berichtet Projektleiter Bruhn. „Er legt sogar noch die Regenrinnen kostenlos oben drauf, da die zunächst nicht vorgesehen waren.“

 

Kooperationspartner – „ohne die läuft nix”
„Ohne Bauhof läuft nichts”, so Julian Bruhn und dankte den „Helden in orange” vom örtlichen Bauhof, die sich um die Instandhaltung der Hütte kümmern werden. „Unsere Naturpark-Rangerin Victoria Schuler könnte den Unterhalt der Schutzhütten alleine nicht stemmen.” Ohne die gute Zusammenarbeit mit den Kommunen, habe der Naturpark Spessart keine Chance ein großes Projekt wie dieses zu stemmen. Auch der Spessartbund sei, wenn es um die Wanderinfrastruktur geht, ein unverzichtbarer Kooperationspartner des Naturparks. Die letzte der 23 Schutzhütten wird in den nächsten Tagen in Waldaschaff gestellt. Das Schutzhüttenprojekt – das größte LEADER-Projekt der vergangenen sieben Jahre zur Förderung des ländlichen Raums - wird damit beendet sein. Und der Naturpark-Spessart plant schon das nächste, nämlich bequeme Picknickbänke mit Solarladestation, Kühlbox und WLAN. Mal sehn, ob das auch über eine LEADER-Förderung möglich wird…

 

Saustall

Eine weitere der fünf Schutzhütten im Landkreis Miltenberg steht in Großheubach am Standort „Saustall”. Dieser Standort hat eine kulturell-historische Bedeutung, denn hier ist noch der Saustall aus den Zeiten vor den 1930er Jahren zu sehen. Früher hatten viele Haushalte ein Schwein zur Selbstversorgung. Um die Tiere im Sommer zu betreuen und zur Mast in den Wald zu führen hatte jedes Dorf einen Schweinehirten. „Oft der ärmste Kerl im Dorf,” so Günter Oettinger. In jedem Wald gab es einen Saustall, oft an der Gemarkungsgrenze gelegen. „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt”, so Oettinger. Dieser Pferch wurde aus Steinplatten vom heimischen Steinbruch, sogenannte Stellsteinen, gebaut. Der Schweinehirte hatte eine Hütte bei den Tiere. Tagsüber führte er die Tiere in den Wald, wo sie Eichen und Bucheckern fraßen. Überschritt er dabei mit den Tieren die Gemarkungsgrenze wurde er oft verprügelt. Heute zeugen noch alte Stellsteine, wie an der Schutzhütte in Großheubach von der Schweinemast im Wald. Auch Straßen, die bis heute „Am Trieb” heißen, zeugen von dieser Zeit. Die Tradition der Schweinehirten und Sauställe starb mit wachsendem Wohlstand und mit der Verfügbarkeit von anderem Futter. Heute wird Fleisch von Schweinen aus natürlicher Eichelmast teuer importiert und gilt als Delikatesse.

 

Grundschule Dorf-/Stadtprozelten möchte Naturpark-Schule werden

Die Grundschule Dorf-/Stadtprozelten wird bei der Natur- und Umweltbildung zukünftig enger mit dem Naturpark Spessart e.V. zusammenarbeiten. Am 8.6. unterzeichneten Vertreter:innen der 1972 gegründete Verbandsschule, der beteiligten Gemeinden und des Naturparkvereins eine entsprechende Kooperationsvereinbarung. Das Ziel: die Zertifizierung der Grundschule als offizielle Naturpark-Schule gemäß den Kriterien des Verbands deutscher Naturparke.

„Die Kooperation mit dem Naturpark Spessart ist das i-Tüpfelchen für die Schulgemeinschaft”, freut sich Elisabeth Steger, Bürgermeisterin der Gemeinde Dorfprozelten. In und um die Schule ist man seit jeher in Sachen Umwelt aktiv. „Hier wurde schon immer auf eine naturnahe Bepflanzung geachtet”, so die Bürgermeisterin; die Kinder seien eifrige Unterstützer:innen. Zum Beispiel bei Flursäuberungen oder dem Anbringen und Pflegen von Nistkästen.

Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Naturparks freut sich über die Partnerschaft mit der Grundschule: „Die 10-jährige Erfahrung mit der Grundschule Partenstein zeigt, wie sehr Lehrkräfte und Kinder von der Kooperation profitieren.“ Der Naturpark will das Konzept daher auch an andere Schulen bringen, doch fehlten dafür die Personalkapazitäten. „Nun, da wir seit gut zwei Jahren unser Ranger-Team haben, können wir das Netzwerk an Naturpark-Schulen ausbauen.”

 

„Unterzeichnung Kooperationsvereinbarung“ (von links) Bürgermeister Rainer Kroth, Andreas Bieber, Rektor Thomas Weigel, Bürgermeisterin Elisabeth Steger und der 2. Vorsitzende des Naturparks Thomas Zöller unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung (Foto: Oliver Kaiser)

 

Naturpark-Rangerin Victoria Schuler wird Ansprechpartnerin für die Grundschule sein. „Ich koordiniere die Aktivitäten und organisiere zum Beispiel gemeinsam mit der Schule, unseren Naturpark-Führerinnen und -führern und anderen Fachleuten Aktions- und Exkursionstage.“
„Dabei gehen wir immer auf die Inhalte des Lehrplans ein”, so die Rangerin. Je nach Jahrgang seien dies zum Beispiel Wiesen und Weiden, Wald und Hecken aber auch Dinge, die für den Ort der Schule typisch sind und die regionalen Nutzungsformen widerspiegeln „Schauen Sie: hier haben wir den Main direkt vor der Schule. Ich könnte mir vorstellen, dass wir etwas zum Thema Fischerei machen. Oder ein Aktionstag zur Streuobstwiese, an dem wir dann gemeinsam mit den Kindern Streuobst sammeln und Apfelsaft pressen.”

Rainer Kroth, Bürgermeister von Stadtprozelten, ergänzt. In Zeiten, wo die Kinder immer mehr mit Handy konfrontiert werden, sei es wichtig, dass sie die Natur erleben. „In meiner Generation war die Natur noch wichtiger als Hausaufgaben. Da war man nach der Schule sowieso den ganzen Tag draußen.”
Er habe selbst schon verschiedene Natur-Aktionen geleitet; er erlebt Kinder an solchen Tagen als aufgeschlossen und begeistert.

Thomas Weigel ist seit 2017 Rektor der Grundschule (seit 1996 als Lehrkraft an der Schule) und bestätigt, dass Umweltbildung gut bei den Kindern ankomme. Genau so solle nachhaltiges Lernen aussehen: „Wir stellen fest, dass Wissen dann hängen bleibt, wenn alle Sinne angesprochen werden — wenn man Inhalte mit Herz, Hand und Verstand vermittelt.”
Gerade in Corona-Zeiten war die Umweltbildung eine tolle Abwechslung. „Während die Kinder in der Zeit sehr viele Arbeitsblättern bearbeiten musste, waren Umweltaufgaben eine Bereicherung.” Die Kinder seien zum Beispiel mit Eifer bei der Sache gewesen, als es darum ging Wiesenblumen zu bestimmen.
Rektor und gesamtes Kollegium sehen die Zukunft zusammen mit dem Naturpark Spessart als gewinnbringend für die Kinder.

 

„Bürgermeister und Rektor“ (von links) Bürgermeister Rainer Kroth, Bürgermeisterin Elisabeth Steger und Rektor Thomas Weigel freuen sich über die Kooperationsvereinbarung mit dem Naturpark Spessart (Foto: Oliver Kaiser)

 

Andreas Bieber, Vorsitzender Schulverband Dorf-Stadtprozelten, freut sich ebenso über die Unterstützung von außen. Er hat Erfahrung in Sachen Natur, war ehemals als Fachberater für Umweltbildung im Landkreis Miltenberg aktiv.
„An der Schule vermitteln wir oftmals nur das Wissen, aber durch die Aktionen und die Praxis mit dem Naturpark Spessart wird dieses Wissen geerdet”, so Bieber.

Erst wenn Kinder selbst entdecken und bestaunen könnten, entwickle sich echte Wertschätzung. „Nur so entsteht Verbundenheit mit der Natur.” Das sei, so Bieber, der große Vorteil des ländlichen Raums. „Wir haben die Natur hier vor Ort, für die Leute aus der Stadt erst rausfahren müssen.”

Thomas Zöller, stellvertretender Vorsitzender des Naturparkvereins und Bürgermeister des Markts Mönchberg freut sich, dass so viele Schulen im Landkreis Miltenberg an der Zertifizierung zur Naturpark-Schule interessiert sind. „Nach Faulbach sind wir jetzt hier soweit und auch in Mönchberg und Röllbach haben die Schulen Interesse.”
Für Zöller ist klar: „Es gibt keinen Plan B für unseren Planeten, es gibt nur diesen einen!” Und den gelte es zu schützen. „Nur, wenn wir unseren Kindern beibringen, dass man mit der Natur gut umgeht, sehe ich eine gute Zukunft für weitere Generationen.”

„Gruppenbild 2“ (von links) Die Kooperationspartner im angeregten Gespräch, vorne Rangerin Victoria Schuler und Rektor Thomas Weigel, im Hintergrund die Bürgermeister Kroth, Zöller und Steger (Foto: Oliver Kaiser)

 

Bürgermeisterin Elisabeth Steger ist überzeugt: Durch das Fachwissen und die Förderung durch den Naturpark Spessart bekommt das Thema Umweltbildung eine andere Wertigkeit für die Schule. „Ich bin sehr froh, dass Rektor und Lehrerschaft die Kinder mitziehen und gemeinsam für die Natur aktiv werden.”

Die Grundschule Dorf-/Stadtprozelten könnte die vierte offizielle Naturpark-Schule im Spessart werden. Bereits zertifiziert sind die Grundschulen in Partenstein und Faulbach. Die Grundschule in Mömbris-Gunzenbach wird heuer die Auszeichnung erhalten. Bundesweit gibt es inzwischen über 130 Naturpark-Schulen. Das Konzept stammt aus Österreich: Schulen kooperieren eng und dauerhaft mit Naturparkverwaltungen und regionalen Partnern. So werden den Kindern Natur- und Nachhaltigkeitsthemen vermittelt.

 

 

Mit dem Gebietsbetreuer unterwegs auf der Wasserbüffelweide

Windheim
Was macht der Wasserbüffel im Hafenlohrtal? Er kommt nicht nur mit der kargen Kost und dem nassen Untergrund zurecht. Durch die landwirtschaftliche Nutzung entsteht ein Lebensraum, der Artenvielfalt erst entstehen lässt.

Vergangene Woche fanden zwei VHS-Führungen zu den Wasserbüffeln im Hafenlohrtal statt — wenn auch mit Maskenpflicht. Christian Salomon, Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart, zeigte den Teilnehmenden, wie die kolossalen Weidetiere im unteren Hafenlohrtal leben und was sie erschaffen.

Christian Salomon begleitet das Wasserbüffelprojekt, das als UN-Dekade-Projekt ausgezeichnet wurde, seit 2009. „Bevor der Naturpark Spessart e.V. das Projekt initiiert hat, lag der Talabschnitt brach, war verbuscht oder mit Fichten-Monokultur bepflanzt.” Eine Artenvielfalt, wie sie heute besteht, war undenkbar.

Die Teilnehmenden der VHS-Führung kamen, um die Wasserbüffel zu sehen, „aber auch für das ganze Drumherum”, so eine Teilnehmerin aus Karsbach.

Während die Wasserbüffel ein Bad in einem Weiher auf ihrer Weide nehmen, informiert Landwirt Reinhold Tausch über die Tiere: 5000 Wasserbüffel werden in Deutschland gehalten; sie sind jedoch keine Wildtiere. „Sie sind seit Jahrtausenden domestiziert und werden für die Fleisch- oder die Milchproduktion für Büffelmozarella gehalten”, so der Bio-Landwirt aus Bergrothenfels.

 

Teilnehmende mit Christian Salomon (rechts im Bild), im Hintergrund die Exmoor-Ponies (Foto: Jennifer Weidle)

 

Was macht die Wasserbüffel so ideal für die Haltung im Hafenlohrtal?
Tausch erzählt, er habe auf den Weiden im Tal einst Galloway-Rinder gehalten. „Die habe ich im Herbst mit dem gleichen Körpergewicht von der Weide geholt, wie im sie im Frühjahr draufgestellt habe.” Die karge Kost, wie Binsen und Seggengräser, reiche üblichen Weidetieren als Futter nicht. Die Wasserbüffel, die im Jahr 2019 Gesellschaft durch drei Exmoor-Ponies bekamen, nähmen mit dem Futter sogar noch zu; das Fleisch vermarktet der Landwirt auf Anfrage.

„Als ich noch wenig Erfahrung mit den Büffeln hatte, hätte ich einmal fast die Feuerwehr gerufen”, erzählt der Büffelflüsterer. Eine Kuh habe bis zum Bauch im Morast festgesteckt. „Die hat sich dann einfach rausgerollt. Jedes andere Tier wäre in Panik verfallen.”
Während der feuchte Boden bei üblichen Weidetieren zu Krankheiten an Hufen und Klauen führen würde, seien Wasserbüffel und Exmoor-Ponies - die das Moor schon im Namen tragen - hier ideale Weidetiere.

Was die Wasserbüffel brauchen und so ganz nebenbei für die Artenvielfalt tun, zeigt Gebietsebetreuer Christian Salomon einige hundert Meter weiter.
Die Teilnehmenden sind dafür über das Tor der Nachbarweide geklettert - die ist gerade „unbebüffelt“, sonst wäre das Betreten zu gefährlich. Die Kinder dürfen mit Kescher und Gläsern kleine Tiere aus dem Tümpel fischen. „Ich beobachte gerade einen Mord!”, ruft die Zwölfjährige entsetzt. Eine Gelbrandkäferlarve (Dytiscus marginalis) nutzt die Situation im engen Glas, um einen Fadenmolch zu erlegen. „Das ist eben Natur”, so Salomon, der den Kindern aber zeigt, dass noch ganz viele kleine Molche im Tümpel leben.

 

Die Kinder bestaunen die in einer Büffelsuhle gefundenen Tiere, u.a. Libellenlarve und Teichmolch (Foto: Jennifer Weidle)

 

Dass Amphibien und Insektenlarven, wie die Blaupfeil-Libelle (Orthetrum brunneum), hier einen Lebensraum gefunden haben, verdanken sie den Wasserbüffeln – denn die haben den Tümpel angelegt. „Das machen die natürlich nicht uneigennützig”, so Salomon. Wasserbüffel haben – im Gegensatz zu anderen Rindern – kaum Schweißdrüsen, in ihrem feuchten Lebensraum gibt es jedoch viele Stechmücken. „Um sich zu schützen, legen die Tiere Suhlen an und wälzen sich im Schlamm.” Dabei fänden die Büffel genau die Stellen, in denen sich Wasser sammelt.

 

Allen teilnehmenden Eltern ist wichtig, dass die Kinder rauskommen und so einen Bezug zur Natur entwickeln. Matthias Meidhof und Sohn Noah (9) sind aus Lohr hergekommen; er zeigt auf den Bach, die „wilde Weide” und das vorbeihuschende Reh. „Wir sind ja noch so aufgewachsen”, sagt er, sich umblickend. „Heute ist die Umgebung der Kinder viel mehr menschengemacht.” Er und seine Familie seien viel draußen, er nutzt nun die Führung, um vom Gebietsbetreuer Salomon Fachwissen aus erster Hand zu bekommen.

„Ich habe eine Spur gefunden!”, ruft ein Kind. Im feuchten Ufer der Hafenlohr finden die Kinder Abdrücke von Reh und Pony. Salomon erklärt anhand von mitgebrachten Fotos, welche Tiere hier noch leben: Der Bestand der Fischotter wächst, die Anzahl der Waschbären, die Amphibienlaich und Vogeleier fressen, leider auch. Die Teilnehmenden staunen über das Foto von einem Luchs, das erst kürzlich mit einer Fotofalle des Naturpark Spessart ganz in der Nähe aufgenommen wurde.

 

Gebietsbetreuer Christian Salomon zeigt Bilder von weiteren Bewohnern und Gästen der Büffelweide im Hafenlohrtal (Foto: Jennifer Weidle)

 

Selbst der Gebietsbetreuer wird immer noch überrascht. „Durch die Beweidung wächst hier seit einiger Zeit ein Weideunkraut.” Er zeigt auf die Blätter des Stumpfblättrigen Ampfers (Rumex obtusifolius); dieser wächst dort, wo Büffelfladen den Boden gedüngt haben. Doch statt eines negativen Effekts stellte sich eine neue Art ein: Der große Feuerfalter (Lycaena dispar) legt seine Eier nur an diese Pflanze und hat durch die Wasserbüffel eine Heimat im Hafenlohrtal gefunden.
„Mein Lieblingsfund war jedoch dieses hier”, freut sich Salomon und zeigt das Foto eines Vogelnestes aus Büffelhaar. „Daraus würde ich auch bauen, die Haare haben beste thermische Eigenschaften.”

Als die Teilnehmenden nach rund zwei Stunden zurück am Parkplatz sind, freuen sich auch die Eltern. „Diese Führung ist für alle interessant, nicht nur für Kinder”, so eine Mutter aus Bühler. Und was hat den Kindern am besten gefallen? „Die Ponies”, sagt eine Teilnehmerin und blickt schulterzuckend zu den Büffeln, „ich bin nun mal Pferdefan.”

Christian Salomon hat die Wasserbüffel trotz skeptischer Stimmen durch all die Jahre begleitet. „Wir wollten hier keinen besonderen Hingucker oder Zoo, wir halten die Tiere, weil es hier keine idealeren Weidetiere gibt.” Das Projekt zeigt, dass eine Symbiose zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus möglich ist.

 

 

Neue Infofaltblätter des Naturparks Spessart e.V. für Freizeit- und Erholungsuchende

Wandern, Informieren, Staunen. Der Naturpark Spessart e.V. hat mehr als 40 Faltblätter im Angebot, 14 davon wurden nun neu aufgelegt. 55.000 Faltblätter kamen kürzlich in der Geschäftsstelle in Gemünden an und können ab sofort kostenlos bestellt werden. Sie bieten Einheimischen und Gästen Anregungen für eine Auszeit ganz in der Nähe.

Die 1. Vorsitzende des Naturparkvereins, Landrätin Sabine Sitter, freut sich: „Es ist schön, dass der Naturpark mit seinen Broschüren so eine breite Palette abdeckt und so Familien attraktive Angebote in der Region finden, die sie auch zu Coronazeiten nutzen können.“ Die Mutter zweier Kinder nutzt mit Ihrer Familie gerne die Lehr- und Erlebnispfade: „Da ist für die Kids was geboten und das kommt meist besser an, als der einfache Sonntagsspaziergang“.

„Die Wander-Faltblätter sind analog zu unseren Wander-Infotafeln aufgebaut“, erläutert Julian Bruhn, der stellvertretende Geschäftsführer des Naturparks: „Ein Kartenausschnitt zeigt zwischen drei und sieben Routenvorschläge. Darunter kürzere Spaziergänge für Familien, aber auch längere Wanderungen.“ Zudem gibt es Informationen und Tipps zur jeweiligen Naturpark-Kommune.

Warum musste neu gedruckt werden? „Die meisten der 14 Faltblätter waren vergriffen, zudem mussten Inhalt und Design aktualisiert werden“, erklärt Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Naturparkvereins.
Einige Routen wurden ganz neu überarbeitet. Dabei half Markus Latt, ein wanderbegeisterter Ehrenamtlicher des Naturparks: Er überlegte sich spannende Routen, wanderte diese zur Probe und lieferte die passenden Beschreibungen – mit Schwierigkeitsgrad und Kilometerangabe.

„Man kann mit den Wander-Faltblättern alleine eine Tour laufen“, so Bruhn. „Wir empfehlen jedoch, eine passende Wanderkarte dabei zu haben.” Die neuen Faltblätter bieten entsprechende Kartentipps.

 

Landrätin Sabine Sitter, Geschäftsführer Oliver Kaiser und der stellvertretende Geschäftsführer Julian Bruhn stellen die neuen Prospekte vor (Foto: Daniela Kaiser)

 

Details zu den Faltblättern


Neu gedruckt wurden acht Wander-Faltblätter mit Tourenvorschlägen rund um die Naturpark-Kommunen Burgsinn, Fellen, Geiselbach, Kleinkahl, Marktheidenfeld, Mespelbrunn, Obersinn und die Stadt Aschaffenburg.

Für Wanderer, die gerne mehrere Tage am Stück unterwegs sind, wurde das Faltblatt zum Hasenstab-Wanderweg neu aufgelegt. Mit diesem bekommt man einen Überblick über die 60 Kilometer lange Rundwanderung, die den historischen Spuren des Erzwilddiebs im Hochspessart folgt.
 
Überarbeitet hat das Naturpark-Team zudem die zwei Infofaltblätter zum Wald-Erlebnispfad Gemünden und zum Waldlehrpfad in Haibach. Diese Angebote kommen gerade bei Familien gut an.

Die Entdecker-Westen des Naturparks werden in einem eigenen Faltblatt vorgestellt; diese Oudoor-Westen für Kinder können mitsamt Forscherausrüstung gegen eine kleine Gebühr ausgeliehen werden.

Auch dem umfassenden Angebot der ehrenamtlichen Naturparkführerinnen und -führer ist ein neu gestaltetes Faltblatt gewidmet.
Zu guter Letzt informiert ein Faltblatt über die Wasserbüffel im Hafenlohrtal, erklärt Hintergründe zum Naturschutzprojekt und gibt Hinweise, wo man das Fleisch der Weidetiere kaufen kann.

„Uns ist klar, dass 55.000 Faltblätter eine ganze Menge Papier sind; deswegen nutzen wir Recyclingpapier. Um Transportwege kurz zu halten haben wir eine regionale Druckerei beauftragt”, gibt Oliver Kaiser an.

 

 

Papier ist nach wie vor beliebt


„Trotz der digitalen Angebote nehmen Viele am liebsten eine Broschüre oder Karte in die Hand”, so Kaiser. Sein Kollege Julian Bruhn ergänzt: „Papier hat außerdem einen großen Vorteil gegenüber Smarthone und Co - es braucht keinen Akku und man steht nicht im wichtigsten Moment mit leerer Batterie und ohne Information mitten im Wald.”

Katharina Schilling vom Tourismusverband Spessart-Mainland bestätigt die Nachfrage nach gedruckten Informationen. Sie kümmert sich unter anderem darum, dass Interessierte die Faltblätter des Naturparks per Post bekommen. „Im letzten Jahr haben wir insgesamt 13.000 Sendungen mit Broschüren von Spessart-Mainland und dem Naturpark verschickt. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es bereits über 10.000!“

Die Nachfrage nach heimatnahen Angeboten freut die Naturpark- und Tourismus-Akteurinnen und -akteure, birgt aber auch Probleme: Es gibt Ort, an denen tummeln sich zu viele Besuchende zur gleichen Zeit. Die beiden Naturpark-Geschäftsführer sehen die Infobroschüren und Faltblätter daher auch als Instrument zur Besucherlenkung: „Wir haben viele schöne Orte und Wege im Naturpark Spessart – mit den Faltblättern zeigen wir Alternativen zu den Hotspots auf.“

Die Gesamtkosten des Nachdrucks inklusive Layout, Druck und Personal belaufen sich auf knapp 9.000 Euro. Die Maßnahme wurde von der Regierung von Unterfranken mit 50 Prozent der Kosten gefördert. Die vorgestellten Faltblätter und weitere Infomaterialien können kostenlos bestellt werden. Viele Broschüren sind zudem bei den regionalen Tourismus-Informationen, sowie den Landratsämtern und Rathäusern der Naturpark-Kommunen erhältlich.

 

Zur Prospektbestellung

 

 

Wasserpumpe installiert – Natur-Erlebnispfad Wiesthal kann nun voll genutzt werden

Der neue Natur-Erlebnispfad des Naturpark Spessart e.V. mit acht Stationen im Naturschutzgebiet „Spessartwiesen“ bei Wiesthal ist nun voll einsatzbereit. Nachdem nun nicht mehr mit längeren Frostperioden zu rechnen ist, wurde am vergangenen Freitag an Station 5 "Wiesenwässerung" eine handbetriebene Schwengelpumpe installiert. Bauunternehmer Holger Körner aus Neuhütten und Bauhofmitarbeiter Jens Bernard setzen den schweren Pumpenkopf auf den im letzten Herbst errichteten Pumpenschacht.
Besucher:innen sollen an der Station die Funktionsweise der früher hier in den Spessartwiesen praktizierten Wiesenwässerung spielerisch erleben. Mittels der Pumpe können sie Wasser in eine Zulaufrinne pumpen, die auf dem Grat einer ehemaligen Wässer- bzw. Rückenwiese verläuft. Von dort fließt das Wasser flächig über den gewölbten Wiesenrücken und versickert dort. Überschüssiges Wasser wird über zwei seitliche Ablaufrinnen einem Graben zugeführt.

 

Wiesthals Bürgermeister Karl-Heinz Hofmann weiht die neue Pumpe des Natur-Erlebnispfads ein. Mit im Bild Oliver Kaiser (links), Jens Bernard und Holger Körner (rechte Seite)

 

„Früher hat man natürlich keine Pumpen zur Bewirtschaftung der Wiesen genutzt, sondern das benötigte Wasser an Stauwehren aus den Bächen und Flüssen ausgeleitet und über ein ausgeklügeltes Grabensystem auf den Rückenwiesen verteilt.“ erklärt Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Naturpark Spessart.
Dies bestätigt Andreas Fleckenstein (86), der bei seinem täglichen Spaziergang an der Lehrpfadstation vorbeikommt. Der rüstige Wiesthaler erzählt, dass er als Kind hier die Gräben freigehalten und gemäht hat. „Auf die Wiesen musste immer wieder neues Wasser aufgeleitet werden, um Ungeziefer loszuwerden.“ Maulwürfe und Wühlmäuse wurden durch das Wasser vertrieben, die Wiesen im Frühjahr durch das Wasser erwärmt und gedüngt. „Wasser war ja früher noch genug da“ sagt Fleckenstein. Viel Handarbeit war das, so ohne Traktoren und große Geräte.
Eine Reaktivierung der früheren Zulaufgräben wäre am Erlebnispfad zu aufwändig gewesen, erläutert Oliver Kaiser: „Um die Funktionsweise der Wässerwiese zu demonstrieren, behelfen wir uns daher mit der Schwengelpumpe.“  Der Naturpark-Geschäftsführer ist sich sicher, dass die Wasserpumpe von Familien mit Kindern gerne genutzt werden wird.

 

Jens Bernhard vom Bauhof Wiesthal, Oliver Kaiser vom Naturpark-Spessart und Holger Körner, Bauunternehmer installieren die neue Pumpe - damit ist der neue Natur-Erlebnispfad nun fertig

 

Die Pumpe arbeitet bei einem ersten Test einwandfrei: Wiesthals Bürgermeister Karl-Heinz Hofmann betätigt den Schwengel und kurz darauf fließt klares Wasser in die Wasserrinne. Dass der Pfad bereits vor Fertigstellung der Pumpe rege besucht wurde, kann Hofmann bestätigen. „An Wochenenden oder wenn das Wetter passt, ist hier viel los.“ Tagesgäste, und auch Schulklassen aus den Nachbargemeinden, seien schon hier gewesen.
„Das ist etwas für die ganze Bevölkerung.“ freut sich der Bürgermeister über das starke Interesse. Im Ort wurden bereits Hinweisschilder aufgestellt, die auch die Parkflächen ausweisen. „Viele parken direkt an der Straße, besser ist es an der Kulturhalle zu parken und von dort zu laufen“, erklärt Hofmann. Dies sei auch ein idealer Ausgangspunkt, um die Ruhmühle anzuschauen. Die letzte von ehemals sechs Mühlen in Wietshal ist ein beliebtes Ausflugsziel und wird gerade vom Mühlenverein neu hergerichtet. Auch hier hat die Gemeinde Wiesthal finanziell unterstützt.
„Hier war schon wieder der Maulwurf am Werk!“ schmunzelt Andreas Gries, Naturpark-Ranger und holt eine Schaufel aus seinem Wagen, um die Wasserinne nach dem Probelauf der Pumpe von Erde zu säubern. Das Team des Naturpark Spessart wird die Stationen des Erlebnispfads regelmäßig kontrollieren; leider ist neben den natürlichen Einflüssen auch Vandalismus immer wieder ein Thema. „Wir stehen als Naturpark-Ranger natürlich auch für Besuchende immer für Fragen zur Verfügung. Und wir freuen uns, wenn wieder Führungen möglich sind.“
„Wir, vom Bauhof Wiesthal, werden hier zukünftig ebenfalls nach dem Rechten sehen und vor allem für das Mähen der Flächen zuständig sein", ergänzt Bauhofmitarbeiter Jens Bernard. Oliver Kaiser lobt das Engagement von Bernard und dessen Kolleg:innen: „Es ist schön, wenn man weiß, dass bei der Gemeinde zuverlässige Leute sind, die sich um den Erlebnispfad kümmern“.  Ihm ist es sehr wichtig, dass bei den Projekten alle an einem Strang ziehen. Der Pfad wurde daher in enger Abstimmung mit der Gemeinde Wiesthal gestaltet; die Gemeinde ist Projektpartner und finanziert den von der Regierung von Unterfranken geförderten Lehrpfad mit.

 „Das ist eine rundum gelungene Sache!“, ist sich Bürgermeister Hofmann sicher. Er ist froh, dass solche Projekte mit Unterstützung der neuen Gemeinderätinnen und -räte, umgesetzt werden können. „Das hier gehört einfach zu unserer Kulturlandschaft und muss erhalten bleiben.“

 

 

Naturpark-Wandertafel auf der Weikertswiese montiert

Die Rechtenbacher Weikertswiese zählt zu den beliebten Wanderzielen im Spessart. Sie ist vor allem für ihre prämierten Wiesenflächen mit seltenen Pflanzenarten wie Heidewicke, Arnika und Knabenkräutern bekannt. An der SPD-Schutzhütte, die für Wanderer immer geöffnet ist, wurde nun durch den Naturpark Spessart (stellv. Geschäftsführer Julian Bruhn, Gebietsbetreuer Christian Salomon) und den SPD-Ortsverein Rechtenbach (Wolfgang Rek, Thomas Riethmann) eine große Übersichtskarte der Wanderwege zwischen Heigenbrücken, Partenstein, Lohr und Rothenbuch angebracht.

 

Vorne sitzend: Wolfgang Rek, SPD-Ortsverein Rechtenbach; hinten rechts Julian Bruhn, Stellv. Geschäftsführer und hinten links Christian Salomon, Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart (Foto: Thomas Riethmann)

 

Die Druckkosten der Tafel hat die Gemeinde Rechtenbach übernommen. Um Gestaltung und Fertigung hat sich der Naturpark-Verein gekümmert. Der Wunsch nach einer entsprechenden Karte kam von Rechtenbacher Bürgern, die sich bei Arbeitskreisen zum Naturschutz auf der Weikertswiese eingebracht haben.

 

Naturschutzgebiet-Schilder im Sinngrund erneuert – Zahlen der Besuchenden teilweise verdoppelt, Besucherlenkung wichtig

„Die Schilder waren ausgeblichen, verbogen und teilweise beschossen worden“, sagt Oliver Kaiser, Geschäftsführer vom Naturpark Spessart. Er hatte am vergangenen Freitag zusammen mit dem Naturpark-Ranger Andreas Gries die Beschilderung im Naturschutzgebiet (NSG) Sinngrund kontrolliert. Auch der stellvertretende Geschäftsführer Julian Bruhn und Naturpark-Rangerin Victoria Schuler waren als zweites Team bei dem Arbeitseinsatz nördlich von Obersinn dabei. Bei einigen der dreieckigen Schildern mit grünem Rand und dem schwarzen Seeadler in der Mitte genügte eine gründliche Reinigung. Der Großteil der 15-20 Jahre alten Schilder war jedoch stark verblichen und mussten ausgetauscht werden. Auch einzelne Trägerpfosten mussten befestigt oder geradegestellt werden. Nebenbei sammelten das Naturparkteam noch herumliegende Abfälle ein. „Wir haben hier schon so einiges erlebt“, erzählt Andreas Gries (39). Dabei sei die natürliche Alterung der Schilder durch Witterung nur ein Grund für den Austausch. „Es gibt Leute, die nutzen die Schilder illegal als Zielscheibe, da sieht man dann die Einschusslöcher. Neue Schilder werden auch gerne mal entwendet – wir hoffen immerhin als schönes Souvenir“, sagt der Naturpark-Ranger.

 

Montage neuer NSG-Schilder: Naturpark-Ranger Andreas Gries und Victoria Schuler (Foto: Julian Bruhn)

 

Den Zeitpunkt hatte das Team vom Naturpark gezielt gewählt. „Wir haben jetzt sehr viele Leute, die kommen, um die Schachblumen zu sehen“, so der Geschäftsführer. Die Beschilderung ist Teil der so genannten Besucherlenkung: Menschen sollen durch die Schilder dafür sensibilisiert werden, dass sie sich in einem NSG befinden und hier spezielle Regeln gelten. Doch was ist im NSG erlaubt und was nicht? Der Naturpark-Ranger erklärt: „Das Problem ist, dass es keine pauschalen Aussagen gibt. Jedes Naturschutzgebiet hat eine separate Gebietsverordnung, die Gebote und Verbote regelt.“ Fast in allen Naturschutzgebieten gilt ein so genanntes Wege-Gebot. Dies bedeutet, dass Besuchende auf festen Wegen bleiben müssen; was auch für die begleitenden Hunde gilt. „Manche Menschen meinen, dass sie die Hunde im Naturschutzgebiet doch laufen lassen können, wenn es um den Schutz der Pflanzen und nicht der Tiere geht“, sagt der Naturpark-Ranger – dies sei aber nicht richtig, denn im Naturschutzgebiet gibt es trittempfindliche Pflanzen. „Denen ist es egal ob sie von zwei oder vier Beinen zertreten werden“, meint Gries. Außerdem gibt es derzeit auch   viele Vögel, die in der Wiese brüten; Hunde seien hier eine Gefahr. Ebenfalls in allen NSG verboten: Grünabfälle entsorgen oder Pflanzen einbringen. Gries: „Es gibt Menschen, die meinen, sie tun etwas Gutes, wenn sie Saatgut verstreuen oder sogar Pflanzen gezielt pflanzen.“ Dies sei aber, auch wenn es sich um heimische und insektenfreundliche Pflanzen handle, nicht erlaubt und könne das empfindliche Gleichgewicht der Flora stören. Aber einen Strauß Gänseblümchen wird man doch wohl pflücken dürfen! Auch dies nicht, so der Naturpark-Ranger. Auch das Entnehmen von Pflanzen, und zwar nicht nur der geschützten, ist im NSG verboten. Allen NSG gemein ist auch das Verbot von Lagerfeuer und Camping; Kraftfahrzeuge dürfen ausschließlich auf ausgewiesenen Parkplätzen abgestellt werden. Und hier wird eine Sache langsam zum Problem: Es gibt keine Toiletten an den Parkplätzen.

 

Montage NSG-Schild: Ranger Andreas Gries
(Foto: Oliver Kaiser)

 

Es seien definitiv mehr Besuchende geworden, meint Oliver Kaiser. „Wir sehen das vor allem an den vielen herumliegenden Papier-Taschentüchern an den Radwegen und Parkplätzen“, sagt er. Die Ausflügler bringen ihre Brotzeit mit und erleichterten sich dann im Gebüsch; auch wenn es durchaus öffentliche Toiletten in den umliegenden Ortschaften gäbe. Dabei seien die natürlichen Hinterlassenschaften weniger das Problem, als vielmehr die Taschentücher, denn „die verrotten deutlich langsamer als die Häufchen.“ Auch die Naturpark-Rangerin Victoria Schuler (28) betrachtet die steigende Zahl der Besuchenden mit Sorge. Sie nutzt für die Ermittlung der Besuchenden einen Personenzähler; ein kleines Handgerät, das beim Drücken auf einen Knopf nach oben zählt. „Wenn ich z.B. im NSG „Exe“ bei Aschaffenburg einmal meine Runde laufe, zähle ich schon mal 170 Menschen. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch vor einem Jahr.“ Sie meint, dass der Wunsch nach draußen zu gehen, seit Beginn der Pandemie stark zugenommen hat. „Wir sind ja froh, wenn die Leute die Heimat kennenlernen. Nur dadurch wird auch die Liebe zur Natur geweckt – und was man liebt, das beschützt man.“ so die Naturpark-Rangerin. Auch werde der Spessart durch den Naturpark mit seinen Schutzgebieten überregional immer bekannter. „Wichtig ist nur, dass die Regel im NSG befolgt werden und die Leute sich vernünftig verhalten.“ Zur Vernunft gehört für Schuler auch, die Naturpark-Hotspots an Sonn- und Feiertagen manchmal zu meiden. „Wenn man sieht, dass bereits 100 Autos am Parkplatz stehen, ist es gut, einen Plan B zu haben.“ In manchen Gebieten sei es durch die schmalen Wege nicht möglich Abstand zu halten; die Sitzgelegenheiten seien alle belegt. Eine freie Sitzgelegenheit fand das Team des Naturparks hingegen bei seinem Arbeitseinsatz im Sinngrund. „Wir haben unsere neue Schutzhütte in der Mittagspause eingeweiht“, freut sich Andreas Gries. Die Schutzhütte befindet sich oberhalb von Obersinn, an der Grenze zum Hessischen.

 

Reinigung alter NSG-Schilder: Rangerin Victoria Schuler
(Foto: Julian Bruhn)

 

 

Beliebte Wanderziele im Naturpark –
23 neue Schutzhütten gebaut

 „Dies ist ein klassisches LEADER-Projekt, wie es sein sollte“, so Peter Niehoff von der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Spessart e.V. bei der Einweihung der neuen Schutzhütte am Zollberg; der ersten von 23 Hütten, die im Naturpark aufgebaut werden.

Gemündens Erster Bürgermeister Jürgen Lippert dankte Julian Bruhn, dem Initiator und Projektleiter vom Naturpark Spessart, Peter Niehoff für die Förderabwicklung und der federführenden Zimmerei Herchet aus Flörsbachtal für die hervorragende Umsetzung.

Julian Bruhn: „Wir als Naturpark Verein könnten so ein Riesenprojekt ohne unsere Partner und die Kommunen gar nicht stemmen. Es freut mich besonders, das alle an einem Strang ziehen.“

„Es war viele Jahre meine Vision neue Schutzhütten zu installieren“, so Bruhn. Doch es war klar, dass so ein Großprojekt nicht alleine möglich sein wird. „Wir hatten zunächst keine Möglichkeit, das mit externen finanziellen Mitteln fördern zu lassen.“

Dann die Idee: „Wenn wir eine LAG hätten, die möglichst den ganzen Naturpark abdeckt, könnten wir das sogar mit Geldern der Europäischen Union bezahlen.“ Der Naturpark habe sich dafür eingesetzt, dass der Spessart neben der bestehenden LAG Main4Eck in Miltenberg noch eine zweite - eine LAG „Spessart“ bekommt und LEADER Region wird.

 

Gruppenbild vor der neuen Hütte am Zollberg mit den Projektpartnern (v.l.n.r: Peter Niehof, LAG Spessart; Robert Herold, Bgm. Burgsinn; Stephan Amend, Bgm. Partenstein, Jürgen Lippert, Bgm. Gemünden a. Main; Lioba Zierres, Bgmin. Obersinn; Ralph Herchet, Zimmerei Herchet; Karlheinz Albert, Bgm. Neuendorf; Julian Bruhn, stellvertretender Geschäftsführer Naturpark Spessart e.V.) (Foto: Jennifer Weidle / Naturpark Spessart e.V.)

 

Peter Niehoff, der maßgeblich bei der Erstellung des Projektantrags mitgewirkt hat, gibt an, dass mit dem Schutzhüttenprojekt des Naturpark 260.000 € Fördermittel in die Region fließen. „Damit ist dies unser zweitgrößtes Förderprojekt der letzten sieben Jahre“, so Niehoff. 70% der Kosten für die Schutzhütten werden durch LEADER übernommen; damit verbleiben bei den Gemeinden etwa 8.000 € pro Hütte als Eigenanteil. Das Schutzhüttenprojekt des Naturpark habe alles, was ein LEADER Projekt ausmacht, so Niehoff: es ist nachhaltig, bringt einen Mehrwert für Tourismus und Einheimische, vernetzt die Region und ist lokal umgesetzt. „Außerdem kann man dieses Projekt anfassen; es ist nicht nur ein Konzept auf dem Papier.“

Die neuen Schutzhütten stehen an neuralgischen Punkten, die nicht nur Touristen ansprechen, sondern auch für Bürgerinnen und Bürger gut erreichbar sind, wie hier am Zollberg. „Hier am Zollberg kann man auch mit dem Kinderwagen hinfahren“, so Bruhn. Die Standorte sind vom Naturpark-Team so gewählt, dass sie die Wanderregion Spessart wunderbar abdecken. „Die zehn Jahre Zeit für die Planung haben sich gelohnt“, freut sich Bruhn.

 

(Foto: Jennifer Weidle / Naturpark Spessart e.V.)

 

Die 23 Schutzhütten werden von der Zimmerei Herchet aus Flörsbachtal, nach dem Modell „Vogelhaus“ gebaut. Dieses entstand 2017 in einem hessisch-bayerischen Ideenwettbewerb, den der Naturpark an Zimmerei-Schulen ausgeschrieben hatte.

Die Bayrischen Staatsforsten haben 2018 eine erste Musterhütte bei Waldaschaff gebaut, um zu testen, ob das kleine Modell der Zimmereischüler der Josef-Greising-Schule Würzburg auch in die Realität umzusetzen ist.

Geschäftsführer Ralph Herchet habe die Musterhütten noch deutlich verbessert, so Bruhn. „Man merkt hier wirklich, dass da viel Herzblut reingeflossen ist.“ Ausgestattet werden die hochwertigen Hütten mit einer im Inneren umlaufenden Sitzbank mit Tisch und einer Sitzgruppe aus Fichtenholz. Diese Ausstattung wurde eng mit dem Spessartbund abgestimmt. Gemeinsam wurde zunächst ermittelt, für wie viele Personen Platz in den Hütten geschaffen werden müsste. Im Ergebnis können sich nun einzelne Paare, kleine Familien oder, wenn es die Pandemie wieder zulässt, auch ganze Wandergruppen mit bis zu 16 Personen zum Verweilen in die neuen Hütten setzen. „Ganz wichtig sei eine Tischablage für die Vesper gewesen, denn die darf bei Wanderungen nie fehlen“, so Bruhn.

Ende Juni sollen alle 23 Hütten im Bayerischen Spessart aufgestellt und fertig ausgestattet sein. Im Bereich Lohr und Gemünden werden 5 davon an folgenden Standorten stehen: Zollberg Gemünden, Grotte Neuendorf, Fürstenweg Partenstein, alte Richteiche Burgsinn, Obersinn am Radweg in Richtung Jossa.

Das Schutzhütten-Modell „Vogelhaus“ ist mit einem Vogel-Nistkasten im First ausgestattet. Diese Nistkästen stammen aus der SOS-Dorfgemeinschaft in Hohenroth. Am Zollberg fand die Einweihung schon vor der Offiziellen und ganz im Stillen statt: Ein Meisenpaar hat sich hier ein neues Heim geschaffen.


 

(Foto: Jennifer Weidle / Naturpark Spessart e.V.)

 

 

Infobox
LEADER ist die Abkürzung des französischen "Liaison entre actions de développement de l'économie rurale" und wird übersetzt mit "Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung des ländlichen Raums". LEADER ist ein methodischer Ansatz der Regionalentwicklung, der es lokalen Akteuren ermöglicht, regionale Prozesse mit zu gestalten. So kann das Potential einer Region viel besser genutzt werden und erheblich zur Entwicklung der Region beitragen. Zentral in Leader sind die sogenannten Lokalen Aktionsgruppen (LAGs).



Merkmale von LEADER
Die Methode wird durch sieben wesentliche Merkmale geprägt:

  • Bottom-up-Ausarbeitung und Umsetzung von Strategien: Lokale Akteure sind aktiv an der Regionalen Entwicklungsstrategie, an der Auswahl der Prioritäten bzw. Projekte in ihrer Region beteiligt und eingebunden. Die Beteiligung von lokalen Akteuren umfasst die Bevölkerung im Allgemeinen, wirtschaftliche und soziale Interessengruppen sowie repräsentative öffentliche und private Institutionen.
  • Lokale öffentlich-private Partnerschaften: Lokale Aktionsgruppen (LAGs) bestimmen den LEADER-Prozess in der Region, sind damit Motor der regionalen Entwicklung und müssen zu einer Hälfte aus Wirtschafts- und Sozialpartnern bestehen. Sie werden von einem Regionalmanagement begleitet.
  • Integrierte und multisektorale Aktionen: Verschiedene beteiligte wirtschaftliche, soziale, kulturelle, umweltrelevante Akteure und Sektoren sind miteinander verknüpft und agieren gemeinsam.
  • Innovation: Die LEADER-Regionen haben die Möglichkeit, in ihren Projekten neue Wege zu gehen und auszuprobieren.
  • Kooperation: Die LEADER-Regionen haben die Möglichkeit, mit anderen europäischen LEADER-Regionen oder mit LEADER-ähnlichen Regionen ein gemeinsames transnationales und/oder gebietsübergreifendes Kooperationsprojekt umzusetzen. 
  • Vernetzung: nationaler und europäischer Erfahrungs- und Wissenstransfer. Unterstützt werden die Akteure dabei durch nationale und europäische Vernetzungsstellen.
  • Territoriale lokale Entwicklungsstrategien: beziehen sich auf räumlich genau abgegrenzte ländliche Gebiete und konzentrieren sich auf regionale Besonderheiten

 

Die Programmziele von LEADER in Bayern lauten:

  • innovative und integrierte Entwicklungsstrategien zur Steigerung der Attraktivität und Lebensqualität der jeweiligen Region
  • Stärkung von Bürgerengagement und Zusammenarbeit verschiedener Akteure und Sektoren
  • Förderung von Wertschöpfung und gegenseitiger Wertschätzung durch Vernetzung von Partnern und Projekten
  • Kooperation und Bildung von Netzwerken zur Bündelung von Kräften innerhalb und zwischen LEADER-Gebieten
  • Berücksichtigung der übergreifenden Themen "Umwelt", "Klima" und "demographische Entwicklung"


Weitere Auskünfte erteilt:

Julian Bruhn
Stellv. Geschäftsführer
Naturpark Spessart e.V.
09351 603421
0179 4770040
julian.bruhn@naturpark-spessart.de

 

 

Die Schöne und das Biest – Schachblume und Wasserkreuzkraut im Sinngrund

„Jeden Tag bekomme ich Anrufe mit der Frage: Blühen sie schon?“ sagt Lioba Zieres, Bürgermeisterin von Obersinn; die Anrufenden meinen die Schachblume im Sinngrund.
 Ja, diese blüht aktuell und jeden Tag kommen Tagesreisende von weit her, um die ungewöhnlichen Blüten zu bewundern und fotografieren. Obersinn hat eigens dazu auf seiner Webseite eine Blütenstandsanzeige geschaltet.
Da im Sinngrund eines der größten Vorkommen der Schachblume in Europa ist, wurde das es 1999 als Flora und Fauna Habitat (FFH) ausgewiesen wurde. Doch die Schachblume hat einen Feind: Das Wasserkreuzkraut, das auf dem gleichen Standort wächst. Beide Pflanzen mögen es mager und feucht.

 

Am Radweg im Sinngrund blühen die Schachblumen - der Naturpark Spessart bittet Besuchenden die Wiesen zum Schutz der Pflanzen nicht zu betreten (Foto: Jennifer Weidle / Naturpark Spessart e.V.)

 

Der Bestand der Schachblume sei zwar stabil geblieben, das Wasserkreuzkraut jedoch vermehre sich in den letzten fünf Jahren massiv, gibt Bruhn an. „Vermutlich liegt es am Klimawandel, aber genau wissen wir es noch nicht.“
 „Das Wasserkreuzkraut ist für Weidetiere hoch giftig“, erklärt Projektleiter Julian Bruhn vom Naturpark Spessart. Wenn Tiere die Fläche beweiden, fressen sie um die giftigen Pflanzen herum. Wird es jedoch gemäht und zusammen mit den Gräsern zu Silage oder Heu verarbeitet, wird es gefährlich; dann fressen die Tiere es mit.
Die Bürgermeisterin sagt: „Wenn das Wasserkreuzkraut mehr wird, verlieren wir die Landwirtinnen und Landwirte, da sie das Futter nicht mehr nutzen können. Und dann gehe auch die Schachblume verloren.“

 

Lioba Zieres, Bürgermeisterin Obersinn und Julian Bruhn, stellv. Geschäftsführer Naturpark Spessart e.V. besprechen die Strategien zur Bekämpfung des Wasserkreuzkrautes - einem Konkurrenten zur Schachblume (Foto: Jennifer Weidle / Naturpark Spessart e.V.)

 

Um die giftige Pflanze zu bekämpfen gibt es im Naturpark Spessart eine Strategie, die mit öffentlichen Fördermitteln der Regierung von Unterfranken unterstützt wird: Die Ausbreitung der zweijährigen Pflanze wird je nach Bestandsdichte in feste Kategorien unterteilt. Wenige Pflanzen (bis zu 10 Pflanzen pro 10m²) werden von Hand ausgestochen, „wie man das beim Löwenzahn macht“, so Bruhn. Für Juli diesen Jahres sind hierfür ein Einsatz mit dem Bergwaldprojekt und insgesamt fünf weitere Aktionstage mit ehrenamtlichen Helfern geplant. Große Bestände (über 10 Pflanzen pro 10 m²)  müssen vor der Samenreife gemäht werden – dann kommt das Mähgut nach Burgjoss in die Biogasanlage. Der Maschinenring Arnstein wird den Naturpark dabei, wie bereits im letzten Jahr, unterstützen. "Wichtig ist auch hierbei die Unterstützung der Landwirte, die den sogenannten „Ersten Schnitt“ unbedingt selber ernten müssen, da dieses Futter grundsätzlich noch gut zu verwerten ist", sagt der stellvertretende Geschäftsführer hinzu.

 

Rosette des für Weidetiere giftigen Wasserkreuzkrautes - Julian Bruhn erklärt, warum Landwirtschaft und Naturschutz im Sinngrund Hand in Hand gehen (Foto: Jennifer Weidle / Naturpark Spessart e.V.)

 

„Es gibt bisher noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen, wie man das Wasserkreuzkraut bekämpfen kann ohne die Schachblumen mit zu verlieren“, so Bruhn. Daher testet der Naturpark Spessart seit 2020 auf kleinen Flächen, wie sich eine Düngung mit Festmist auf die Bestände von Schachblume und giftigem Konkurrent auswirkt – mit Sondergenehmigung der  Naturschutzbehörden, denn normalerweise darf im Naturschutzgebiet nicht gedüngt werden.
Naturschutz und Landwirtschaft gehen hier im Sinngrund Hand in Hand. „Das schöne ist: Wir ziehen alle an einem Strang“, sagt Zieres. Die Schachblume bedeute hier vielen Menschen etwas. „Sie ist unser Wahrzeichen.“
„Ohne die Landwirtinnen und Landwirte und deren Bewirtschaftung würde das Naturschutzgebiet verarmen“, so Bruhn. Kurzfristig entstünde eine Brache mit nur noch wenigen Arten, langfristig würden die Flächen verbuschen. „Um Artenvielfalt zu sichern, sind wir ganz stark auf die Landwirtschaft angewiesen.“
Ob sie übrigens Schachblume, oder Schachbrettblume genannt wird, das unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Und die Bürgermeisterin kennt sogar noch einen Begriff: „Kibitzei“.

 

(Foto: Jennifer Weidle / Naturpark Spessart e.V.)

 

 

 

Auf leisen Pfoten

Nachdem vor über 300 Jahren der letzte Luchs im Spessart erlegt und somit die Population ausgerottet wurde, ist der Spessart lange Zeit luchsfrei geblieben. Seit Ende der 1980er Jahre gibt es jedoch immer wieder Hinweise auf die Anwesenheit von einzelnen Luchsen im Naturpark Spessart. Im Kahlgrund berichtete man vor etlichen Jahren bereits davon, Lautäußerungen der scheuen Jäger gehört zu haben. Hier und da war die Rede von Sichtungen und 2017 gab es ein erstes Foto aus einer Fotofalle der Bayerischen Staatsforsten. In den vergangenen Wochen haben Ranger des Naturpark Spessart e.V. nun einen männlichen Luchs mehrmals mit einer Fotofalle ablichten können.


 

Die Frage, ob die Großkatze tatsächlich wieder heimisch in unseren Wäldern ist, oder ob es sich jeweils nur um durchreisende Tiere auf der Suche nach einem geeigneten Lebensraum und Paarungspartner handelte, bleibt vorerst ungeklärt. Junge Luchse können auf der Suche nach einem freien Revier durchaus weite Strecken zurücklegen. Da sich die Tiere während ihrer Abwanderung an Vegetationsstrukturen orientieren und größere Straßen oft unüberwindbare Hindernisse darstellen können, haben es die Jungluchse auf ihrer Suche nach einem eigenen Territorium nicht leicht.

 

 

Ebenso spannend bleibt die Frage, aus welcher Population die Tiere stammen. Körperbau und Färbung des aktuell fotografierten Luchses lassen laut Expertenmeinung ein Tier aus der Harzer Population vermuten. Im Nationalpark Harz wurden seit dem Jahr 2000 Luchse gezielt wieder angesiedelt. Für eine sichere Bestimmung der Herkunft des Luchses wäre genetisches Material nötig, z.B. Haare, Losung oder Speichel an Beuteresten.

Der Luchs zieht große, geschlossene Waldgebiete vor, er durchstreift aber auch waldärmere Regionen. Ein zusammenhängender Lebensraum ist wichtiger als einzelne, noch so naturnahe, kleinräumige Refugien. Bevorzugt werden von ihm steile bewaldete Hänge. Eingestreute Felsen liebt er als Ruhe- und Aussichtsplätze. So wird er von Menschen oder Artgenossen nicht überrascht. Unterwuchsreiche, vielfältig strukturierte Wälder bieten dem Pirsch- und Überraschungsjäger die besten Jagdchancen. Diese Ansprüche sind für den Spessart so zutreffend, dass unsere Region als potentielles Luchsrevier ideal geeignet wäre. Hier ist allerdings auch die Akzeptanz durch uns Menschen gefragt.

 

 

Erholungssuchende, die sich den Naturraum mit der scheuen Raubkatze teilen, brauchen diese nicht zu fürchten. Luchse meiden die menschliche Anwesenheit, und selbst bei Annäherung wird man sie aufgrund seiner guten Tarnung vermutlich nicht wahrnehmen. Übergriffe auf Nutztiere sind extrem selten. Sollte es dennoch im Ausnahmefall dazu kommen und als Verursacher die scheue Raubkatze identifiziert werden, stehen hier Gelder für Ausgleichszahlungen zur Verfügung.

Luchse benötigen riesige Wohn-, Jagd- und Streifgebiete: bei den Männchen, den Kudern sind es 150-400 km², bei den Weibchen, den Katzen, etwa halb so viel. Sie sind ausgeprägte Einzelgänger. Daher gibt es auch für Jäger keinen Anlass, den Luchs als Beutekonkurrent wahrzunehmen.

 

Kurzportrait Eurasischer Luchs (Lynx Lynx)

  • Aussehen: Hochbeinige Katze, grau bis rötliches Fell, oft mit schwarzen Flecken oder Rosetten, Ohrpinseln (4 cm), Backenbart und Stummelschwanz mit schwarzer Spitze (20–25 cm).
  • Größe: Adulte Männchen 20–26 kg, Weibchen 17–20 kg.
  • Verbreitung: Europa und Asien vom Himalaya bis zur nördlichen Waldgrenze,
  • Habitat: boreale und gemäßigte Wälder, in Zentralasien auch in waldlosen Gebirgen.
  • Raum- & Sozialstruktur: Lebt einzelgängerisch in permanenten Territorien, Weibchen (50–200 km²) und Männchen (150–400 km²) überlagernd, aber exklusiv bei gleichgeschlechtlichen Tieren.
  • Paarungszeit: Februar/April
  • Tragezeit: ca. 70 Tage.
  • Wurfgröße: 2 (1-4) Junge von Mutter 10 Monate geführt, danach Abwanderung.
  • Nahrung: Hauptsächlich Rehe, Rotwildkälber, gelegentlich Füchse, Nutztiere, Kleinsäuger. Pro Luchs etwa 50–60 Paarhufer pro Jahr.

 

 

Was können Sie tun, wenn Sie einen möglichen Riss eines Luchses gefunden haben?
Wichtig ist es, das gerissenen Beutetier am Fundort und in der Position zu belassen, in der es gefunden wurde und dieses nicht anzufassen. Auf keinen Fall darf das Tier mitgenommen werden. Vermeiden Sie es, den Fundort zu verändern oder vermehrt zu betreten. Hierdurch können wichtige Spuren beziehungsweise Fährtenabdrücke unkenntlich gemacht werden.
Vermuten Sie eine Beteiligung eines großen Beutegreifers oder sind Sie sich unsicher, wenden Sie sich an das Bayerische Landesamt für Umwelt, Ihr Landratsamt, das Amt für Landwirtschaft und Forsten in Karlstadt mit seinen Außenstellen oder an die Polizei und übermitteln Sie Hinweise wie Spuren oder Fotos über ein entsprechendes Meldeformular direkt an das Bayerische Landesamt für Umwelt. Geben Sie die Koordinaten des Fundortes, das Funddatum und Ihre persönlichen Kontaktdaten an. Je nach Zustand Ihres Fundes wird der Kontakt zu einem Mitglied des Netzwerks Große Beutegreifer hergestellt. Derzeit sind gut ein Dutzend dieser ehrenamtlichen Berater im Spessart aktiv (Ansprechpartner beim Naturpark Spessart e.V. – Naturpark-Ranger Andreas Gries). Sie sind freiwillig als Ansprechpartner und Rissbegutachter vor Ort tätig und somit Helfer für Nutztierhalter und Jäger. Sie erstellen nach nationalem Standard eine Dokumentation von Hinweisen auf große Beutegreifer und sichern damit wichtige Details, um potenzielle Verursacher festzustellen. Somit bilden Sie eine wichtige Schnittstelle und Unterstützung im landesweiten Monitoring zu Bestand und Entwicklung des Luchsvorkommens in Bayern.

 

 

Magerwiesen am Rodenbacher „Alten Weinberg“ werden wiederhergestellt

Es ist die zwölfte Wiesenfläche, die der Naturpark Spessart e.V im Rahmen eines Förderprojekts des Bayerischen Naturschutzfonds und des WWF mit selbst geerntetem Saatgut angesät hat. Knapp ein halber Hektar stark verbuschter Hanggrundstücke im Lohrer Stadtteil Rodenbach war hierfür im vergangenen Winter händisch freigestellt worden. Übrig blieben einige alte Obstbäume und nackter Boden. Naturpark-Gebietsbetreuer Christian Salomon, Schafhalter Christian Höhlein und Lohrs Umweltstellenleiter Manfred Wirth säten diese Flächen nun mit Pflanzensamen an. Dieses Saatgut wurde im vergangenen Sommer mit dem Samenernter eBeetle auf Orchideen-reichen Flächen bei Bergrothenfels geerntet. Künftig sollen Höhleins Coburger Fuchs-Schafe die Grundstücke beweiden und damit Landschaftsbild und Artenvielfalt vor erneutem Zuwachsen bewahren.



Begutachtung Saatgut: Manfred Wirth, Leiter der Lohrer Umweltstelle begutachtet das mit dem eBeetle gewonnene Saatgut vor der Ausbringung (Foto: Torsten Ruf)

 

 

Das bestmögliche Saatgut
„Ein besseres Saatgut gibt es hierfür nicht“, erläutert Projektkoordinator Christian Salomon die Ansaat. „Die Bergrothenfelser Magerrasen sind artenreich, blütenreich, enthalten seltene Arten und sind an diese mager-trockenen Standortverhältnisse hervorragend angepasst.“ Zudem würde die lokaltypische Artenkombination und Genetik erhalten. Viel zu oft würde bei der Anlage sogenannter Blühflächen oder bei der Nachsaat von Wiesenschäden „Einheits-Saatgut“ verwendet, welches diese Unterschiede zunehmend verwische. Dass hier in einigen Jahren sogar das Kleine Knabenkraut wächst, möchte der Gebietsbetreuer des Naturparks zwar nicht versprechen. Orchideen bräuchten zur erfolgreichen Keimung u.a. bestimmte Bodenpilze - da diese Knabenkräuter aber auf einer fast angrenzenden Schafkoppel wachsen, stünden die Erfolgschancen recht gut. Zunächst einmal sollen jedoch die freigestellten Obstbäume noch Pflegeschnitte erhalten.

 

Christian Salomon, Schafhalter Christian Höhlein und Manfred Wirth bringen von Hand das Saatgut auf der vorab entbuschten Fläche in Rodenbach aus (Foto: Torsten Ruf)

 

 

Kulturlandschaft erhalten
Dem Rodenbacher Christian Höhlein ist die Begeisterung an den Maßnahmen deutlich anzumerken. Anhand historischer Fotoaufnahmen zeigt er, wie offen der ganze Hang noch vor wenigen Jahrzehnten war und er zählt auf, welche Pflanzen hier früher wuchsen. „Die Resonanz im Ort ist absolut positiv“, sagt der Schafhalter. Auch die Eigentümer angrenzender Flächen hätten nun Interesse an der Landschaftspflege. Es werde nun Stückchen für Stückchen zurückgeholt, was den Hang einst so wertvoll gemacht hat.

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Christian Salomon und Schafhalter Christian Höhlein bringen von Hand das Saatgut auf der vorab entbuschten Fläche in Rodenbach aus (Foto: Torsten Ruf)

 

 

Beitrag zur Lohrer Biodiversitätsstratgie
Die Stadt Lohr hat in Ergänzung des Projekts den angrenzenden Hohlweg, einen Abschnitt des europäischen Kulturwanderwegs freigeschnitten. Manfred Wirth sieht in der aktuellen Wiesen-Wiederherstellung „einen leuchtenden Puzzlestein zur Umsetzung der städtischen Biodiversitätsstrategie, eine absolut vorbildliche und sinnvolle Maßnahme.“ Der Naturpark bearbeitet indes weitere Wiesenherstellungen, u.a. im Naturschutzgebiet Hafenlohrtal, bei Heimbuchenthal und Kleinwallstadt. Auch in Lohr steht noch eine weitere kleine Maßnahme an: auf dem sogenannten Eidechsenkorridor am Romberg sollen mehrere kleine Ansaatflächen geschaffen werden, auf denen die Sandgrasnelkenbestände des Naturschutzgebietes durch Samenübertrag gefördert werden.

 

 

Vermarktungsinitiative Grünland Spessart bietet nun auch Fleisch von Wagyu-Rindern

Vor 10 Jahren haben sich Erzeuger, Metzgereien und Gastronomen aus dem Naturpark Spessart zur Vermarktungsinitiative Grünland Spessart zusammengeschlossen. Seitdem werden unter dem Qualitätssiegel „Grünland Spessart – Da ist draußen drin!“ Fleisch- und Wurstwaren von Rindern, Schafen, Ziegen und Wasserbüffeln aus regionaler Weidehaltung vermarktet. Die zertifizierten Mitgliedsbetriebe garantieren dabei eine naturverträgliche und tiergerechte Erzeugung mit regionalem, gentechnikfreiem Futter, kurze Transportwege und eine regionale, handwerkliche Verarbeitung.

Klaus Rothenbücher mit einer Simmentaler Kuh (Foto: Naturpark Spessart e.V.)

 

Die Produkte werden häufig direkt ab Hof vermarktet, so auch bei dem Biobetrieb von Familie Rothenbücher in Kleinkahl. Diese hatte 2002 von der Milchviehhaltung auf Mutterkuhhaltung mit Rindern der Rassen Simmentaler und Angus umgestellt. Seit kurzem kreuzt Klaus Rothenbücher die Simmentaler Rinder mit sogenannten Wagyu-Rindern.


Die Wagyu-Rinder, auch als Tajima-Rinder bezeichnet - kommen ursprünglich aus Japan – übersetzt bedeutet Wagyu „japanisches Rind“. Die Rinder sind meistens Schwarz, es gibt sie aber auch in Rot (ähnlich wie bei Angus). Das Fleisch der Tiere zeichnet sich durch eine besonders gleichmäßige Verteilung des Fettes in sehr feiner Marmorierung im Muskelfleisch aus. Feinschmecker schätzen die zarte Konsistenz und den intensiven Geschmack und bezahlen teilweise hohe Summen für das Fleisch – insbesondere, wenn die Wagyus aus der japanischen Region Kobe stammen. Dort wird das Mästen, aber vor allem auch die Vermarktung und das Essen regelrecht zelebriert. Ein Kilogramm dieses „Kobe“-Fleisches kann je nach Herkunft und Teilstück dann bis weit über 1 000 Euro kosten. Das Fleisch wird traditionell in hauchdünne Scheiben geschnitten und kurz angebraten oder in Brühe erhitzt. 

 

Das Fleisch vom Wagyu ist stark marmoriert (Foto: Marie Rothenbücher)

 

Auch in Deutschland erfreut sich das Fleisch der Wagyu-Rinder zunehmender Beliebtheit. Familie Rothenbücher hat sich daher mit der Familie Gundelach zusammengetan, die ebenfalls eine Rinderzucht in Kleinkahl betreibt, und vor etwa 2 Jahren von einem Züchter in Südbayern drei reinrassige Wagyu-Kühe und einen Bullen gekauft. Die Wagyus werden nun mit den Simmentaler Rindern der Familie Rothenbücher und mit den Galloways und Pinzgauer Rinder der Familie Gundelach gekreuzt. Die beiden Betriebe sind im Spessart damit Pioniere.

 

Simmentaler-Wagyu-Kalb links, rechts ein schwarzer Wagyu-Jungbulle, der für die Zucht vorgesehen ist (Foto: Klaus Rothenbücher)

 

„Wir erhoffen uns mit der Kreuzung bessere Futterverwertung und Bemuskelung der Tiere. Die Wagyus wurden in Japan auch als Zugtiere eingesetzt. Sie sind deshalb stärker in den Schultern bemuskelt und nicht im Hinterviertel, dies wollen wir durch das Einkreuzen mit Simmentaler ausgleichen.“ erklärt Klaus Rothenbücher. Der Landwirt schätzt das sanfte Gemüt der Wagyus und ihre Genügsamkeit. „Sie fressen auch mal einen Brombeerstrauch oder älteres Gras, das macht die Tiere auch für die Landschaftspflege wertvoll“.

 

Vor kurzem hat Familie Rothenbücher nun die ersten 2 Simmentaler-Wagyu-Rinder aus seiner Zucht bei einer nahgelegenen Metzgerei geschlachtet und ab Hof vermarktet: „Das Fleisch sah vielversprechend aus und bezüglich des Geschmacks wurden unsere Erwartungen übertroffen. Auch unsere Kunden sind sehr zufrieden und schwärmen von dem Geschmack und der Zartheit.“ Entsprechend findet das Simmentaler-Wagyu-Fleisch trotz des gehobenen Verkaufspreises (25 € je kg im 10 kg Mischpaket) reißenden Absatz, ebenso wie das auf dem Hof erzeugte Simmentaler und Angus-Biofleisch. Mittelfristig möchte die Familie Rothenbücher 10 Wagyus-Simmentaler-Rinder pro Jahr vermarkten - direkt ab Hof und über die regionale Gastronomie.

 

Simmentaler Kuh, davor Simmentaler-Wagyu-Kalb mit grauem Fell (Foto: Klaus Rothenbücher)

 

Auch die anderen Grünland-Spessart-Betriebe können über mangelnde Nachfrage nicht klagen, gerade auch in Corona-Zeiten. Darüber freut sich auch Guido Steinel, Vorsitzender des Vermarktungsvereins und selbst Tierhalter „Immer mehr Verbraucher essen weniger Fleisch, legen dabei aber Wert auf hochwertige Produkte aus regionaler und nachhaltiger Tierhaltung. Die Marke Grünland Spessart wird diesem Anspruch der Kunden gerecht.“
Weitere Informationen zu Grünland Spessart und seinen Mitgliedsbetrieben gibt es unter www.gruenland-spessart.de

 

 

Kein gedrucktes Programmheft mit Naturpark-Führungen für 2021

Kein gedrucktes Programmheft 2021

Das gemeinsame Jahresprogramm des Naturpark Spessart e.V. und des Hessischen Naturpark Spessart mit 250 bis 300 Naturführungen und Exkursionen gehört seit Jahren zum länderübergreifenden Veranstaltungsangebot im Spessart und traf stets auf großes Interesse. Angesichts der aktuell schwierigen Planbarkeit von Führungen und Exkursionen haben beide Naturparkverwaltungen jedoch beschlossen, kein gemeinsames Programmheft für 2021 zu drucken.


„Aktuell sind keine Veranstaltungen möglich und das Risiko, dass auch später im laufenden Jahr Veranstaltungen aufgrund von Corona-Einschränkungen abgesagt oder verschoben werden müssen, ist groß“ erklärt Oliver Kaiser, Geschäftsführer des bayerischen Naturparkvereins. „Ein Programmheft wäre da kurz nach Druck vermutlich schon veraltet. Zudem haben die Naturparkführerinnen und Naturparkführer aufgrund der Planungsunsicherheit bisher weniger Veranstaltungen für 2021 gemeldet als in den Vorjahren.“

 

Die Naturparkverwaltungen und mehr als 100 ehrenamtlichen Naturparkführerinnen und Naturparkführer hoffen, dass ab Frühjahr die Corona-Auflagen soweit gelockert werden können, dass zumindest Exkursionen draußen wieder möglich sind.


Interessierte finden die bereits geplanten Veranstaltungen der Naturparkführer, Naturpark-Ranger und Gebietsbetreuer in den Veranstaltungskalendern auf den Webseiten der beiden Naturparkverwaltungen und des Tourismusverbands Spessart-Mainland. Hier gibt es tagesaktuelle Informationen sowie Anmelde- und Kontaktdaten. Die Veranstaltungen werden zudem über die Tagespresse und den E-Mail-Newsletter angekündigt.


Die Naturparkverwaltungen hoffen, dass Veranstaltungen wie z.B. eine Biberführung mit der Naturpark-Rangerin Berit Arendt bald wieder möglich sein werden (Foto: Birgit Kähler)

 

So lange keine öffentlichen Naturführungen stattfinden können, empfiehlt das Naturpark-Team den individuellen Besuch eines der zahlreichen Lehr- und Erlebnispfade im Naturpark Spessart, beispielsweise des Streuobst-Erlebnispfads in Schöllkrippen oder des neu fertig gestellten Natur-Erlebnispfads in Wiesthal. Broschüren zu diesen Freizeitangeboten sowie Faltblätter mit Wandervorschlägen sind bei der

Naturpark-Geschäftsstelle Gemünden a.Main
Telefon 09351 603-947
info@naturpark-spessart.de
sowie bei vielen Tourismusbüros und Rathäusern erhältlich.

 

Weitere Infos:

Info-Material bestellen/herunterladen
Lehr- und Erlebnispfade
Naturerlebnis Spessart
Tourenportal

 

 

Wintermärchen im Spessart - Naturpark bittet um Rücksichtnahme

Schnee und Kälte haben die Hochlagen des Naturparks Spessart in ein Winterparadies verwandelt. Entsprechend viele Sonnen- und Bewegungshungrige hat es in den vergangenen Tagen zum Rodeln, Langlaufen oder zu Schneespaziergängen hinaus in die Natur gezogen.


Blick von der Sohlhöhe in Richtung Bayerische Schanz
(Foto: Christian Salomon)

 

Zwar gestaltete sich der Besucheransturm bisher nicht ganz so dramatisch wie in der benachbarten Rhön, doch auch im Spessart waren Corona bedingt deutlich mehr Erholungssuchende unterwegs als sonst und es kam zu örtlichen Verkehrsbehinderungen. Der Naturpark Spessart e.V. empfiehlt daher, die Wanderparkplätze direkt an den bekannten Anlaufpunkten wie Engländer, Sohlhöhe und Bayerische Schanz gerade zu Stoßzeiten an den Wochenenden zu meiden. Falls möglich, sollten Besucher lieber auf etwas weiter entfernte, weniger frequentierte Parkplätze ausweichen und die gewünschten Ziele erwandern.


Winterfreuden für junge Rodelfans
(Foto: Christian Salomon)

 

Wer den Winterzauber in Ruhe genießen will, sollte ohnehin weniger bekannte Lokalitäten in seiner Nähe besuchen und soweit möglich ganz auf die Anfahrt mit dem PKW verzichten. Der Naturpark Spessart bietet hierfür ein ausgedehntes Wegenetz für Wanderungen und Spaziergänge Tourenportal Naturpark Spessart. Besucher werden gebeten, die markierten Wege nicht zu verlassen und Hunde nicht frei laufen zu lassen, um Wildtiere vor Störungen zu schützen.


Die Naturparkverwaltung bittet um Rücksichtnahme auf Anwohner, andere Erholungssuchende und die Natur, damit alle ihre Freude am Winter haben!

 

100 neue Obstbäume für die Ehrlichsgärten

Die Ehrlichsgärten in Kreuzwertheim gehören zu den ökologisch wertvollsten Streuobstgebieten der Region und sind als Natura 2000-Gebiet geschützt. Um den Bestand der Streuobstbäume langfristig zu sichern, hat der Naturpark Spessart e.V. gemeinsam mit der Gemeinde Kreuzwertheim und der Bund Naturschutz Kreisgruppe Main-Spessart 100 neue Hochstamm-Obstbäume gepflanzt. Die Bäume erhielten dabei einen ersten Schnitt und wurden sofern notwendig gegen Wildverbiss und Beweidungsschäden geschützt. Die Arbeiten wurden von der Main-Streuobst-Bienen eG als Dienstleister und Naturparkmitarbeitern durchgeführt. Projektleiter Julian Bruhn, Bürgermeister Klaus Thoma und BN-Vorsitzender Erwin Scheiner ließen es sich nicht nehmen, den ersten der 100 neuen Obstbäume selbst zu pflanzen.

 

Gepflanzt wurden alte, regionale Obstsorten wie der Steinbacher-Aschaffenburg Rambour, Birne Königin Viktoria, Apfel Schöner von Miltenberg, Bayrische Weinbirne oder Zwetschgen der Sorte Zirbartle blau. Krischan Cords, Geschäftsführer der Main-Streuobst-Bienen eG, schwärmt er beim Blick auf die gelieferten Bäume: „Genau diese Sortenauswahl hätte ich auch für meine eigenen Wiesen getroffen“.


Gemeinsam wird der erste von einhundert neuen Obstbäumen  in den Ehrlichsgärten gepflanzt (v.L.n.R  Bürgermeister Klaus Thoma; Krischan Cords, Vorstand Main Streuobst Bienen gG; Erwin Scheiner, Vorsitzender Bund Naturschutz Kreisgruppe MSP; Julian Bruhn, stellv. Geschäftsführer Naturpark Spessart e.V.)
(Foto: Julian Bruhn, Selbstauslöser)

 

Die Ehrlichsgärten mit über 2600 Bäumen sind nicht nur wegen der zahlreichen regionalen Obstsorten bedeutsam. Das Streuobstgebiet bietet mit einer kleinparzellierten Mischung aus gepflegten und nicht mehr genutzten, teilweise verbuschten Baumreihen mit einem hohen Anteil alter Bäume zahlreichen Arten einen Lebensraum. Vom Naturparkverein beauftragte Kartierungen der Vogelfauna und holzbewohnender Käfer erbrachten 2019 sensationelle Funde. Es wurden 26 Brutvogelarten und 106 Arten xylobionter Käfer nachgewiesen, darunter drei sogenannte Urwald-Reliktarten sowie zahlreiche stark gefährdete Arten der Roten Liste wie Gartenrotschwanz, Klappergrasmücke und Wendehals. Erwin Scheiner erinnert sich: „Seiner Zeit wurde die BN-Ortsgruppe Kreuzwertheim gegründet, weil in den Ehrlichsgärten ein Baugebiet ausgewiesen werden sollte. Zum Glück konnte dies verhindert werden, sonst hätten wir diesen Artenreichtum hier heute nicht.“

 

Um diesen Schatz der Biodiversität langfristig zu sichern, ist das Nachpflanzen neuer Bäume, aber auch eine behutsame Pflege der Altbäume unerlässlich. Es sollen daher vermehrt professionelle Baumschnittkurse und Führungen angeboten werden, um Grundeigentümer, Flächennutzer und die Bevölkerung zu sensibilisieren.

 

Julian Bruhn, stellvertretender Geschäftsführer des Naturparks und Projektleiter ist stolz auf die Umsetzung des Vorhabens: „Wir freuen uns, dass alle an einem Strang ziehen. Ohne die breite Unterstützung von Naturschutzbehörden, dem Markt Kreuzwertheim, dem Bund Naturschutz und den vielen Grundeigentümern hätte dieses Projekt nicht umgesetzt werden können.“ Die Aktivitäten sollen in den nächsten Jahren fortgeführt werden, denn mehr als die Hälfte aller hier erfassten Obstbäume sind bereits überaltert. Es sollen daher weitere Nachpflanzungen mit ähnlichen Sorten-Raritäten erfolgen.

 

Klaus Thoma freut sich über die Initiative des Naturpark Spessart und seiner Partner und über die Förderung durch die Regierung von Unterfranken in Höhe von 75% der Maßnahmenkosten: „Hier fließt die öffentliche Förderung in den Erhalt dieser wunderschönen und vielfältigen Obstwiesen einer Jahrhunderte alten Natur- und Kulturlandschaft. Das ist eine sehr sinnvolle Investition in die Zukunft.“ Am Radweg nach Hasloch möchte der Bürgermeister gerne in den nächsten Jahren weitere Obstbäumen pflanzen. Er ist gespannt, welchen alten Sorten die regionalen Baumschulen dazu noch anbieten können.

 

Neuer Natur-Erlebnispfad in Wiesthal

Neuer Natur-Erlebnispfad in Wiesthal
Im Naturschutzgebiet Spessartwiesen zwischen Wiesthal und Krommenthal hat der Naturpark Spessart e.V. gemeinsam mit der Gemeinde Wiesthal einen neuen Natur-Erlebnispfad fertig gestellt. An acht Stationen haben Besucher die Möglichkeit, Spannendes über die Entstehungs- und Nutzungsgeschichte der für den Spessart so typischen Kulturlandschaft zu erfahren. Zudem kann man auf Schautafeln zahlreiche Tiere und Pflanzen des Gebiets und deren Lebensräume genauer kennen lernen.

Station1 (Foto: Oliver Kaiser)

 

Gleich an der ersten Station des Erlebnispfads am Ortsrand von Wiesthal werden die Besucher vom eigens gestalteten Ameisen-Maskottchen begrüßt. Die Comicfigur stellt das Leben der gelben Schattenameisen vor, die zwar zu den eher unscheinbaren Bewohnern der Feuchtwiesen zählen, jedoch auf faszinierende Art ihren Ameisenstaat gründen. Zwei Schautafeln, teils mit Gesteinsproben ausgestattet, führen an Station 2 in den geologischen Untergrund des Spessarts. Die dritte Station widmet sich der Nutzung und dem Wandel der Kulturlandschaft im Aubachtal. An Station 4, nahe der Wassertretanlage, können Besucher ausgewählte Tier- und Pflanzenarten an einer Drehwürfel-Installation kennenlernen. Station 5 dürfte gerade bei Kindern besonders gut ankommen, da hier während der warmen Jahreszeit mittels einer Handpumpe die Funktionsweise einer historischen Wässerwiese spielerisch nachempfunden werden kann. Unweit der Fußgängerbrücke über den Aubach widmet sich die sechste Station der Wasserkraftnutzung und dem reichen Mühlenerbe von Wiesthal – in dem Mühlendorf waren früher bis zu sechs verschiedene Öl- und Getreidemühlen in Betrieb. Die letzten beiden Stationen stellen die beiden Lebensräume Feuchtwiese und Streuobstwiese vor, u.a. mit einer drehbaren Schautafel in Form eines Apfels.

 

Station 4 (Foto: Thomas Minnich)

 

Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Naturparks, freut sich sehr, dass der Erlebnispfad nach so langer Planungszeit nun endlich fertig gestellt werden konnte. Die Idee dazu entstand bereits um 2008 während des Flurbereinigungsverfahrens im Gebiet, doch ergaben sich immer wieder Verzögerungen und Änderungen in der Konzeption. Baulich und grafisch umgesetzt wurden die Schautafeln und Erlebniselemente von der Firma hochkant aus dem Allgäu, das Ameisenmaskottchen gestaltete der Krefelder Comickünstler „Frät“. Unterstützt wurde das Projekt von den Bauhofmitarbeitern der Gemeinde und der Bauverwaltung der VG Partenstein. Zudem haben viele regionale Fachleute zugearbeitet, u.a. der Geologie-Experte Joachim Lorenz, der Pomologe Steffen Kahl von der Schlaraffenburger Streuobstagentur, die Naturschutzexperten Michael Kunkel und Christian Salomon sowie die Mitglieder des Mühlenvereins Wiesthal.

 

Station 6 (Foto: Thomas Minnich)

 

„Man sieht es den fertigen Stationen oft nicht an, aber da steckt sehr viel Arbeit drin“ erklärt Oliver Kaiser, der das Projekt beim Naturpark geleitet und die redaktionellen Arbeiten betreut hat. „Von der Entwicklung der ersten Gestaltungsideen über das Erstellen der Texte und die Recherche von Bildmaterial bis hin zur technischen Umsetzung braucht es hunderte von Arbeitsstunden. Jeder der Schautafelentwürfe wurde mindestens sechs Mal überarbeitet, manche sogar zehn Mal. Und trotzdem findet man am Ende auf einer gedruckten Tafel einen Rechtschreibfehler!“ schmunzelt Oliver Kaiser. Dennoch ist der Geschäftsführer des Naturparks mit dem Ergebnis sehr zufrieden, insbesondere mit der handwerklich soliden Ausführung der Stationen durch die Allgäuer Spezialfirma hochkant.

 

Markierungszeichen

 

Auch Wiesthals Bürgermeister Karl-Heinz-Hofmann freut sich über die Fertigstellung des neuen Erlebnispfads und über die bereits rege Nutzung durch die Bevölkerung: „Wir haben schon viele positive Rückmeldungen bekommen, der Pfad kommt bei den Menschen gut an. Die Investition hat sich somit für die Gemeinde gelohnt“.
Noch liegen nicht alle Rechnungen vor, doch die Kosten für Herstellung und Aufbau des Natur-Erlebnispfads, für die Ausschilderung sowie den Druck eines Infofaltblatts werden wohl unter den ursprünglich veranschlagten 73.800 € liegen. 70 % der Kosten werden von der Regierung von Unterfranken bzw. dem Umweltministerium als Zuschuss gewährt, den Rest tragen Gemeinde und Naturparkverein.

 

Kartengrundlage: Geobasisdaten
© Bayerische Vermessungsverwaltung Nr. 411/13

 

Der drei Kilometer lange Natur-Erlebnispfad ist für Besucher ab sofort kostenlos zugänglich, der Startpunkt liegt am südlichen Ende der Krommenthaler Straße in Wiesthal. Die Handpumpe an Station 5 ist aktuell wegen Frost demontiert und wird im Frühjahr wieder nutzbar sein. Dann wird es auch noch eine offizielle Einweihungsfeier geben.


[PDF] Naturerlebnispfad Wiesthal

 

 

Ein Faltblatt mit Infos und Übersichtskarte ist beim Naturpark Spessart e.V. und der Verwaltungsgemeinschaft Partenstein erhältlich.

 

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Spatenstich für die erste von insgesamt 23 Schutz- und Infohütten

Am 13. Oktober 2020 konnte der Spatenstich für die erste von insgesamt 23 Schutz- und Infohütten im Naturpark Spessart gesetzt werden. Zu der Feierstunde begrüßte der Naturpark Spessart e. V., vertreten durch seine erste Vorsitzende Landrätin Sabine Sitter (MSP) und den Projektleiter und stellvertretenden Geschäftsführer Julian Bruhn gemeinsam mit der Bürgermeisterin von Dammbach, Waltraud Amrhein die anwesenden Projektpartner und Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Gemeinden, die ebenfalls eine Schutzhütte bekommen.

Spatenstich - v. l. Stellvertr. Landrat AB Friedrich Fleckenstein, Zimmerermeister Ralph Herchet, 1. Vorsitzende und Landrätin MSP Sabine Sitter, Bürgermeisterin Waltraud Amrhein, Julian Bruhn, Stellvertr. Landrat MIL Günther Öttinger (Foto: Björn Friedrich)

 

Gerade in Zeiten von Corona wird deutlich, wie wichtig die Naturparke als Erholungsräume sind und wie sehr die Nachfrage nach regionalen Ausflugszielen und entsprechenden Angeboten wächst. Die 23 neuen Schutz- und Infohütten stellen in diesem Zusammenhang wichtige Bausteine für die Erholungsnutzung im Spessart dar. Sie werden an wichtigen Wegeverbindungen errichtet und laden Wanderer, Spaziergänger und Radfahrer zur gemütlichen Pause ein. Die modernen Holzhütten verfügen über eine komfortable Ausstattung mit Bänken und Tischen im Innen- und Außenbereich, die auch für den Aufenthalt größerer Gruppen geeignet ist. Eine Infotafel gibt einen Überblick über das Wander- oder Radfahrwegenetz und präsentiert Routenvorschläge und Sehenswürdigkeiten in der Umgebung. Sogar Vögel werden von den Hütten profitieren, denn am Eingang wird jeweils ein hübsches Vogelhäuschen angebracht - passend zum Namen des Hüttenmodels "Vogelhäuschen", welches im vorausgegangenen Gestaltungswettbewerb als Siegermodell hervorging.

 

Dient als Vorbild für die 23 neuen Schutzhütten - die Musterhütte "Grenzrain" bei Waldaschaff (Foto: Alessa Panarotto)

 

Gefördert werden die Schutzhütten über das LEADER-Programm (Maßnahmenprogramm der EU zur Förderung des ländlichen Raums) und den dabei unterstützenden Lokalen Aktionsgruppen Main4Eck und Spessart. Die Förderung beläuft sich auf 70% der Nettokosten, die pro Hütte 19.300 € beträgt und an der die Gemeinden jeweils ca. 8.000 € Eigenanteil übernehmen. Insgesamt betragen die Projektkosten voraussichtlich 444.000 €.


Bereits 2018 wurde bei Waldaschaff eine Musterhütte (Grenzrainhütte) zur Vorkonzeption durch die Bayerischen Staatsforsten AÖR und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Karlstadt, errichtet, um für die weiteren Hütten evtl. Modifizierungen einfließen lassen zu können. Die Fertigstellung aller 23 Schutz- und Infohütten ist für Juni 2021 vorgesehen.

 

 

Eine „echte Spessartwiese“ für die Stadt Aschaffenburg

Die Naturschutzbehörde der Stadt Aschaffenburg und der Naturpark Spessart e.V. haben gemeinsam eine ca. 600 m² große Fläche entbuscht und im Anschluss mit gebietsheimischem Saatgut eingesät. Hannah Diehl vom Umweltamt der Stadt Aschaffenburg, Gebietsbetreuer Christian Salomon und Naturpark-Rangerin Victoria Schuler brachten die Pflanzensamen kürzlich von Hand aus. Das Saatgut stammt von einer besonders arten-und blütenreichen Magerwiese bei Mönchberg und wurde diesen Sommer durch die Naturpark-Ranger gezielt für diese Maßnahme geerntet.

 

„Seit 2019 besitzt der Naturpark-Verein einen Samenernter „eBeetle 2.0“, welcher reife Pflanzensamen aus Wiesen ausbürstet und somit ein Wildsaatgut erzeugt, das so nirgendwo zu kaufen ist“, erklärt Christian Salomon, Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart. Neben der spessarttypischen Artenkombination werden somit auch die genetischen Anpassungen der Pflanzen an die Region erhalten, so Salomon, der das mehrjährige Saatgut-Projekt beim Naturpark koordiniert. Mit Förderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds und den WWF konnten so in den letzten zwei Jahren schon einige Wiesenflächen mit Spessart-typischer Vegetation angesät werden.



Gebietsbetreuerin Judith Henkel bei der Ernte des Saatguts 2019 auf einer artenreichen Wiese bein Mönchberg (Lkr. Miltenberg) (Foto: Andreas Schätzlein)

 

Das betreffende Grundstück am Reischberg ist Teil des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets „Extensivwiesen und Ameisenbläulinge in und um Aschaffenburg“ im Norden des Stadtgebietsund damit Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzwerks Natura-2000. Grund des Schutzes sind extensiv genutzte „Magere Flachland Mähwiesen“, die aufgrund ihres Artenreichtums für viele heimische Tiere und Pflanzen von großer Bedeutung sind. Einst weit verbreitet, gehen blütenreiche Wiesen mit Wildkräutern wie Glockenblumen, Margeriten und Flockenblumen immer weiter zurück. Grund hierfür sind zum einen zu intensive Nutzungen, zum anderen die Nutzungsaufgabe und die hiermit einhergehende Verbuschung sowie der Flächenverbrauch durch Siedlung und Verkehr.

 

Ansaat am Reischberg (vlnr: Gebietsbetreuer Christian Salomon - Naturschutzfachkraft Hannah Diehl - Naturpark-Rangerin Victoria Schuler)
(Foto: Victoria Schuler, Selbstauslöser)

 

„Im konkreten Fall hatte die Nutzungsaufgabe zur Ausbreitung von Schlehen und Brombeeren geführt. Um eine „Magere Flachland-Mähwiese“ wiederherzustellen, war zunächst eine aufwendige Freistellung der Fläche notwendig“, berichtet Hannah Diehl, die sich als Fachkraft für Naturschutz bei der Stadt Aschaffenburg auch um die weitere Flächenvorbereitung gekümmert hat. Auf öffentlichem Grund ist es Diehl wichtig, auch bei kleineren Flächen mit gutem Beispiel vorangehen.

 

Stadt- und Naturpark-Mitarbeiter wissen allerdings auch: Damit sich eine richtig schöne Flachland-Mähwiese wiedereinstellt, bedarf es neben der Flächenvorbereitung und dem richtigen Saatgut auch etwas Geduld und fachgerechter Pflege. Traditionell wurden solche Blumenwiesen zur Gräserblüte im Juni als Heu oder Grünfutter gemäht. Im Herbst erfolgte ein zweiter Schnitt oder eine Nachbeweidung. Nur so stellt sich die typische blütenreiche Pflanzenzusammensetzung ein, die auch Lebensraum für zahlreiche Insekten wie Schmetterlingen, Wildbienen oder Heuschrecken bietet. Dieser Naturschutz durch landwirtschaftliche Nutzung soll nun künftig auch wieder auf der Fläche am Reischberg erfolgen.

 

 

Grundschule Gunzenbach wird Naturpark-Schule – Kooperationsvereinbarung unterzeichnet

Die Grundschule in Gunzenbach möchte sich 2021 als sogenannte Naturpark-Schule zertifizieren lassen (vergleiche Infobox). Bei einer kleinen Feierstunde am Freitag, den 9.10.2020 unterzeichneten Schulrektorin Ursula Glaab, Bürgermeister Felix Wissel (Markt Mömbris) und der zweite Vorsitzende des Naturpark Spessart e.V. Thomas Zöller (Bürgermeister Mönchberg) dazu eine Kooperationsvereinbarung. Die Schule wird damit die dritte offizielle Naturpark-Schule im Spessart. Bereits zertifiziert sind die Grundschulen in Partenstein und in Faulbach.



Aufführung der 1. und 2. Klasse - Die Waldbäume beschweren sich über Müll im Wald (Foto: Oliver Kaiser)

 

Landrat Dr. Alexander Legler lobte in seinem Grußwort die Zusammenarbeit zwischen dem Naturpark und den Schulen der Region, hob die Bedeutung der Umweltbildung hervor und freute sich, dass im Landkreis Aschaffenburg nun die erste Naturpark-Schule ausgezeichnet wird. Große Freude über die neue Kooperation gab es nicht nur bei den Mandatsträgern und Lehrkräften, sondern auch bei den Schülerinnen und Schülern der Grundschule. Diese können es kaum erwarten, bis es mit den geplanten Exkursionen und Projekttagen losgeht. Während der Feierstunde stellten die Kinder in äußerst unterhaltsamen Darbietungen die Besonderheiten des Naturparks vor und ließen dabei auch Waldbäume zu Wort kommen, die sich über abgeladenen Müll lauthals beschwerten.

 

Aufführung der 3. und 4. Klasse - Die Kinder stellen Assoziationen zum Naturpark Spessart vor (Foto: Oliver Kaiser)

 

Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Naturparkvereins und Naturpark-Ranger Andreas Gries waren von dem Engagement und der Vorfreude der Kinder und ihrer Lehrer schwer beeindruckt und freuen sich, dass das Netzwerk der Naturpark-Schulen im Spessart mit der Grundschule Gunzenbach weiter ausgebaut werden kann. Die Naturpark-Mitarbeiter werden gemeinsam mit den Lehrkräften in diesem Schuljahr eine Reihe von Exkursionen und Projekttage für die Schüler vorbereiten und durchführen, u.a. zu den Lebensräumen Wald, Streuobstwiese, Hecke und Bach. Bei den Veranstaltungen werden zudem Fachleute wie die Naturparkführerinnen Monja Hofmann und Sandra Nees, der AELF-Revierleiter Matthias Fellhauer und Kurt Kern vom Landesbund für Vogelschutz eingebunden. Auch wird der Naturpark eine Fortbildung für die Lehrkräfte zu Naturthemen anbieten. Nach dem erfolgreichen Testlauf soll die Gunzenbacher Grundschule dann am Ende des Schuljahres offiziell als Naturpark-Schule des Verbands deutscher Naturparke zertifiziert werden.

 

Unterzeichung der Kooperationsvereinbarung.
Hinter den Masken verbergen sich (von links): Landrat Dr. Alexander Legler, Schulrektorin Ursula Glaab, Naturpark Ranger Andreas Gries, Bürgermeister Felix Wissel, Naturparkführerin Sandra Nees, der zweite Vorsitzende des Naturparks Thomas Zöller und Naturpark-Geschäftsführer Oliver Kaiser (Foto: Barbara Kemmerer)

 

Exkursionen und Projekttage werden dann jedes Schuljahr stattfinden, die Themen werden im Unterricht vor- und nachbereitet. Die Grundschüler lernen so im Laufe ihrer vier Schuljahre die wichtigsten Lebensräume des Spessarts und verschiedene Akteure in dieser Kulturlandschaft genauer kennen.

 

Was ist eine Naturpark-Schule?

Die Idee, die Zusammenarbeit zwischen einem Naturpark und einer Schule noch intensiver und langfristiger zu gestalten und diese Schulen als „Naturpark-Schule“ auszuzeichnen, wurde vor einigen Jahren in Österreich entwickelt. Dabei wird der Schulträger, z.B. die Gemeinde, von vornherein als dritter Partner mit einbezogen. Grundgedanke ist es, Kindern und Jugendlichen auf bildungsplanorientierter Basis Themen aus den Bereichen Natur und Kultur mit außerschulischen Partnern zu vermitteln. In Naturpark-Schulen werden Naturpark-Themen wie Natur und Landschaft, regionale Kultur und Handwerk, Land- und Forstwirtschaft regelmäßig im Unterricht, in Exkursionen oder an Projekttagen behandelt. Die Schülerinnen und Schüler lernen auf diese Art ihre Region kennen und werden für sie begeistert. Vorreiter im Spessart und zudem die erste Naturpark-Schule in Deutschland ist die Grundschule in Partenstein (Landkreis Main-Spessart). Hier bringen seit mehr als 10 Jahren Mitarbeiter der Naturparkverwaltung, ehrenamtliche Naturparkführer sowie weitere Kooperationspartner Schülern und Lehrern die Natur- und Kulturlandschaft des Spessarts näher. Außerschulische Lern- und Erfahrungsorte sind dabei ein zentraler Baustein: Im Rahmen von Exkursionen, Projekttagen und Unterrichtseinheiten lernen die Kinder Lebensräume wie Wiese, Hecke, Wald und Gewässer und deren Bewohner kennen. Die Idee der Naturpark-Schulen hat 2012 der Verband der Deutschen Naturparke VDN aufgegriffen und ein offizielles Zertifizierungsverfahren ausgearbeitet. Kriterien sind u.a. die Lage der Schule in einem Naturpark, die Verankerung der relevanten Themen im Unterricht und im Schulleben sowie die Einbindung von weiteren Partnern wie Natur- und Landschaftsführern, Landwirten, Förstern oder Handwerkern. Aktuell sind 130 Naturpark-Schulen in ganz Deutschland nach diesen Kriterien vom VDN zertifiziert worden. Die Auszeichnung „Naturpark-Schule“ wird für einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren verliehen. Weitere Infos zu den Naturpark-Schulen gibt es unter www.naturparke.de

 

Erste Naturpark-Schule im Landkreis Miltenberg zertifiziert

Nach monatelangen Vorbereitungen ist es geschafft: Axel Keppler, Rektor der Grund- und Mittelschule Faulbach hält stolz die Plakette in die Höhe, welche seine Schule als offizielle Naturpark-Schule des Verbandes Deutscher Naturparke auszeichnet.
„Mit der Zertifizierung als Naturpark-Schule haben wir nun den Grundstein gelegt, um den Schülerinnen und Schülern die Natur vor ihrer eigenen Haustür stärker als bisher näher zu bringen.“, erklärt Schulleiter Keppler.



Gruppenbild: Am Mittwoch wurde die Grundschule Faulbach als offizielle „Naturpark-Schule“ zertifiziert (v.l.n.r.): Carina Steiler und Nadja Harth (zuständige Lehrerinnen) Andreas Schätzlein (Naturpark-Ranger), Astrid Scherger (Vertreterin des Elternbeirates), Harald Frankenberger (Schulrat des Staatlichen Schulamtes Miltenberg), Thomas Zöller (2. Vorsitzender des Naturpark Spessart e.V.), Axel Keppler (Schulleiter),Wolfgang Hörnig, (Bürgermeister Faulbach und Schulverbandsvorsitzender), vorne die Klassensprecher (Foto: I.Herbert)

 

Bürgermeister Thomas Zöller, 2. Vorsitzender des Naturparkvereins freut sich über die Kooperation mit der Schule Faulbach und über die Möglichkeit, das Netzwerk der Naturpark-Schulen auch im Spessart schrittweise auszubauen. Weitere Schulen haben bereits Interesse bekundet, nächstes Jahr sollen die Grund- und Mittelschule Frammersbach und die Grundschule Mömbris-Gunzenbach zertifiziert werden.
In Naturpark-Schulen werden Themen wie Natur und Landschaft, regionale Kultur und Handwerk, Land- und Forstwirtschaft regelmäßig im Unterricht, in Exkursionen oder an Projekttagen behandelt. Außerschulische Lernorte und die Einbindung externer Partner spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Schülerinnen und Schüler lernen auf diese Art ihre Region kennen und werden für sie begeistert.
Erste Exkursionen und Projekttage haben die Naturpark-Ranger bereits letztes Jahr an der Schule in Faulbach erfolgreich durchgeführt. Auch für das laufende Schuljahr war ein umfangreiches Programm vorgesehen, dass jedoch nicht wie geplant durchgeführt werden konnte:
Zuerst musste wegen Sturmtief „Sabine“ der Aktionstag „Waldnutzung“ für die dritte Klasse verschoben werden. Dieser wurde Anfang März nachgeholt und die Schülerinnen und Schüler lernten den Wirtschaftsraum Wald bei einer Exkursion mit Katja Sander und Christoph Hengst vom AELF Karlstadt kennen. Die Kinder erlebten, wie ein Baum gefällt wurde und lernten vieles über Holzernte und Holz als Rohstoff. Im Sommer wäre nun der Wald als Lebensraum für Tiere und Pflanzen Thema gewesen, doch machte das Coronavirus es leider unmöglich, die Exkursion durchzuführen. Auch weitere Aktionstage mussten abgesagt werden. Die Erstklässler sollten mit den Gebietsbetreuern für Grünland und einer Schäferin den Lebensraum Wiese erkunden und von einer Imkerin erfahren, wie Bienen arbeiten und wie Honig entsteht. Die zweite Klasse wollte sich unter Anleitung des Landschaftspflegeverbands Miltenberg den Themen Hecke und Streuobst widmen. Geplant war, dass die Kinder gemeinsam mit einem Ranger und der Kelterei Wießmann aus Faulbach eigenen Apfelsaft pressen. Gewässer und Geologie stand für die vierte Klasse auf dem Exkursionsprogramm. Ziel ist es, dass am Ende seiner Grundschullaufbahn jeder Grundschüler alle Themenmodule durchlaufen hat und dabei die Natur vor der eignen Haustüre besser kennen und schätzen lernt.

 

Schulleiter Axel Keppler mit Zertifzierungsplakette
(Foto: Andreas Schätzlein)

 

Alle Beteiligten bedauern den Ausfall der Veranstaltungen sehr, freuen sich jedoch, dass die Zertifizierung der Schule dennoch durchgeführt werden konnte. Naturpark-Ranger Andreas Schätzlein blickt nach vorne: „Im kommenden Schuljahr hoffen wir aber, dass alle Aktionstage mit unseren Kooperationspartnern wie geplant stattfinden können. Die Vorbereitungen laufen jedenfalls schon.“

 

 

Premium-Saatgut für Naturschutzflächen - Naturpark Spessart beerntet wieder Wiesen

Der Naturpark Spessart e.V. besitzt seit vergangenem Jahr einen Samenernter „eBeetle“ und bürstet damit reife Pflanzensamen aus besonders wertvollen Wiesenbeständen. In einem zunächst vierjährigen Förderprojekt des Bayerischen Naturschutzfonds und des WWF Deutschland sollen die beernteten Wiesen so auf andere Flächen „kopiert“, seltene Pflanzenarten vermehrt und der Erfolg der Maßnahmen analysiert werden.



Gebietsbetreuer Christian Salomon und Stephan Köhler
(Foto: Andreas Gries)

 

Zu den diesjährigen Maßnahmen zählt die Ansaat entbuschter Hangbereiche im Naturschutzgebiet Spessartwiesen bei Wiesen. Die Entfernung der Brombeer- und Hainbuchensukzession hat der Landschaftspflegeverband Aschaffenburg durchgeführt. Das passende Saatgut besorgen Naturpark-Ranger und Gebietsbetreuer u.a. auf örtlichen Heuwiesen des Wiesener Rinderhalters Stefan Köhler, der auch die Flächen im Naturschutzgebiet bewirtschaftet. „Es soll dort statt Gebüschen wieder der Lebensraumtyp Magere Flachlandmähwiese entstehen“, erklärt Christian Salomon, Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart. Damit reife Pflanzensamen von möglichst vielen Arten geerntet werden können, mäht Stefan Köhler, zugleich Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbandes, die Spenderflächen deshalb später als sonst.

 

Landwirt Stefan Köhler testet den Samenernter eBeetle
(Foto: Christian Salomon)

 

Ein weiteres Projekt läuft dieses Jahr in Massenbuch. Dort stellt Dr. Michael Armbrust, der ehemalige Leiter der Lohrer Augenklinik, Ackerflächen bereit, die er aus Naturschutzgründen wieder in artenreiches Grünland umwandeln will. Der Kontakt zum Naturpark kam über Klaus Bernhart, den früheren Leiter des Landwirtschaftsamts Karlstadt, zustande. In Armbrusts Garage liegt nun Saatgut zum Trocknen, das kürzlich von besonders blütenreichen Wiesen bei Ruppertshütten gewonnen wurde. Weitere Samen sollen von der Rechtenbacher Weikertswiese kommen.

 

 

Ranger Berit Arendt beim Abladen von Saatgut der eBeetle-Wiese (Foto: Svenja Fischer)

 

Das Thema Saatgut sei „fachlich wie rechtlich sehr anspruchsvoll und noch in Entwicklung“, sagt Salomon. Der Erhalt regionaltypischer Genetik und Artenkombinationen sei ein wesentlicher Beitrag zum Schutz der Biodiversität. Wenn die Pflanzenwelt durch Saatgut großräumig vereinheitlicht würde, sei das negativ für die Stabilität unserer Ökosysteme, so der Naturschutzvertreter.

 

Samen zum ebeeteln (Foto: Svenja Fischer)

 

Laut Bundesnaturschutzgesetz ist die Ausbringung von gebietsfremdem Saatgut in der freien Landschaft mittlerweile verboten. Davon befreit sind land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen, aber auch hier können gebietsabhängig naturschutzrechtliche Einschränkungen gelten. „Im Zweifelsfall auf Grünland lieber kein Saatgut ohne Abstimmung mit den Fachbehörden ausbringen“, rät Christian Salomon gerade im Hinblick auf gut gemeinte Blühmaßnahmen oder die Nachsaat von lückigen Wiesen und Schwarzwildschäden. Dass geeignetes Saatgut für „Naturschutzflächen“ bislang nur begrenzt erhältlich und meist auch nicht billig sei, sei ein bekanntes Problem, an dem man arbeiten müsse.

 

Großes Lob und Neuwahlen bei Mitgliederversammlung - Landrätin Sabine Sitter übernimmt Vorsitz beim Naturpark Spessart e.V.

Am 24. Juni 2020 fand in Bessenbach die jährliche Mitgliederversammlung des Naturpark Spessart e.V. statt. Aufgrund der strengen Hygieneauflagen musste die Veranstaltung in die große Mehrzweckhalle der Gemeinde verlegt werden. Da der erste Vorsitzende Thomas Schiebel verhindert war, übernahmen der zweite Vorsitzende Roland Bauer und Bessenbachs Bürgermeister Christoph Ruppert die Begrüßung der etwa 90 Teilnehmer. Auf der Tagesordnung standen ein ausführlicher Tätigkeitsbericht der Geschäftsführung, der Naturpark-Ranger und des Gebietsbetreuers für Grünland Christian Salomon. Diese präsentierten eine Fülle an Projekten und Aktivitäten, darunter den Einsatz des Samenerntegeräts eBeetle, Landschaftspflege- und Artenschutzmaßnahmen, die kostenlose Naturschutzberatung für Landwirte und Gemeinden, die Betreuung der Wanderwegeinfrastruktur - darunter die Errichtung weiterer Schutz- und Infohütten- oder das maßgeblich von den ehrenamtlichen Naturparkführern gestaltete, länderübergreifende Veranstaltungsprogramm. Die beiden Geschäftsführer Oliver Kaiser und Julian Bruhn lobten dabei die gute Zusammenarbeit mit den zahlreichen Partnern wie Gemeinden, Spessartbund, Naturpark Hessischer Spessart und Tourismusverband Spessart-Mainland.

"Lockere" Versammlung in der Bessenbachhalle
(Foto: Andreas Gries)

 

Es folgte der Kassenbericht von Schatzmeister Arno Bernard. Der Verein konnte seinen Haushalt 2019 mit einer schwarzen Null abschließen und auch der von der Mitgliederversammlung verabschiedete Haushalt für das laufende Jahr 2020 ist bezüglich der Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen. Dieser würde erstmalig die Marke von einer Million Euro knacken.

 

Neue Vorsitzende: Landrätin (Lkr. MSP) Sabine Sitter
(Foto: Dr. Oliver Kaiser)

 

Bei den anstehenden Neuwahlen wurde Landrätin Sabine Sitter (Landkreis Main-Spessart) einstimmig zur neuen ersten Vorsitzenden gewählt. Sabine Sitter tritt die Nachfolge des ehem. Landrats Thomas Schiebel an, der seit 2009 den Verein leitete. Als zweiter Vorsitzender wurde Mönchbergs Bürgermeister Thomas Zöller gewählt. Sein Vorgänger, Dammbachs ehem. Bürgermeister Roland Bauer, wurde nach fast 20 Jahren als zweiter Vorsitzender des Vereins verabschiedet. In seiner Rede erinnerte sich Bauer mit einem Schmunzeln an seine "Berufung" in den Vorstand durch den damaligen ersten Vorsitzenden Armin Grein. Den Naturpark habe er seitdem „fest im Herzen verinnerlicht“. Altlandrat Grein - heute Ehrenvorsitzender des Naturparkvereins - bedankte sich für das Engagement der Vereins- und Gremienmitglieder sowie bei Mitarbeitern und Ehrenamtlichen für deren unermüdlichen Einsatz. Sowohl Roland Bauer wie Armin Grein lobten die herausragende Entwicklung des Vereins zu einer heute so bedeutenden und leistungsstarken Institution. Auch Jörg Steinhoff, Sachgebietsleiter Naturschutz an der Regierung von Unterfranken, fand sehr lobende Worte. Der Naturpark Spessart erfülle eine absolute Vorbildfunktion für die Naturparke in Bayern.

 

 

Vorstand und Vereinsausschuss (VA) (v. l.):
Christian Holzemer (Kassenprüfer), Angelika Krebs (VA), Rüdiger Stenger (Kassenprüfer), Stephan Amend (VA), Elisabeth Steger (VA), 2. Vorsitzender Thomas Zöller, 1. Vorsitzende Sabine Sitter, Dr. Alexander Legler (VA), Geschäftsführer Dr. Oliver Kaiser, Jens-Marco Scherf (VA), Schriftführerin Melanie Weippert, Schatzmeister Arno Bernard, stellvertretender Geschäftsführer Julian Bruhn, Ehrenvorsitzender Armin Grein
(Foto: Andreas Gries)
Nicht auf dem Bild: OB Jürgen Herzing (VA)

 

Personelle Veränderungen gab es nicht nur im Vorstand, sondern auch bei den Mitgliedern des Vereinsausschusses, die gemeinsam mit dem Vorstand den Naturparkverein leiten. Neu im Gremium sind Landrat Dr. Alexander Legler (Lkr. Aschaffenburg), Oberbürgermeister Jürgen Herzing (Stadt Aschaffenburg), Bürgermeisterin Elisabeth Steger (Dorfprozelten) und Bürgermeister Stephan Amend (Partenstein). Im Amt bestätigt wurden Landrat Marco Scherf (Lkr. Miltenberg) und Bürgermeisterin Angelika Krebs (Kleinkahl). Ebenfalls wiedergewählt wurden die Schriftführerin Melanie Weippert, Schatzmeister Arno Bernard und die beiden Kassenprüfer Bürgermeister Rüdiger Stenger und Christian Holzemer.

 

Landrat Jens-Marco Scherf verabschiedet den 2. Vorsitzenden, Dammbachs ehem. Bürgermeister Roland Bauer (Foto: Dr. Oliver Kaiser)

 

Die neu gewählte Vorsitzende Sabine Sitter dankte der Versammlung für die Wahl und dem Naturparkteam, den Gremienmitgliedern und allen Partnern für die engagierte Arbeit und Unterstützung. Nachdem die Anwesenden noch Wünsche und Anregungen vorgetragen hatten, beendete Sabine Sitter die zweistündige Versammlung mit einem positiven Ausblick auf die zukünftige Arbeit und Entwicklung des Naturparkvereins.

 

Wenn Sträucher und Bäume einen Schleier tragen

Aktuell können Naturbeobachter Zeuge eines seltsam anmutenden Natur-Schauspiels werden: eben noch voll im Saft stehende, mit frischem grünem Blätterdach und duftenden Blüten geschmückte Bäume und Sträucher zeigen sich urplötzlich kahl und wie von einem hauchdünnen silbrig schimmernden Trauerschleier überzogen.

Gespinste umhüllen Gehölz (Bildautor: Berit Arendt)

 

Naturpark-Ranger Berit Arend vom Naturpark Spessart e.V. hat sich das Phänomen, dass fast überall im Spessart zu beobachten ist, genauer angesehen:
„Was wie ein feines weißes Vlies aussieht, entpuppt sich als ein riesiges Gespinst – ein „Schutzvorhang“ für unzählige kleine gefräßige Raupen, die hier am Werk sind. Es sind die Raupen von unterschiedlichen Gespinstmotten-Arten, die jeweils ihre ganz eigenen Wirtspflanzen aufsuchen“, erklärt die Naturpark-Mitarbeiterin.

 

 

Gespinstmotten (Bildautor: Berit Arendt)

 

Vor allem Pfaffenhütchen, Traubenkirschen, Weiden oder auch Schlehen werden von den Gespinstmotten heimgesucht. Dieses Jahr sieht man in der Region besonders viele befallene Gehölze. Berit Arend vermutet, dass die nachtaktiven Falter vom milden Winter und der trockenen Witterung profitieren.
Haben die Gespinstmotten eine Pflanze ihrer Wahl gefunden, so spinnen sie diese komplett ein, um sich vor Fressfeinden wie z.B. Vögeln schützen zu können. Für das bloße Auge kaum mehr sichtbar, futtern Hunderte von ihnen gesellig das Pflanzengrün auf, bis von dem Strauch oder Baum schließlich nur noch kahle Äste unter der seidenen Schutzverkleidung hervorragen. Die Raupen der Gespinstmotten genießen bis etwa Mitte Juni ein meist unbeschwertes Dasein. Dann wird es Zeit, an den Fuß der Wirtspflanze zu krabbeln, um sich zu verpuppen. Besondere „Wächterraupen“ reparieren derweil kleinere Löcher im Gespinst und sichern das Überleben ihrer verpuppten Geschwister. Hierfür hat die Natur ihnen extra ein wenig mehr Lebenszeit zur Verfügung gestellt - sie verpuppen sich später.

 

 

Gespinstmotten mit Kotbällchen (Bildautor: Berit Arendt)

 

Nach gut 2 Wochen schlüpft dann eine neue Generation von Gespinstmotten, die bis zu 80 Eier an Rindenritzen und Trieben ablegt.
Auch wenn die Gespinstmotten aktuell vielerorts auftreten, so ist eine Bekämpfung der scheinbar nimmersatten Raupen nicht sinnvoll und notwendig. Zum einen regulieren Vögel, Parasiten und Krankheitserreger in der Regel die Bestände. Zum anderen schadet den meisten Pflanzen ein Intensivbesuch der Gespinstmotten und ihrer Raupen nicht dauerhaft: Die Gehölze treiben meist im selben Jahr erneut aus. Auch geht von dem Gespinst und den Raupen für Menschen keine Gefahr aus - im Gegensatz zum Eichenprozessionsspinner, dessen Haare starke allergische Reaktionen auslösen können.
„Es ist deshalb das klügste, der Natur ihren Lauf lassen, denn auch die umherfliegenden Gespinstmotten gehören schließlich in ein funktionierendes Ökosystem, indem sie unter anderem vielen Vogelarten wiederum als Nahrung dienen“, resümiert Naturpark-Ranger Berit Arendt.

Weitere Informationen zu den Gespinstmotten gibt es bei Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gespinst-_und_Knospenmotten


 

Teufelskrallen - Blühende Schönheiten im Spessart

Aktuell blühen auf Magerwiesen sowie an Wald- und Bachrändern im Naturpark Spessart alle drei heimischen Teufelskrallen-Arten. Sie gehören zu den Glockenblumengewächsen, was man unter anderem an der meist bläulichen Blütenfarbe erahnen kann. Der Name Teufelskralle bezieht sich auf die krallenartig gekrümmten Einzelblüten, die zusammen einen kugeligen bis länglichen Blütenstand ausbilden. Als Bestäuber dienen Bienen(artige) und Schwebfliegen.


Ährige Teufelskralle (Bildautor: Christian Salomon)

 

Die Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum) ist durch ihre cremeweiße Farbe am leichtesten zu erkennen und die größte der drei Arten.

 

Schwarze Teufelskralle (Bildautor: Christian Salomon)

 

Die Schwarze Teufelskralle (Phyteuma nigrum) hat dagegen dunkelviolette bis schwarzblaue Blüten. Sie bildet mancherorts auffällige Bestände an Straßenrändern z.B. im oberen Hafenlohrtal.

 

 

Kugelige Teufelskralle (Bildautor: Christian Salomon)

 

Die Kugelige Teufelskralle (Phyteuma orbiculare) ist im Spessart dagegen eine echte Rarität und eher typisch für höher gelegene Wiesen etwa in der Rhön oder den Alpen. Ihre Blüten sind leuchtend blau, ihr Blütenstand deutlich kugelig und ihre Fruchtblätter besitzen fast immer drei (statt zwei) fadenförmige, leicht eingerollte Narben. Wuchs sie früher in einigen Spessarttälern, so sind aktuell nur noch wenige Hundert Pflanzen auf zwei Magerwiesen bei Bischbrunn bekannt.


Christian Salomon kümmert sich als Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart um den Erhalt der seltenen und attraktiven Pflanze. So werden ihre Bestände von den Landwirten erst nach der Samenreife gemäht. Zudem wird ein Teil der reifen Samen entnommen, um damit in Kooperation mit dem Botanischen Garten der Universität Würzburg und der Regierung von Unterfranken wieder Teufelskrallen-Bestände auf anderen geeigneten Wiesen aufzubauen.


Sollten Leserinnen und Leser bei Ausflügen im Spessart weitere (vermutete) Funde der Kugeligen Teufelskralle entdecken, werden Sie gebeten, sich mit einem scharfen Detailfoto der Blüten und der Beschreibung des Fundorts an den Naturpark Spessart
christian.salomon@naturpark-spessart.de
zu wenden. Bitte die Blüten nicht abreißen oder die Pflanzen beschädigen!

 

Das Naturparkteam bedankt sich für die Unterstützung.

 

 

Naturschutz-Helfer bekämpfen giftiges Wasserkreuzkraut im Sinngrund

Seit Tagen sind im Naturschutzgebiet Sinngrund in Warnwesten gekleidete Personen unterwegs. Diese sind allerdings nicht wegen der beliebten Schachblumen vor Ort, sondern wegen des Wasserkreuzkrauts. Die giftige Pflanze hat sich in den letzten Jahren auf den Sinngrundwiesen stark ausgebreitet und beeinträchtigt zunehmend die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen. Dadurch ist auch die Schachblume gefährdet. Der Naturpark Spessart e.V. hat daher ein Projekt zur systematischen Erfassung und Rückdrängung des Wasserkreuzkrauts gestartet. Beteiligt sind Naturschutzbehörden und die fünf Kommunen Obersinn, Mittelsinn, Burgsinn, Rieneck und Gemünden a. Main. Die Regierung von Unterfranken fördert das Vorhaben mit knapp 70,000,- €.


Freiwillige der Firma Mehytec unterstützen Mitarbeiter des Naturpark Spessart bei der Rückdrängung des giftigen Wasserkreuzkrauts im Naturschutzgebiet Sinngrund (Bildautor: Andreas Schätzlein, mit Selbstauslöser)

 

Auf weniger stark betroffenen Flächen sollen die Wasserkreuzkrautpflanzen samt Wurzel manuell ausgestochen werden, bevor sie blühen und ihre Samen verteilen können. Diese Arbeiten sollte zunächst ein 20-köpfiger Arbeitstrupp durchführen, den Julian Bruhn, stellvertretender Geschäftsführer des Naturparks und Projektleiter, gemeinsam mit dem Kooperationspartner Bergwaldprojekt e.V. organisiert hatte. Die derzeitigen Infektionsschutzauflagen machen jedoch die monatelangen Vorbereitungen zunichte, denn die Unterbringung und Betreuung der auswärtigen Helfer ist aktuell nicht möglich. Glücklicherweise können die Rückdrängungsmaßnahmen doch noch durchgeführt werden. Kurzfristig fanden sich motivierte Helfer aus der Region, die für den ausgefallenen Arbeitstrupp einsprangen: Mitarbeiter der Sinntaler Firma Mehytec, Erzieherinnen des Mittelsinner Kindergartens und weitere Ortsansässige, die aufgrund von Corona in ihrer regulären Arbeit eingeschränkt waren, meldeten sich für die Naturschutzmaßnahme. Auch Landwirte aus dem Sinngrund beteiligen sich an den Arbeiten.

 

Das fürs Vieh giftige Wasserkreuzkraut hat sich in den letzten Jahren auf den Feuchtwiesen im Sinngrund stark ausgebreitet (Bildautor: Andreas Schätzlein)

 

Unter fachlicher Anleitung von Naturparkmitarbeitern rücken die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer - ausgestattet mit Unkrautstechern und Schutzhandschuhen - dem Wasserkreuzkraut zu Leibe. Dabei werden die betroffenen Wiesen in Bahnen abgeschritten und die giftigen Pflanzen samt Wurzel aus dem Boden gestochen. Die Beteiligten halten bei der Arbeit natürlich Abstand zu einander und achten darauf, nicht versehentlich auf die ebenfalls auf den Wiesen vorkommenden Schachblumen zu treten.

 

Es ist eine einfache Rechnung: Jede ausgestochene Pflanze belastet nicht mehr die Futternutzung und kann auch keine weiteren Samen ausbilden. Die Projektebeteiligten hoffen so, die Problempflanze über die Jahre wieder deutlich zurückdrängen zu können und damit die Futternutzung der wertvollen Schachblumenwiesen dauerhaft zu gewährleisten.

 

Ihr Lebensraum soll durch die Maßnahme erhalten werden: Schachblumen sind ein Wahrzeichen des Sinngrundes und im Naturschutzgebiet besonders häufig zu bewundern (Bildautor: Andreas Schätzlein)

 

„So unglücklich die Lage durch das Virus auch ist, ist es doch schön zu wissen, dass man wenigstens der Natur und der landwirtschaftlichen Nutzung etwas Gutes tut.“, freut sich auch Jasmin Amend, Mitarbeiterin der Firma Mehytec, die normalerweise als Vertriebsmitarbeiterin arbeitet. Und auch die landschaftlichen Reize dieses zwischenzeitlichen Arbeitsplatzes sind nicht zu leugnen. Einige Wiesen im Sinngrund sind bereits so stark vom Wasserkreuzkraut befallen, dass ein Ausstechen der Pflanzen von Hand nicht mehr machbar ist. Bei mehreren Dutzend Pflanzen pro Quadratmeter ist maschinelle Unterstützung gefragt. Im Sommer, wenn das Wasserkreuzkraut blüht, werden diese sehr stark befallenen Flächen vom Maschinenring Arnstein & Mitteilmain abgemäht, bevor sich Samen bilden.

 

MitarbeiterInnen der Sinntaler Firma Mehytec und Obersinns Bürgermeisterin Zieres beim Ausstechen der Giftpflanzen (Bildautor: Julian Bruhn)

 

Da die Pflanze danach meist eine zweite Blüte ausbildet, wird im Spätsommer eine zweite Mahd notwendig sein. Das anfallende Mahdgut wird in der Biogasanlage in Burgjoß entsorgt. Der Erfolg der Maßnahmen wird in 50 markierten Beobachtungsflächen gemessen, die Gebietsbetreuer Christian Salomon und Rangerin Berit Arendt vom Naturpark eingerichtet haben. Hier wird künftig jährlich die Bestandsdichte des Wasserkreuzkrauts kontrolliert.

 

Wasserkreuzkraut in Blüte (Bildautorin: Svenja Fischer)

 

 

 

Frühlingsputz im Wassererlebnishaus in Rieneck

Wassererlebnishaus Rieneck im Sommer (Foto: Philipp Fey)

 

Zu einem umfangreichen Arbeitseinsatz am Wassererlebnishaus Rieneck trafen sich dieser Tage Naturpark-Ranger Berit Arendt und Naturparkführerin Gabi Bechold. Das als außerschulischer Lernort und Ausflugsziel beliebte Wassererlebnishaus lädt seit 2012 kleine und große Gäste ein, an interaktiven Stationen die verschiedenen Facetten des Elements Wasser kennen, begreifen und schätzen zu lernen.

 

Bodenfiltermodelle mit B.Arendt (links) und G.Bechold (rechts) (Foto: Berit Arendt)

 

Nach der Winterpause benötigten einige der Stationen eine gründliche Reinigung. Berit Arend und Gabi Bechold schrubbten die stark veralgten Bodenfiltermodelle und befüllten diese neu mit unterschiedlichem Bodenmaterial. Der Sand des Hochwassermodells wurde gesiebt und von Ästen und Steinen befreit. Auch die verschmutzten Schautafeln wurden gereinigt und präsentieren beispielsweise die Bewohner des Fließenbachs im neuen Glanz.

 

Wasserkaskade und Fließenbach (Foto: Berit Arendt)

 

Auch ohne Führung durch die Naturparkführer*innen ist das Wassererlebnishaus einen Besuch wert. Die Anlage im Fließenbachtal ist jederzeit geöffnet, die Nutzung ist kostenlos. Ein Faltblatt mit Anfahrtsbeschreibung und weiteren Informationen ist bei der Naturparkverwaltung
info@naturpark-spessart.de
Telefon: 09351 603947 und unter
Prospekte erhältlich.

 

 

Hochwassermodell mit eifrigen Baumeistern (Foto: Philipp Fey)

 

Der Naturpark bittet um Beachtung der aktuell geltenden Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung von COVID-19. Sobald ein Besuch des Wassererlebnishauses wieder uneingeschränkt möglich ist, wird der Naturpark hierüber auf seiner Homepage informieren. Die Naturparkführer*innen werden dann auch wieder Führungen anbieten.

 

 

Artenschutz: Hilfsmaßnahmen für den Wasserfenchel & Co im Sinngrund

Das Naturschutzgebiet Sinngrund ist für seine bundesweit größten Schachblumenvorkommen bekannt. Die Talwiesen beherbergen allerdings noch weitere botanische Kostbarkeiten, darunter das bayernweit einzige Vorkommen des Haarstrang-Wasserfenchels (Oenanthe peucedanifolia). Entdeckt wurde das Vorkommen des unauffälligen Doldenblütlers vom Würzburger Botaniker Prof. Dr. Detlev Drenckhahn, der leider auch seit Jahren einen Rückgang der ohnehin seltenen Pflanze feststellt. Klimawandel und zu frühe Mahd könnten dafür ursächlich sein.

 

Blühender Wasserfenchel (Foto: Christian Salomon)

 

Doch jetzt gibt es wieder Grund zur Hoffnung für den feuchtigkeitsliebenden Wasserfenchel. Naturpark-Gebietsbetreuer Christian Salomon hat nicht nur Landwirte dafür gewinnen können, die meist kleinen Einzelvorkommen des Fenchels später zu mähen, so dass die Fenchelsamen ausreifen können. Der Botanische Garten der Universität Würzburg hat aus entnommenen Samen nun auch erstmals Fenchelpflanzen angezogen, die Gebietsbetreuer Salomon wieder im Sinngrund ausgepflanzt hat. Ähnliche Maßnahmen laufen im Naturpark schon für weitere Pflanzenarten, darunter Sonnentau, Arnika und die besonders seltene Orchidee Herbstdrehwurz. „Den letzten ihrer Art einfach beim Aussterben zuzusehen, ist keine gute Option“, so der Naturpark-Mitarbeiter. Man versuche daher einerseits die Pflege der Standorte zu optimieren und andererseits diese Arten bei der Wiedervermehrung zu unterstützen. Allerdings kommen hierfür nur Samen in Frage, die wirklich von Wildpflanzenbeständen aus dem Spessart stammen. Alles andere könnte die genetische Vielfalt dauerhaft zerstören.

 

Wasserfenchel vor der Auspflanzung (Foto: Christian Salomon)


Neben der Auspflanzung angezogener Pflanzen werden im Naturpark Spessart seit letztem Jahr auch mit der Samenerntemaschine „eBeetle“ ganze Wiesenabschnitte beerntet. Mit diesem Saatgut werden an anderer Stelle dann neue Wiesen angelegt, die neben den seltenen Pflanzenarten auch gleich die zugehörige Pflanzengesellschaft erhalten.

 

Wald-Exkursion als gelungener Auftakt für Aktionen an Naturpark-Schule in Faulbach

Faulbach, 5. März 2020
„Achtung – Baum fällt“, hallt es durch den Wald, gefolgt von einem letzten Aufheulen der Motorsäge. Dann erleben 28 Viertklässler der Grundschule Faulbach mit ihren Klassenlehrerinnen Gabriele Diehm und Michaele Endres-Dicker, wie eine Kiefer laut krachend gefällt wird.  

 

Katja Sander und Christoph Hengst vom AELF Karlstadt und Naturpark-Ranger Andreas Schätzlein erläutern den Viertklässlern der Verbandsschule Faulbach bei der Fällung eines Baumes die Nutzfunktion des Waldes (Bildautorin Gabriele Diehm)

 

Die Baumfällung war einer der Höhepunkte der Waldexkursion, welche Katja Sander und Christoph Hengst vom AELF Karlstadt gemeinsam mit dem Naturpark-Ranger Andreas Schätzlein am vergangenen Donnerstag für die vierte Klasse der Grund- und Mittelschule Faulbach organisiert hatten. Die Nutzung des Waldes stand bei der halbtägigen Veranstaltung im Vordergrund. Die Kinder lernten spielerisch verschiedene Baumarten kennen und konnten die verschiedenen Aspekte der Holzernte live mitverfolgen - von der gemeinsamen Auswahl eines geeigneten Baumes über die Besprechung der Werkzeuge und Sicherheitseinrichtungen bis hin zur Fällung des Baumes. Katja Sander, Waldpädagogin des AELF Karlstadt, erklärte dabei den Schülerinnen und Schülern die Zusammenhänge: „Wir Menschen brauchen Holz. Zum Beispiel für Stühle, Tische oder auch das Papier, das wir zum Schreiben brauchen. Das ist ein Grund, warum Bäume gefällt werden.“ Spiele und Experimente rundeten den erlebnisreichen und kurzweiligen Vormittag im Wald ab, so dass die Viertklässler mit vielen neuen Eindrücken nach Hause gingen.

 

Katja Sander und Christoph Hengst vom AELF Karlstadt und Naturpark-Ranger Andreas Schätzlein erläutern den Viertklässlern der Verbandsschule Faulbach bei der Fällung eines Baumes die Nutzfunktion des Waldes (Bildautorin Gabriele Diehm)


Naturpark-Ranger Andreas Schätzlein freute sich über die gelungene Auftaktveranstaltung. Sieben weitere Exkursions- und Aktionstage mit der Faulbacher Schule werden dieses Schuljahr noch folgen. Sie sind Bestandteil der im Herbst 2019 initiierten Kooperation zwischen Naturpark Spessart e.V. und der Faulbacher Verbandsschule sowie deren Zertifizierung als offizielle „Naturpark-Schule“.

 

Schüler erleben bei einem Experiment spielerisch den Aufbau des Holzes (Bildautorin Gabriele Diehm)

 

Die vierte Klasse wird im Sommer erneut den Faulbacher Gemeindewald besuchen und seine Funktion als Lebensraum und die in ihm lebenden Arten genauer kennenlernen. Auch die anderen Grundschulklassen der Faulbacher Schule werden unter fachkundiger Anleitung die Natur vor der eigenen Haustür kennen und schätzen lernen. Themen wie Wasser, Wiese, Beweidung, Hecke, Streuobst, Imkerei und Boden stehen dabei auf dem Programm.

 

Der Naturpark Spessart feiert 60-jähriges Jubiläum

„Mit dem Spessart ist ein Gottesgeschenk in unsere Hand gegeben, das unserer ganzen Aufmerksamkeit und liebvollen Betreuung bedarf, wenn wir selbst seiner Segnung teilhaftig werden und vor der kommenden Generation durch die Weitergabe eines gut verwalteten Erbes bestehen wollen.“
Regierungspräsident Dr. Günder, 1962


Der Naturpark Spessart wird genau 60 Jahre alt. Das großflächige Schutzgebiet wurde am 29. Februar 1960 ausgewiesen, drei Jahre später wurde ein Trägerverein gegründet. Ihre Aufgabe damals wie heute: Schutz und behutsame Entwicklung dieser einmaligen, von Laubmischwald geprägten Landschaft zwischen Main, Kinzig und Sinn. 

 

Georg Bildstein - Regionalplaner und geistiger Vater des Naturpark Spessart (Foto: privat, Quelle Jürgen Krosta)

 

 

Mit Schwarzbauten fing es an
Die Geschichte des Naturparks begann mit Ferien- und Wochenendhäusern, die in den 1950ern vielerorts im Spessart ohne Baugenehmigung errichtet wurden. Um diese Schwarzbauten zu einzudämmen, erließ die Regierung von Unterfranken 1956 eine Verordnung zum Schutz der Landschaft. Drei Jahre später wurden weite Teile des Spessarts als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Am 29.02.1960 erhielt die Region den Status eines Naturparks – als erste in Bayern und eine der ersten in Deutschland. 

 

In den 1970ern werden zahlreiche Freizeitanlagen im Naturpark errichtet, u.a. die „Erholungsstätte Bischborner Hof“, das Foto zeigt Vereinsvertreter und Politiker bei der Eröffnung (Naturpark-Archiv, Fotograf unbekannt)


Für den neuen Naturpark wurde im Jahr 1961 von der Landes- und Bezirksregierung unter Federführung des Bezirksplaners Konrad Bildstein ein Gesamtentwicklungsplan aufgestellt. Dieser zeigte Möglichkeiten für Pflege und Erhalt der Spessartlandschaft auf - die Freizeit- und Erholungsnutzung nahm dabei eine wichtige Rolle ein. Die Umsetzung dieses Naturpark-Entwicklungsplans sollte ein neuer Trägerverein – der Naturpark Spessart e.V. – übernehmen. Er wurde Ende 1963 von den damals 7 Landkreisen, den zugehörigen Kommunen und dem Spessartbund in Aschaffenburg gegründet. Von Anfang an trägt der Naturpark den Specht als typischen Bewohner der Spessartwälder in seinem Vereinslogo.

 

Anfang der 1970er fehlten Konzepte zur Müllentsorgung, viele Bürger deponierten ihren Abfall in Wald und Flur. Im Sommer 1971 initiierte der Naturpark daher die Aktion „Sauberer Landkreis“. Kommunen und Landkreise wurden aufgefordert, eine wöchentliche Müllabfuhr und offizielle Müllabladeplätze einzurichten (Naturpark-Archiv, Fotograf unbekannt)

 


Naturpark im Wandel
Land- und Forstwirtschaft, Tourismus, Wirtschaft und Verkehr im Spessart unterlagen in den letzten 60 Jahren einem stetigen Wandel. Entsprechend haben sich auch Aufgabenschwerpunkte des Naturparks und die Strukturen und Arbeitsweisen des Naturpark-Vereins mit der Zeit verändert: In den 1960ern und 1970ern stand die Schaffung und Unterhaltung von Erholungseinrichtungen im Vordergrund. Der Spessart wurde regelrecht mit Wanderwegen, Trimm-Dich-Pfaden, Parkplätzen, Freizeitanlagen, Schutzhütten und Rastbänken „möbliert“. Die große Zahl an Einrichtungen brachte aber auch Probleme mit sich. Vandalismus, Vermüllung und steigende Unterhaltungskosten führten dazu, dass das Angebot an Freizeitanlagen in den 1980ern wieder reduziert wurde.

 

Rustikale Sitzgarnitur: Der Naturpark war Ende der 1970er mit mehr als 2000 Ruhebänken und Sitzgruppen „möbliert“ (Naturpark-Archiv, Fotograf unbekannt)

 

Gleichzeitig rückte der Naturschutz stärker in den Fokus. Neue Naturschutzgebiete sollten sensible Biotope vor den Besuchermassen schützen, z.B. im Sinntal und im Hafenlohrtal. In den Landkreisen entstanden zudem die ersten Landschaftspflegeverbände. Auch die Umweltbildung gewann in den 1980ern und 1990ern an Bedeutung. Neue Lehrpfade, interaktive Erlebnispfade sowie Besucherzentren vermitteln Natur- und Umweltthemen. Ab 1998 bringen zertifizierte Natur- und Landschaftsführer Besuchern und Einheimischen die Vielfalt und Schönheit des Spessarts näher. Seit einigen Jahren beschäftigt sich der Naturpark zudem verstärkt mit Fragen einer nachhaltigen Regionalentwicklung, z.B. im Rahmen der Weidefleischvermarktung von Grünland Spessart. Der länderübergreifenden Zusammenarbeit kommt hierbei eine immer wichtigere Rolle zu.

 

60 Jahre nach Gründung des Naturpark Spessart sind die mit der Betreuung des Schutzgebiets verbundenen Aufgaben vielfältig wie nie. Und auch die zukünftigen Jahre werden sicherlich neue Aufgaben und Herausforderungen wie z.B. die Auswirkungen des Klimawandels mit sich bringen!

 

Kinder spielen auf einem neu errichteten Holzpferd mit Wagen an der „Erholungsstätte Bischborner Hof“ (Naturpark-Archiv, Fotograf unbekannt)

 

 

Die Geschichte des Naturparks im Überblick

29.02.1960
nach fünfjährigem Verfahren wird der Spessart der erste Naturpark in Bayern.
01.03.1961

Aufstellung eines Gesamtentwicklungsplans für den neuen Naturpark unter Federführung von Konrad Bildstein.
31.10.1963

Gründungsversammlung des Vereins „Naturpark Spessart“, erster Vorsitzender wird Dr. Heinrich Degen, Landrat von Alzenau. Die ehrenamtliche Geschäftsführung übernimmt Georg Keimel.
1963

lautet die Devise „Steig aus und wandere“ – der Spessart bietet dazu 125 Parkplätze und ca. 2000 km Wanderwege.
1970er

Der Tourismus boomt: Pensionen und Hotels bauen ihre Kapazitäten aus. Wandern ist „in“ und die „Trimm-Dich“-Welle beginnt. Gleichzeitig erreicht der Rückzug der Landwirtschaft einen Höhepunkt.
1971

initiiert der Naturpark die Aktion „Sauberer Landkreis“. Kommunen und Landkreise werden aufgefordert, eine wöchentliche Müllabfuhr und offizielle Müllabladeplätze einzurichten.
Christoph Frucht wird 1971

im Auftrag der Staatsforstverwaltung erster forstlicher Naturparkberater Bayerns. Er übernimmt 1981 die ehrenamtliche Geschäftsführung des Naturparkvereins.
1976

Der geplante Trinkwasserspeicher im Hafenlohrtal erhitzt die Gemüter. Erst nach jahrzehntelangem Widerstand wird das Bauvorhaben aus dem Regionalplan gestrichen.
1979

bietet der Naturpark 5.600 km Wanderwege, 2.000 Sitzgruppen mit Papierkörben, 50 Grillplätze, 120 Schutzhütten, 23 Lehrpfade, 3 Ski-Lifte, 13 Wassertretanlagen, 30 Trimm-Dich-Pfade und 342 Parkplätze!
1980er

Es werden neue Naturschutzgebiete ausgewiesen, um sensible Biotope zu schützen, z.B. das Untere Schondratal.
1987

werden Biber von der Elbe im hessischen Spessart ausgesetzt. Heute umfasst der Bestand ca. 250 Tiere.
1995

eröffnet der Naturpark sein erstes Info-Zentrum im Gewölbekeller der Kellereischeune in Lohr.
1996

Der Naturparkverein erhöht erstmals die jährliche Mitgliedsumlage für seine Landkreise und Kommunen von 3 auf 6 Pfennigen pro Einwohner.
1998

Herausgabe des ersten Jahresprogramms mit den neuen Naturparkführern.
2001

der Naturparkverein stellt erstmalig hauptamtliches Personal ein – der Diplomingenieur Marko Drüg wird stellvertretender Geschäftsführer.
2005

Eröffnung der Geschäftsstelle in Gemünden, Beginn der 6-jährigen Überarbeitung des Wanderwegesystems gemeinsam mit dem Spessartbund. Zudem Start des „Biotopverbundprojekts Spessart“ in Kooperation mit dem hessischen Naturpark Spessart.
2006

Die Grundschule Partenstein wird die erste offizielle Naturparkschule in Deutschland.
2006

Eröffnung des neuen Besucherzentrums in Gemünden, erstes gemeinsames Jahresprogramm mit dem Naturpark Hessischer Spessart.
2007

Start des Grünlandprojekts und der „Auenrenaturierung Hafenlohrtal“. Der Spessart wird als erstmals als „Qualitätsnaturpark“ ausgezeichnet.
2009

Die ersten fünf Wasserbüffel grasen im Hafenlohrtal.
2011

Einrichtung der Gebietsbetreuung für Grünland im Spessart mit 2 Teilzeitstellen (Förderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds).
2011

Gründung der Vermarktungsinitiative „Grünland Spessart“ für regionales Weidefleisch.
2012

Eröffnung des Wassererlebnishauses in Rieneck
2014

Der Naturpark Spessart initiiert die Lokale Aktionsgruppe „Spessart“ und bewirbt sich für das EU-Förderprogramm LEADER.
2016

Die Ankündigung der Staatsregierung, einen dritten Nationalpark ausweisen zu wollen, führt im Spessart zu heftigen Diskussionen und Protesten.
2018

Andreas Schätzlein wird erster hauptamtlicher Ranger im Spessart. Ihm folgen im Frühjahr 2019 Berit Arendt, Victoria Schuler und Andreas Gries.

 

Hilfsbereiter Spessart-Räuber: Mit Spessart-Räuber und Radfahrern wirbt der Landkreis Main-Spessart Anfang der 90er in Tourismusbroschüren (Foto: Weber, Landratsamt Main-Spessart)

 

 

Der langjährige Geschäftsführer des Naturparkvereins Christoph Frucht erinnert sich

„1972 haben wir in der Gemeinde Hain eine Freizeitanlage errichtet und den ehemaligen Triftweiher in Stand gesetzt. Vor Befüllung des Weihers stellten wir darin ein großes Schild auf, das Angeln, Baden und das Betreten der Ufer verbot. Im Februar 1973 kündigte Staatsminister Eisenmann seinen Besuch an. Wir befürchteten, dass das Verbotsschild einen schlechten Eindruck beim Minister hinterlassen würde und wollten es entfernen. Das Schild stand aber inzwischen mitten im Wasser, da kam keiner hin und es war zu kalt, um hin zu schwimmen. Kurzerhand habe ich mit meinem Gewehr das Schild weggeschossen. Der Staatsminister kam dann aber doch erst im Sommer, um die Anlage einzuweihen!“

 

Hintergrund-Info

Wer wird Naturpark? Der Naturpark Spessart ist einer von derzeit 104 Naturparken in Deutschland und 19 in Bayern. Im Bayerischen Naturschutzgesetz ist genau festgelegt, wann eine Landschaft zum Naturpark erklärt werden kann. Möglich ist dies bei großräumigen Gebieten mit mindestens 20.000 Hektar Fläche, die eine charakteristische naturräumliche Ausprägung aufweisen und zu mindestens 50% aus Landschaftsschutzgebieten oder Naturschutzgebieten bestehen. Ihre Natur- und Kulturlandschaft eignet sich besonders für umweltverträgliche Erholung. Gleichzeitig wird in diesen Gebieten eine dauerhaft umweltgerechte Landnutzung und eine behutsame Regionalentwicklung angestrebt. Getragen werden die Naturparke in Bayern meist von Vereinen, in denen sich die Städte, Gemeinden, Landkreise und weitere Akteure aus der Region engagieren.

 

Naturparke präsentieren sich im Bayerischen Landtag

 Naturpark Spessart Vorreiter im Wiesen-Naturschutz

 

München, 6. Februar 2020
Vor knapp anderthalb Jahren beschloss die Staatsregierung, die 19 bayerischen Naturparke im Rahmen der „Naturoffensive Bayern“ zu stärken – u.a. durch eine verbesserte Grundausstattung und die Förderung von hauptamtlichen Naturpark-Rangern. Dass sich diese Investitionen lohnen, zeigten die bayerischen Naturparke, darunter auch der Naturpark Spessart, am vergangenen Donnerstag bei einer ganztägigen Präsentation im Münchner Landtag.  

 

Landtagspräsidentin Ilse Aigner mit Naturparkvertretern
(Foto: Julian Bruhn)

 

 

Austausch mit Abgeordneten
Landtagspräsidentin Ilse Aigner begrüßte im Maximilianeum rund 50 Vertreter aus den 19 Naturparken, darunter Geschäftsführer, Gebietsbetreuer und zahlreiche Naturpark-Ranger. Diese stellten das breite Aufgabenspektrum der Naturparke sowie ausgewählte Naturschutzprojekte und Produkte aus den Regionen vor. Die Naturparkvertreter nutzten zudem die Gelegenheit zu teils ausführlichen Gesprächen mit Umweltminister Thorsten Glauber, zahlreichen Landtagsabgeordneten und weiteren Vertretern der Ministerien. Große Aufmerksamkeit erhielten dabei zwei Projekte des Naturpark Spessart aus dem Bereich Wiesen-Naturschutz:  

 

Ranger Andreas Gries, Umweltminister Thorsten Glauber, stellv. Geschäftsführer Julian Bruhn und Gebietsbetreuer Christian Salomon mit dem Samenerntegerät „eBeetle“
(v.l.n.r, Foto: Leonhard Anwander)


Büffelwurst aus dem Hafenlohrtal
„Naturschutz geht durch den Magen“ - gemäß diesem Motto hatten der stellvertretende Naturpark-Geschäftsführer Julian Bruhn, Gebietsbetreuer Christian Salomon und Naturpark-Ranger Andreas Gries Bio-Büffel-Pfefferbeißer aus dem Hafenlohrtal zum Verkosten mitgebracht. Anhand der leckeren Würste erfuhren die Abgeordneten anschaulich, wie Naturschutzziele und der Erhalt einer attraktiven Kulturlandschaft mit einer bäuerlichen Bewirtschaftung und regionalen Wertschöpfung in Einklang gebracht werden können. Die Beweidung eines sehr feuchten Talabschnitts mit Wasserbüffeln wurde vor rund 10 Jahren als Pilotprojekt durch den Naturpark Spessart e.V. initiiert. Mittlerweile wurde das Weideprojekt wegen der Naturschutzerfolge mehrfach ausgezeichnet und die Büffelprodukte werden unter der Regionalmarke „Grünland Spessart – da ist draußen drin“ vermarktet. Ein Erfolg, auf den auch MdL Thorsten Schwab stolz ist: „Das ist in meiner Gemeinde“, betonte der Abgeordnete gegenüber seinen Landtagskollegen.

 

Ranger Andreas Gries mit MdL Martina Fehler im Gespräch
(Foto; Julian Bruhn)

 


Saatgut von artenreichen Spessartwiesen
Ebenfalls aus dem Spessart nach München mitgebracht hatte das Naturparkteam den neuen „eBeetle“. Mit dieser Spezialmaschine werden reife Pflanzensamen auf besonders wertvollen Spessartwiesen geerntet, um damit an anderer Stelle wieder neue Wiesen anzulegen oder vorhandene Grünlandflächen aufzuwerten. Die Vorteile gegenüber gekauftem Saatgut sind gravierend: die typischen Artenkombinationen bleiben ebenso erhalten wie die genetischen Anpassungen der Pflanzen an die Region. Es werden nur natürliche Wildformen von Pflanzen verbreitet, an die sich die heimischen Insekten gut angepasst haben. Zudem können dabei seltene und geschützte Arten gefördert werden, die in gekauften Saatgut-Mischungen fehlen. Der Naturpark hat 2019 bereits diverse Wiesen beerntet und das Saatgut wieder ausgebracht. An mehreren Stellen wurden mit teilweise großem Aufwand Wiesen wiederherstellt, wo diese durch Nutzungsaufgabe oder Nutzungsänderungen verschwunden waren. „So einen eBeetle habe ich selbst schon gefahren. Eine tolle Sache!“ lobte Umweltminister Thorsten Glauber das Engagement des Naturparks Spessart.

Experten diskutieren Öffentlichkeitsarbeit zu Natura 2000

 

Workshop-Gruppenbild
Teilnehmer (vlnr.): Christian Salomon, Andreas Gries, Kathrin Risthaus, Hartwig Brönner, Judith Henkel, Axel Reichert, Ulrich Müller, Miriam Koblofsky, Dr. Steffen Scharrer, Franz Saur, Dr. Oliver Kaiser, Bernhard Rückert, Dana Roberts, Jörg Steinhoff
(Foto: Svenja Fischer)

 

Wissen Sie, was sich hinter dem Begriff „Natura 2000“ verbirgt? Wenn nicht, geht es Ihnen wie den meisten Deutschen. Umfragen zeigen, dass nur etwa 10% der Bevölkerung schon einmal von Natura 2000 gehört haben. Nur ca. 5% der Befragten wissen, dass der Name für ein europaweites Netzwerk von Schutzgebieten steht. Schon vor Jahren haben die EU-Mitgliedsstaaten sogenannte Fauna-Flora-Habitat-Gebiete und europäische Vogelschutzgebiete ausgewiesen, um die Natur- und Artenvielfalt in Europa zu erhalten. Diese Gebiete werden unter dem Begriff Natura 2000 zusammengefasst. In Bayern machen sie etwa elf Prozent der Landesfläche aus, im Naturpark Spessart sogar 21%.


Trotz der großen Bedeutung für den Naturschutz sind diese europaweit verankerten Schutzgebiete in der Öffentlichkeit nahezu unbekannt. Bei einem Workshop am vergangenen Donnerstag in Heigenbrücken diskutierten 15 Experten, wie man die Öffentlichkeitsarbeit zu „Natura 2000“ und den dazugehörigen Schutzgebieten im Spessart verbessern könnte.

 

Karte: Natura 2000 im Naturpark Spessart (grün hinterlegt)
Dargestellt sind in Rot die FFH-Gebiete zum Schutz seltener Lebensräume und Arten und in Blau die Vogelschutzgebiete im Naturpark Spessart
(Daten: Bayerisches Landesamt für Umwelt, Geobasisdaten: © Bayerische Vermessungsverwaltung 2020)

 


Die Vertreter von Naturschutzbehörden und -verbänden, Naturpark sowie Land- und Forstwirtschaft waren sich einig, dass Natura 2000 in der bisherigen Naturschutzarbeit in der Region nicht optimal kommuniziert wird. Die meisten Einheimischen und Besucher im Spessart wissen nicht, wo die Schutzgebiete liegen, welchem Zweck sie dienen und welche Verantwortung zum Erhalt der Biodiversität damit verbunden ist. Auch die Potenziale von Natura 2000 hinsichtlich Erholungsnutzung, Bildung, Tourismus und Erhalt unserer Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen werden zu wenig wahrgenommen. Entsprechend gering ist die gesellschaftliche Wertschätzung für diese einzigartigen Naturschätze und für die Akteure, die sie im Rahmen einer angepassten Bewirtschaftung erhalten und pflegen.


Die Workshop-Teilnehmer wollen daher Natura 2000 noch stärker in ihre Öffentlichkeitsarbeit integrieren und bereits laufende Aktivitäten ausbauen. Es wurde vorgeschlagen, Broschüren mit Informationen zu allen Natura 2000 Gebieten im Spessart herauszugeben, die z.B. auch Wandertouren und Freizeittipps beinhalten. Diese Informationen sollen auch für die Presse und das Internet aufbereitet und u.a. auf den Webseiten von Naturpark, Tourismusverbänden, Landkreisen oder Kommunen angeboten werden. Mittelfristig sollen die Schutzgebiete zudem durch neue Ausschilderungen, Informationsstationen und digitale Angebote besser sicht- und erlebbar werden.

 

Blick in den Workshop
(Foto: Svenja Fischer)

 


Weiterhin vereinbarten die Experten, dass Multiplikatoren wie Natur- und Gästeführer oder Ehrenamtliche aus Naturschutzverbänden zu Natura 2000 geschult werden. Diese können das Thema dann gemeinsam mit Naturpark-Rangern, Gebietsbetreuern sowie Wald- und Naturpädagogen zielgruppengerecht in Kindergärten, Schulen und in die breite Öffentlichkeit tragen.


Jörg Steinhoff, Leiter der Höheren Naturschutzbehörde begrüßte die Ergebnisse des Workshops und signalisierte, dass die Regierung von Unterfranken geeignete Maßnahmen unterstützen wird. Herr Steinhoff verwies zudem auf bayernweite Kampagnen, die aktuell im Rahmen des Projekts „LIFE living Natura 2000“ laufen (https://www.ganz-meine-natur.bayern.de/). An diese können die Akteure im Spessart anknüpfen.

Hintergrund des Workshops:
Der Workshop ist Teil eines Forschungs- und Entwicklungsvorhabens, das vom Verband Deutscher Naturparke e.V. mit Mitteln des Bundesamts für Naturschutz (BfN) und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) durchgeführt wird. In dem Projekt wird bundesweit erstmalig ermittelt, welche Bedeutung und Verantwortung die deutschen Naturparke bei der Umsetzung und Zielerreichung des europäischen Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000 sowie für den Erhalt der Schutzgüter von Flora-Fauna-Habitat- (FFH) und Vogelschutz-Richtlinie (VS-RL) bereits heute besitzen und künftig haben können. Der Naturpark Spessart wurde als einer der 15 Modell-Naturparke ausgewählt, in denen Aktivitäten zur Umsetzung von Natura 2000 analysiert und erarbeitet werden sollen.

 

Grundschule Faulbach will Naturpark-Schule werden – Kooperationsvereinbarung unterzeichnet

Die Grundschule in Faulbach soll 2020 als sogenannte Naturpark-Schule zertifiziert werden. Schulrektor Axel Keppler, Faulbachs Bürgermeister Wolfgang Hörnig und der erste Vorsitzende des Naturpark Spessart e.V. Thomas Schiebel unterzeichneten dazu am Dienstag, den 3.12.2019 eine Kooperationsvereinbarung. Die Schule wird damit die zweite offizielle Naturpark-Schule im Spessart.

 

Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung
(von links: Schulrektor Axel Keppler, Bürgermeister Wolfgang Hörnig und Naturpark-Vorsitzender Landrat Thomas Schiebel) (Foto: Daniela Löber)

 

Die erste Naturpark-Schule im Spessart und die erste in Deutschland war die Grundschule in Partenstein (Landkreis Main-Spessart). Hier bringen seit mehr als 10 Jahren Mitarbeiter der Naturparkverwaltung, ehrenamtliche Naturparkführer sowie weitere Kooperationspartner Schülern und Lehrern die Natur- und Kulturlandschaft näher. Außerschulische Lern- und Erfahrungsorte sind dabei sehr wichtig: Im Rahmen von Exkursionen, Projekttagen und Unterrichtseinheiten lernen die Kinder Lebensräume wie Wiese, Hecke, Wald und Gewässer kennen.


Auch an der Grundschule Faulbach wird eine solch enge Kooperation und Zertifizierung als Naturpark-Schule angestrebt. Ein erster Probelauf fand bereits in diesem Sommer statt. Die Naturpark-Ranger hatten dazu Exkursionen für die Schüler gestaltet und durchgeführt, u.a. wurden Streuobstwiesen, Hecken und ein Bach untersucht. Auch externe Fachleute wurden bereits eingebunden – Mitarbeiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten waren mit der dritten Klasse im Faulbacher Wald unterwegs. Diese Exkursionen sollen zukünftig jedes Schuljahr stattfinden, die Themen werden im Unterricht vor- und nachbereitet. Ab 2020 sollen zudem weitere Partner eingebunden werden, z.B. der örtliche Imkerverein, Gebietsbetreuer für Grünland, Landwirte und der Landschaftspflegeverband. Die Grundschüler lernen so im Laufe ihrer vier Schuljahre die wichtigsten Lebensräume des Spessarts und verschiedene Akteure in dieser Kulturlandschaft genauer kennen.


Exkursion zum Thema Hecke mit der ersten Schulklasse der Grundschule Faulbach am 12. Juli 2019 mit den Naturpark-Rangern Andreas Gries und Andreas Schätzlein (Foto: Grundschule Faulbach)

 

Der Naturpark-Vorsitzende Thomas Schiebel freut sich sehr über die Kooperation mit der Faulbacher Grundschule und hofft, dass noch weitere Schulen im Spessart dem Beispiel folgen werden. Mit den neuen Naturpark-Rangern verfügt der Naturparkverein inzwischen auch über die zur Betreuung der Schulen notwenigen Personalkapazitäten.


Die beiden Faulbacher Vertreter Wolfgang Hörnig und Axel Keppler sind „glücklich und froh über die Kooperation mit dem Naturpark, da wir hier vor Ort im Südspessart fast paradiesische Zustände haben um mit den Kindern raus zu gehen und in, durch, mit und von der Natur zu lernen.“


 

Mitglieder des Naturparkauschusses mit Projektpartnern nach der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung am 3.12.19 in Faulbach.
Landrat Schiebel überreichte Schulrektor Axel Keppler und Bürgermeister Wolfgang Hörnig eine Spessartkarte für die Schule. (Foto: Julian Bruhn)

 

 

Was ist eine Naturpark-Schule?


Die Idee, die Zusammenarbeit zwischen einem Naturpark und einer Schule noch intensiver und langfristiger zu gestalten und diese Schulen als „Naturpark-Schule“ auszuzeichnen, wurde vor einigen Jahren in Österreich entwickelt. Dabei wird der Schulträger, z.B. die Gemeinde, von vornherein als dritter Partner mit einbezogen. Grundgedanke ist es, Kindern und Jugendlichen auf bildungsplanorientierter Basis Themen aus den Bereichen Natur und Kultur mit außerschulischen Partnern zu vermitteln. Diese Themen werden verbindlich und dauerhaft mit hohem Praxisbezug im Lehrplan verankert.


In Naturpark-Schulen werden Naturpark-Themen wie Natur und Landschaft, regionale Kultur und Handwerk, Land- und Forstwirtschaft regelmäßig im Unterricht, in Exkursionen oder an Projekttagen behandelt. Die Schülerinnen und Schüler lernen auf diese Art ihre Region kennen und werden für sie begeistert.


Die Idee der Naturpark-Schulen hat 2012 der Verband der Deutschen Naturparke VDN aufgegriffen und ein offizielles Zertifizierungsverfahren ausgearbeitet. Kriterien sind u.a. die Lage der Schule in einem Naturpark, die Verankerung der relevanten Themen im Unterricht und im Schulleben sowie die Einbindung von weiteren Partnern wie Natur- und Landschaftsführern, Landwirten, Förstern oder Handwerkern.


Inzwischen sind über 100 Naturpark-Schulen in ganz Deutschland nach diesen Kriterien vom VDN zertifiziert worden. Die Auszeichnung „Naturpark-Schule“ wird für einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren verliehen.


Weitere Infos zu den Naturpark-Schulen gibt es unter
www.naturparke.de

 

 

Kreuzwertheimer Streuobstgebiet - Hotspot seltener Arten

Untersuchungen belegen außergewöhnliche Wertigkeit
Naturpark pflanzt Bäume

 

„Ehrlichsgärten“ lautet die Bezeichnung für das 45 Hektar große Streuobstgebiet direkt nördlich des Kreuzwertheimer Altortes. Einst haben Kreuzwertheimer Bürger und der BUND Naturschutz hier erfolgreich gegen eine Überbauung gekämpft. Heute zählt das Gebiet zum europäischen Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Maintalhänge zwischen Bürgstadt und Wertheim“ und der Wert dieser Streuobstwiesen wird zunehmend erkannt. Die Marktgemeinde, viele betroffene Eigentümer und Flächennutzer beteiligen sich bereits aktiv an Maßnahmen zum Erhalt dieses „Paradieses vor der Haustüre“. Ein echtes Vorzeigebeispiel angesichts der aktuellen Fragestellungen um den Rückgang der Biodiversität.

 

Gartenrotschwanz (Foto: H. Brönner)

 

Aktuelle Kartierungen

Zu dieser Wertschätzung tragen auch aktuelle Untersuchungen des Naturpark Spessart e.V. bei, mit denen der Vogelkundler Hartwig Brönner und der Käferspezialisten Dr. Jürgen Schmidl beauftragt wurden. Mehr als 50 seltene und gefährdetet Vogel- und Käferarten haben die beiden Experten im Gebiet nachgewiesen. Alle sind eng an den Lebensraum Streuobstwiese gebunden. „Wertvoller geht es nicht“, fasst Christian Salomon, Biodiversitätsbeauftragter an der Regierung von Unterfranken die Ergebnisse zusammen. „Magere Wiesen, alte Bäume, großer Strukturreichtum und sanfte Nutzung“, benennt er das Rezept für diese Vielfalt.

 

106 Holzbewohnende Käferarten
Alleine 106 holzbewohnende Käferarten wurden mit Hilfe verschiedener Fallen aktuell nachgewiesen. Diese Artengruppe gilt als besonders guter Indikator für die gesamten Lebensgemeinschaften, denn sie reagiert sehr sensibel auf negative Veränderungen. So sind auch 43 der gefundenen Käferarten in Bayern als „gefährdet“ bis „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Der bekannteste unter den aktuellen Käferfunden ist sicher der Hirschkäfer. Am spektakulärsten sind jedoch die Nachweise von gleich drei Urwaldreliktarten – extrem seltene Arten, die so anspruchsvoll sind, dass sie in bewirtschafteten Wälder fast oder ganz ausgestorben sind.

 

Hirschkäfer (Foto: Christian Salomon)

 

5 Spechtarten
Auch für die Vogelwelt sind die Ehrlichsgärten von herausragender Bedeutung. In der aktuellen Brutsaison wurden hier 57 Arten erfasst. 26 Arten brüteten direkt im Gebiet. Bemerkenswert sind hier insbesondere Klappergrasmücke, Gartenrotschwanz, Trauerschnäpper und Wendehals – eine von 5 Spechtarten im Gebiet. Weitere 31 Vogelarten suchten das insektenreiche Streuobstgebiet zur Nahrungssuche auf.

 

Fast 100 Apfelsorten

Die Regierung von Unterfranken hat parallel zu den Naturpark-Gutachten den Streuobstbestand an sich untersuchen lassen. Steffen Kahl von der Schlaraffenburger Streuobstagentur hat sich in den letzten beiden Jahren mit den gut 2700 Obstbäumen befasst. 93 Apfelsorten und 16 Birnensorten konnte er im Gebiet bereits bestimmen, darunter einige seltene Lokalsorten.
Doch seine Untersuchungen machen auch greifbar, was auch die Gutachter Brönner und Schmidl befürchten. Ohne gezielte Maßnahmen könnte der wertvolle Obstbaumbestand in wenigen Jahrzehnten verschwunden sein – und mit ihm die große Tiervielfalt. Denn der Bestand ist stark überaltert. Nachpflanzungen sind selten und der weitgehend schlechte Pflegezustand der Bäume vermindert deren Lebensdauer erheblich. Nur etwa 10 % der Bäume werden derzeit als vital eingestuft.

 

Streuobstbestimmung durch Steffen Kahl
(Foto: Christian Salomon)

 

Pflegeschnitte und Nachpflanzung

„Wir haben jetzt eine hervorragende Datengrundlage und klaren Handlungsbedarf“, sagt Christian Salomon, der die aktuellen Naturschutz-Maßnahmen im Gebiet koordiniert. Außerdem gäbe es in Kreuzwertheim eine außergewöhnlich starke Allianz an Naturschutzpartnern und ein großes Interesse der Bevölkerung. Die Regierung von Unterfranken und der Naturpark Spessart fördern deshalb gerne die erforderlichen Bausteine:
Ein von der Regierung letzten Samstag angebotener Obstbaum-Schnittkurs wurde von über 30 hoch motivierten Privatleuten besucht. Krischan Cords, Geschäftsführer der MainStreuobstBienen eG erläuterte mit praktischen Übungen die wichtigsten Grundlagen der Erziehungsschnitte und der Altbaumsanierung.
Julian Bruhn vom Naturpark Spessart bereitet derweil einen weiteren Förderprojekt vor. Diesmal zur Nachpflanzung von 100 Obstbäumen und für Baumschutzgitter auf den Weideflächen. Rund 20 Privateigentümer möchten die geplante Maßnahme auf ihren Grundstücken unterstützen und sollen hochwertige Obstbäume alter Robustsorten zum „Sondersparpreis“ erhalten. Der Baumbestand soll so langfrsitig gesichert werden.

 

Obstbaumschnittkurs mit Krischan Cords
(Foto: Christian Salomon)

 

Weitere Infos bei:
Christian Salomon
Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart
Telefon +49 (0) 9352 606-4200
Mobil   +49 (0) 178 627 3351
christian.salomon@naturpark-spessart.de

 

Vorzeigeprojekt: Naturpark Spessart legt erste Wiesen an

Seit diesem Sommer verfügt der Naturpark Spessart über eine Samenernte-Maschine „eBeetle“ (siehe anschließenden Bericht) und hat damit bereits einige der wertvollsten Wiesen in allen drei Spessart-Landkreisen beerntet. Ziel der Maßnahmen ist es, solche Blumenwiesen wieder zu vermehren und damit die Biodiversität im Spessart zu fördern. „Nur solches Saatgut kann den eigenen Charakter der Spessartwiesen wirklich abbilden – sowohl von der Artenkombination wie von der Genetik“, erläutert Naturpark-Gebietsbetreuer Christian Salomon, der das Projekt koordiniert. Außerdem könne man so gezielt die Arten verbreiten, die im Spessart heimisch, aber stark gefährdet sind.

 

Saatgut von der Weikertswiese für die Weikertswiese

 

Neuanlage statt Wiesenumbruch
Dieses „Natur-Saatgut“ wurde im vergangenen Sommer geerntet, getrocknet und eingelagert. Nun wurden die ersten Wiesen damit angesät. Die Flächen mussten hierfür teilweise mit großem Aufwand mähbar gemacht werden. Schließlich wurden hierfür bewusst keine vorhandenen Wiesen umgebrochen, sondern neue Mähwiesen angelegt, beziehungsweise wiederhergestellt. Ein Projekt, das viele Partner braucht und findet. Neben dem Naturpark sind daran Naturschutzbehörden, Gemeinden, Flächeneigentümer, Landschaftspflegefirmen und Landwirte beteiligt. Gefördert wird es vom Bayerischen Naturschutzfonds und dem WWF Deutschland.

 

Christian Salomon und Bewirtschafter Dominik Herteux bei der Ansaat

 

Auch Staatsforsten unterstützen
Im Naturschutzgebiet Weihersgrund und auf der angrenzenden Lorenzwiese wurden verbuschte Flächen und ehemalige Fichtenrodungen, die bisher durch starke Mulchgeräte offengehalten wurden, in Mähwiesen umgestaltet. Vor Jahrzehnten waren diese Flächen schon einmal Wiese gewesen. Revierleiter Frank Dauven stellte die Grundstücke des Staatsforstes gerne zur Verfügung und unterstützt das Projekt maßgeblich. „Der Sinn und die naturschutzfachliche Qualität dieser Maßnahmen sind offensichtlich. Davon profitieren die Landschaft, die Insekten und das Wild“, so der Förster. Die Gemeinde Bischbrunn stellte Oberboden zum Auffüllen von Geländesenken zur Verfügung. Das Saatgut für die neuen Wiesen stammt unter anderen von der Bischbrunner Gemeindewiese, die wegen ihres Artenreichtums und des Vorkommens der seltenen Kugeligen Teufelskralle 2019 zur „Naturparkwiese des Jahres“ gekührt wurde. Landwirt Andreas Bauer aus Remlingen wird die Wiesen künftig zur Heugewinnung im Rahmen des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms nutzen.

 

Angesäte Wiesenflächen im NSG Weihersgrund

 

Aus Liebe zur Heimat und zur Natur
Auch auf der Rechtenbacher Weikertswiese wurden aktuell zwei Flächen angesät. Es handelt sich hier um Grundstücke, auf denen der Wildwuchs von Pappel und Sträuchern gerodet wurde, sowie um Grundstücke, von denen im Vorjahr nicht mehr genutzte Stallungen und diverse Ablagerungen entfernt wurden. Letztere wird der Rechtenbacher Landwirt und Gartentechniker Dominic Herteux künftig mähen. Das Saatgut stammt hier von besonders artenreichen Teilflächen der Weikertswiese selbst. Die Vorbereitung der Ansaatfläche hat Herteux weitgehend selbst durchgeführt - „aus Liebe zur Heimat und zur Natur“, wie er sagt. Gemeinsam mit Gebietsbetreuer Salomon und Naturpark-Ranger Andreas Gries wartet er nun gespannt auf die Entwicklung der Wiese. Dabei brauchen sie etwas Geduld, denn ähnlich wie die Herstellung der Wiese braucht auch ihre Entwicklung etwas Zeit. „Wir verzichten auf die Beimischung sogenannter Akzeptanzblüher. Das sind Arten, die in gekauften Wiesenmischungen für ein buntes Blütenbild schon im ersten Jahr sorgen, die aber in unseren Wiesen eigentlich nichts verloren haben wie Klatschmohn, Kornblume oder Kornrade. Stattdessen hoffen wir in wenigen Jahren hier eine typische Weikertswiesen-Wiese zu sehen, vielleicht sogar mit Heidewicke, Knabenkräutern & Co“, so Salomon.

 

Weitere Infos gibt es beim Gebietsbetreuer Christian Salomon
christian.salomon@naturpark-spessart.de

 

Bilder: Svenja Fischer und Christian Salomon

 

Ein „eBeetle“ soll die besten Spessartwiesen vermehren

Naturpark-Ranger Andreas Gries beim Mähen mit dem eBeetle

 

Seit gut einem Monat besitzt der Naturpark Spessart e.V. einen Samenernter „eBeetle“. Die Anschaffung erfolgte im Rahmen eines mehrjährigen Naturschutz-Projekts mit Förderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds und den WWF Deutschland. Nun werden damit besonders wertvolle Spessartwiesen, das heißt: Wiesen mit hohem Arten-/Blütenreichtum oder seltenen Pflanzenvorkommen beerntet. Ziel ist es, mit diesen Samen neue wertvolle Wiesen anzulegen, verarmte  Wiesen aufzuwerten und seltene Pflanzen zu fördern. Botanische Begleituntersuchungen dokumentieren den Erfolg der Maßnahmen.
Der rund 25.000 € teure eBeetle ist ein schweizer Elektrofahrzeug, das die reifen Samen aus den Wiesen bürstet, ohne dabei den Aufwuchs zu mähen. Für Landwirte ist somit eine Heu- oder Weidenutzung nach der Samenernte möglich.

 

100 % heimische Wildpflanzen
„Wir ernten damit autochthones Saatgut“, erläutert Christian Salomon (Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart). Es besteht zu 100 % aus heimischen Wildpflanzen, die genetisch an die regionalen bis lokalen Bedingen angepasst sind. Viele Wildinsekten brauchen genau solche Wildpflanzen, etwa als Raupenfutter oder Nektarquellen. Bunte Blühflächen mit großblütigen Kulturformen oder nicht-heimischen Arten, wie sie derzeit vielerorts an Verkehrswegen angelegt werden und für das menschliche Auge toll aussehen, nützen zwar Ubiquisten wie der Honigbiene, sind aber für hochspezialisierte Schmetterlinge, Wildbienen & Co ungeeignet. Im schlimmsten Fall fürchten Fachleute sogar eine negative Veränderung der heimischen Flora durch die Einbringung neuer Pflanzenarten oder –züchtungen. Die individuellen Eigenschaften der Spessartwiesen könnten so verloren gehen.

 

Judith Henkel (Gebietsbetreuerin für Grünland)
ist zufrieden mit dem Ertrag

 

Zahlreiche Maßnahmen geplant
In den letzten vier Wochen haben Naturpark-Ranger bereits in allen drei Spessart-Landkreisen wertvolle Wiesen beerntet. Das Saatgut wird zunächst getrocknet und eingelagert. Erste Aussaaten sollen im Herbst stattfinden. Allerdings werden dafür in der Regel keine bestehenden Wiesen umgebrochen. Stattdessen will man auf entbuschten Bracheflächen, Äckern oder „entrümpelten“ Grundstücken wieder Grünland herstellen. Auch zur Nachsaat von Schwarzwild-Schadensflächen kann das Saatgut künftig genutzt werden – anstelle von gebietsfremden Grassamen. Im Einzelfall sollen stark verarmte Wiesen wieder mehr Blütenreichtum erhalten, und schließlich sollen seltene Pflanzenarten wie Kugelige Teufelskralle, Arnika und Heidewicke gezielt vermehrt werden. Der Naturpark habe neben eigenen Initiativen bereits zahlreiche konkrete Anfragen erhalten, sagt der Gebietsbetreuer. Sie kämen von Gemeinden, Landwirten, Privateigentümern und Forstbetrieben bis zum Solarparkbetreiber.

 

Christian Salomon (Gebietsbetreuer für Grünland)
bei der Qualitätskontrolle

 

Blühflächen sind keine Universallösung
Nach Salomons Einschätzung muss man mehr Geduld mitbringen als bei klassischen Blühäckern. „Eine gute Wiese kann man nur über Jahre entwickeln“, so der Vegetationskundler. Beispielsweise bräuchten viele Wildpflanzen Jahre bis zur ersten Blüte und es müsse sich erst ein Gleichgewicht einstellen. Viele Arten, die für Wildinsekten wertvoll sind, bleiben zudem klein und unauffällig.
Entscheidend für die biologische Vielfalt im Spessart sei sowieso die Landnutzung. „Wenig düngen, nicht spritzen, kleinräumig mähen und Weidetiere halten“, das sind laut Salomon die Schlüssel für Artenvielfalt in der Kulturlandschaft. Durch Blühflächen alleine könne man diese Faktoren niemals ersetzen, weshalb ein Überdenken der Landnutzung und Flächenpflege immer der erste Schritt vor Ansaaten sein sollte.

 

Moorschnucken fördern seltene Arten

 

Seit 2011 weiden Moorschnucken und Ziegen auf einer fünf Hektar großen Weide im Kaltenbachgrund bei Mespelbrunn. Die vom Naturpark Spessart eingerichtete und von den örtlichen Tierhaltern Ernst Bilz und Edgar Lamster betreute Beweidung soll in erster Linie das schmale Wiesental am Oberlauf der Elsava offenhalten. Die robusten und genügsamen Landschaftspflege-Schafe aus der Diepholzer Moorniederung präsentieren sich zunehmend auch im Spessart als erfolgreiche Artenschützer. Dies zeigen jüngste Untersuchungen von Christian Salomon und Judith Henkel, Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart:

 

Im beweideten Kaltenbachgrund hat sich das Fuchs´sche Knabenkraut von wenigen Einzelpflanzen zu einem größeren Bestand entwickelt und gleich zwei Arten der Ameisenbläulinge profitieren offensichtlich von der Beweidung. Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist deutlich zahlreicher geworden, und dieses Jahr konnte zum ersten Mal der in Bayern stark gefährdete Thymian-Ameisenbläuling nachgewiesen werden. Beide Schmetterlingsarten besitzen ein hochspezialisiertes Fortpflanzungs­verhalten. Aufgrund von Duftsignalen werden ihre Raupen von bestimmten Ameisenarten adoptiert. In deren Nestern leben die Schmetterlingsraupen dann ein oder zwei Jahre lang räuberisch von der Ameisenbrut, bevor sie sich verpuppen. Während ihrer kurzen Flugzeit als fertig entwickelter Schmetterling legen sie ihre Eier nur auf speziellen Blüten ab – eben auf Blüten des Großen Wiesenknopfs bzw. des Arznei-Thymians. Damit diese Fortpflanzung funktioniert, müssen Landwirte ihre Wiesen oder Weideflächen so managen, dass zur Flugzeit der Schmetterlinge auch ein entsprechendes Blütenangebot vorherrscht. Dies scheint auf der Morrschnuckenweide bei Hessenthal hervorragend zu gelingen.


Wer die Moorschnucken im oberen Elsavathal besuchen möchte, kann von Hessenthal (Wanderparkplatz nahe der Wallfahrtskirche) zur Elsavaquelle wandern (ca. 2 km, Markierungszeichen "roter Querstrich"). Eine Infomationstafel macht unterwegs auf das Beweidungsprojekt aufmerksam. Beim Naturpark Spessart ist zudem ein Faltblatt zum Projekt mit Wandervorschlag erhältlich. Das fettarme Fleisch der Moorschnucken hat einen wildartigen Geschmack und ist saisonal im Gasthaus "Zur Schönen Aussicht" in Hessenthal erhältlich.

 

 

Informationen

Weitere Informationen

Daniela Kaiser/Assistenz
Naturpark Spessart e.V.
Frankfurter Straße 4
97737 Gemünden
am Main
Telefon: 09351 603 947
Naturpark Spessart

 

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