01.11.2026

Naturerlebnis für alle: Naturpark Spessart prüft barrierearme Wanderwege

Zehn Wandertouren wurden auf ihre Eignung für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen untersucht. Neun davon erfüllen die Kriterien für barrierearmes Wandern. Künftig sollen klare Beschreibungen dabei helfen, passende Wege für die eigenen Bedürfnisse zu finden.

Ob mit Rollator, Rollstuhl, Prothese oder Kinderwagen: Wer die Natur erleben möchte, sollte möglichst selbst entscheiden können, welche Wanderstrecke geeignet ist. Der Naturpark Spessart e.V. setzt sich deshalb dafür ein, bestehende Wanderwege besser zugänglich zu machen. Im Rahmen eines LEADER-Projekts der LAG Spessart e.V. mit Sitz in Gemünden hat das Planungsbüro von Martin Fischer kürzlich zehn Touren erfasst und hinsichtlich ihrer Barrierearmut bewertet.

Das Ergebnis stimmt zuversichtlich: Neun der zehn untersuchten Wege entsprechen den Empfehlungen. Dazu gehören der Naturparkrundweg „Blauer Pilz“ am Parkplatz Strecke 46 bei Burgsinn, der Baumlehrpfad bei Kleinostheim und der „Blaue Pilz“ an der Hohen Wart bei Mespelbrunn. Die Tourenbeschreibungen sollen in Kürze auf der Website des Naturparks veröffentlicht werden.

Anja Bruhn mit Kinderwagen und Baby Milena auf dem Naturparkrundweg „Blauer Pilz“ bei Burgsinn (Foto: Julian Bruhn)

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Orientierung statt Sonderwege

Martin Fischer empfiehlt, barrierearme Wanderwege in die drei Schwierigkeitsgrade leicht, mittel und schwer einzuteilen. Denn wie gut eine Strecke genutzt werden kann, hängt von vielen Faktoren ab: etwa von Steigungen, Wegbelag, Hindernissen, Seitenneigung und Rastmöglichkeiten. Eine solche Einordnung ersetzt keine individuelle Einschätzung, bietet aber eine wichtige Orientierung. Entscheidend ist, dass Interessierte genügend Informationen erhalten, um selbst eine passende Tour auszuwählen.

„Es geht nicht darum, eigene Wanderwege für Menschen mit Einschränkungen zu schaffen, sondern möglichst die vorhandenen Routen für alle nutzbar zu machen“, erklärt Fischer. Er lobt die Vorarbeit der Naturpark-Ranger, die die Erfassung deutlich erleichtert habe. Es hat dem freiberuflichen Wegeerfasser sichtliche Freude bereitet, mit seinem Handbike durch den herbstlichen Spessartwald zu rollen. Eine Fortbildung für das Naturpark-Team,sowie die Naturparkführerinnen und Naturparkführer sei ebenfalls denkbar.

Martin Fischer vom Büro für Barrierefreies Wandern erfasst die Bedingungen auf dem Naturparkrundweg „Blauer Pilz“ bei Burgsinn (Foto: Julian Bruhn)

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Kleine Verbesserungen, große Wirkung

Bei fast allen untersuchten Wegen fehlen ausreichend Ruhebänke. Gerade Menschen mit Prothesen, Rollator oder Krücken sind auf regelmäßige Erholungsmöglichkeiten angewiesen. Hier liegt konkretes Verbesserungspotenzial. Auch Familien profitieren von gut beschriebenen, möglichst hindernisarmen Strecken.

„Als Familienvater sehe ich eine große Schnittmenge zwischen den Bedürfnissen von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und Familien mit Kinderwagen“, sagt Julian Bruhn, Projektleiter beim Naturpark Spessart. „Die Hinweise aus dem Projekt werden in künftige Planungen einfließen.“ Die Einteilung in drei Schwierigkeitsgrade helfe, das Thema Schritt für Schritt weiterzuentwickeln, ohne dafür umfangreiche Fördermittel vorauszusetzen.

Mit dem Projekt stärkt der Naturpark die Teilhabe am Naturerlebnis und schafft eine bessere Grundlage für die Tourenplanung. Denn je verlässlicher die Informationen, desto leichter wird es, den Spessart entsprechend den eigenen Möglichkeiten zu entdecken.

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